2. dass der eine umfassender als der andere sei.

Nun ist der Satz:

der Umfang des Begriffes »gleichzahlig dem Begriffe F« ist gleich

dem Umfange des Begriffes »gleichzahlig dem Begriffe G«

immer dann und nur dann wahr, wenn auch der Satz

»dem Begriffe F kommt dieselbe Zahl wie dem Begriffe G zu«

wahr ist. Hier ist also voller Einklang.

Man sagt zwar nicht, dass eine Zahl umfassender als eine andere sei in

dem Sinne, wie der Umfang eines Begriffes umfassender als der eines

andern ist; aber der Fall, dass

der Umfang des Begriffes »gleichzahlig dem Begriffe F«

umfassender sei als

der Umfang des Begriffes »gleichzahlig dem Begriffe G«

kann auch gar nicht vorkommen; sondern, wenn alle Begriffe, die dem G

gleichzahlig sind, auch dem F gleichzahlig sind, so sind auch umgekehrt

alle Begriffe, die dem F gleichzahlig sind, dem G gleichzahlig. Dies

»umfassender« darf natürlich nicht mit dem »grösser« verwechselt

werden, dass bei Zahlen vorkommt.

Freilich ist noch der Fall denkbar, dass der Umfang des Begriffes

»gleichzahlig dem Begriffe F« umfassender oder weniger umfassend wäre

als ein anderer Begriffsumfang, der dann nach unserer Erklärung keine

Anzahl sein könnte; und es ist nicht üblich, eine Anzahl umfassender

oder weniger umfassend als den Umfang eines Begriffes zu nennen; aber

es steht auch nichts im Wege, eine solche Redeweise anzunehmen, falls

solches einmal vorkommen sollte.

Ergänzung und Bewährung unserer Definition.

§ 70. Definitionen bewähren sich durch ihre Fruchtbarkeit. Solche, die

ebensogut wegbleiben könnten, ohne eine Lücke in der Beweisführung zu

öffnen, sind als völlig werthlos zu verwerfen.

Versuchen wir also, ob sich bekannte Eigenschaften der Zahlen aus

unserer Erklärung der Anzahl, welche dem Begriffe F zukommt, ableiten

lassen! Wir werden uns hier mit den einfachsten begnügen.

Dazu ist es nöthig, die Gleichzahligkeit noch etwas genauer zu fassen.

Wir erklärten sie mittels der beiderseits eindeutigen Zuordnung, und

wie ich diesen Ausdruck verstehen will, ist jetzt darzulegen, weil man

leicht etwas Anschauliches darin vermuthen könnte.

Betrachten wir folgendes Beispiel! Wenn ein Kellner sicher sein will,

dass er ebensoviele Messer als Teller auf den Tisch legt, braucht

er weder diese noch jene zu zählen, wenn er nur rechts neben jeden

Teller ein Messer legt, sodass jedes Messer auf dem Tische sich

rechts neben einem Teller befindet. Die Teller und Messer sind so

beiderseits eindeutig einander zugeordnet und zwar durch das gleiche

Lagenverhältniss. Wenn wir in dem Satze

»α liegt rechts neben A«

für α und A andere und andere Gegenstände eingesetzt denken, so macht

der hierbei unverändert bleibende Theil des Inhalts das Wesen der

Beziehung aus. Verallgemeinern wir dies!

Indem wir von einem beurtheilbaren Inhalte, der von einem Gegenstande

a und von einem Gegenstande b handelt, a und b absondern, so behalten

wir einen Beziehungsbegriff übrig, der demnach in doppelter Weise

ergänzungsbedürftig ist. Wenn wir in dem Satze:

»die Erde hat mehr Masse als der Mond«

»die Erde« absondern, so erhalten wir den Begriff »mehr Masse als der

Mond habend«. Wenn wir dagegen den Gegenstand »der Mond« absondern,

gewinnen wir den Begriff »weniger Masse als die Erde habend«. Sondern

wir beide zugleich ab, so bleibt ein Beziehungsbegriff zurück, der

für sich allein ebensowenig wie ein einfacher Begriff einen Sinn hat:

er verlangt immer eine Ergänzung zu einem beurtheilbaren Inhalte.

Aber diese kann in verschiedener Weise geschehen: statt Erde und Mond

kann ich z. B. Sonne und Erde setzen, und hierdurch wird eben die

Absonderung bewirkt.

Die einzelnen Paare zugeordneter Gegenstände verhalten sich

in ähnlicher Weise -- man könnte sagen als Subjecte -- zu dem

Beziehungsbegriffe, wie der einzelne Gegenstand zu dem Begriffe, unter

den er fällt. Das Subject ist hier ein zusammengesetztes. Zuweilen,

wenn die Beziehung eine umkehrbare ist, kommt dies auch sprachlich zum

Ausdrucke wie in dem Satze »Peleus und Thetis waren die Eltern des

Achilleus«[89]. Dagegen wäre es z. B. nicht gut möglich, den Inhalt des

Satzes »die Erde ist grösser als der Mond« so wiederzugeben, dass »die

Erde und der Mond« als zusammengesetztes Subject erschiene, weil das

»und« immer eine gewisse Gleichstellung andeutet. Aber dies thut nichts

zur Sache.

Der Beziehungsbegriff gehört also wie der einfache der reinen Logik an.

Es kommt hier nicht der besondere Inhalt der Beziehung in Betracht,

sondern allein die logische Form. Und was von dieser ausgesagt werden

kann, dessen Wahrheit ist analytisch und wird _a priori_ erkannt. Dies

gilt von den Beziehungsbegriffen wie von den andern.

Die Grundlagen der Arithmetik Eine logische mathematische Untersuchung über den Begriff der Zahl · 第 13 / 26 题