Hoffegut, eine Dohle auf der Hand, und Ratefreund, mit einer Krähe,
kommen mühsam über die Felsen geklettert. Beide tragen Bratspieße
geschultert, an denen etliche Töpfe und Krüge baumeln.
+Hoffegut+ (zur Dohle):
Gradaus meinst du, dem Baum dort zu?
+Ratefreund+ (zur Krähe):
Daß du zerplatztest, Mistvieh du! ...
+Die+ krächzt zurück!
+Hoffegut+:
Übel beraten
Spulen wir ab des Weges Faden.
Die Berge auf, die Berge ab
Irrlichtelieren wir ins Grab.
+Ratefreund+:
Ich Narr! Ließ mich von der Krähe fangen!
Bin tausend Meilen umgegangen!
+Hoffegut+:
Ich Ärmster! Folgte dem Dohlenschrei
Und stieß mir die Zehennägel entzwei!
+Ratefreund+:
Wo sind wir bloß in aller Welt?
+Hoffegut+:
Du fändest nimmer heimwärts, gelt?
(Stößt an einen Stein)
O wehe!
+Ratefreund+:
Ist just ein Weg für +deine+ Zehe!
+Hoffegut+:
Uns hat der Vogler bös genarrt,
Der gallengelbe Widerwart.
+Die+ sollten uns zu Tereus weisen,
Zum Vogel Wiedehopf? .. Ja .. Meisen!
Ein’ Batzen galt die Dohle, drei
Galt deine Krey —,
Und was verstehn sie? Zuzubeißen!
(zur Dohle)
Du schnappst? Was soll das wieder heißen?
Willst uns den Fels hinunterschmeißen?
Das wär’ fürwahr ein sondrer Weg!
+Ratefreund+:
Beim Zeus, ich seh’ nicht Pfad noch Steg.
+Hoffegut+:
Und deine Krähe? Weiß +sie+ Kunde?
+Ratefreund+:
Krächzt anders als vor einer Stunde.
+Hoffegut+:
Was meint sie zu dem Weg?
+Ratefreund+:
Sie sagt,
Daß sie die Finger mir abe hackt.
+Hoffegut+:
’s ist arg: wir, die zum Kucker wöllen,
Wir wohlbesohlte Wanderg’sellen,
Wir müssen itzt den Weg verfehlen!
(gegen die Zuschauer)
O teilnahmsvolles Publikum,
Uns treibt ein ander Übel um
Als den, der an der Stadtsucht leid’t
Und seinem Dorf entrinnen möchte;
Wir sind aus noblem Stadtgeschlechte,
Sind gute Städter, echte, rechte,
Und doch, von keiner Faust bedräut,
Aus unsrer Stadt in weitem Bogen
Mit gleichen Füßen ’rausgeflogen.
Ihr meint, weil wir sie haßten? Nein.
Groß ist sie von Natur und fein,
Und offen stehen ihre Türen
All denen, die ums Geldverlieren
Prozesse führen.
Ein’n Monat oder zwei im Jahr
Gilft in den Büschen die Grillenschar.
Aber vor Gericht der Athener Sang
Dauert das ganze Leben lang.
Drum sind wir hier mit Sack und Pack,
Suchen einen Ort nach unsrem Schmack,
Wo nit Rechtstreit’ und Händel brennen,
Wo wir im Frieden hausen können.
Zum Wiedehopf führt unser Pfad,
Ob er die so beschaff’ne Stadt
Vielleicht im Flug eräuget hat.
+Ratefreund+:
Du!
+Hoffegut+:
Nun, was gibt’s?
+Ratefreund+:
Die Krähe weist
Nach oben.
+Hoffegut+:
Auch die Dohle beißt
Grimmig nach oben, will mir was künden.
Mich dunkt, da müssen sich Vögel finden.
.. Ein bissel Lärm wird’s gleich ergründen.
+Ratefreund+ (scherzend):
Schlag das Bein
Ans Gestein,
Gleich so fallen die Vögel ein.
+Hoffegut+:
Und du den +Kopf+, ’s wird lauter sein!
+Ratefreund+:
Ich nähm’ doch lieber einen Stein!
+Hoffegut+:
Gut, wenn du meinst.
(klopft mit einem Stein an eine Felswand)
He, Wirtschaft! Ho!
+Ratefreund+:
Ei was — nit so!
Wirtschaft statt +Wiedhopf+! ~Qui pro quo!~
+Hoffegut+:
He, Wiedehopf! (lauscht)
Kein Laut ... Meinst, daß ich nochmals klopf’? (tut’s)
He, Wiedehopf!