TEUFEL (_höhnisch_). KANN es das?--Ich sag Dir, das in ihr
verschlossene Gift ist so stark: nach vierzehn Tagen soll der, der sie
berührt, mit Augen wie Glasklicker in die Welt schauen; seine Gedanken
gerinnen ihm, und er schnappt nach Hoffnungsluft, wie ein trocken
gewordener Fisch; nach sechs Wochen betrachtet er seinen Körper und
fragt: Bin das ich? die Haare fallen ihm aus, die Wimpern fallen ihm
aus, die Zähne fallen ihm aus; Gebiß und Gelenke werden wackelig; nach
drei Monaten ist er an seiner Menschenoberfläche durchlöchert, wie ein
Sieb, und er spekuliert an den Schaufenstern herum, ob man etwa eine
neue Menschenhaut kaufen kann; die Verzweiflung rinnt ihm nicht nur
im Herzen zusammen, sondern läuft ihm stinkend auch zur Nase heraus;
die Freunde begucken sich gegenseitig, und wer in der ersten Phase der
Vergiftung ist, lacht den aus, der sich in der dritten oder vierten
befindet; nach einem Jahr fällt ihm die Nase in den Suppenteller,
und er läuft zum Kautschukhändler, um eine neue zu kaufen; dann
verzieht er, geht an einen andern Ort, wechselt sein Handwerk, wird
mitleidig und sentimental, tut keinem Tierlein 'was zuleide, entwickelt
moralische Gesinnungen, spielt mit den Mücklein in der Sonne und
beneidet die jungen Bäume im Frühling; er wird katholisch,--wenn er
protestantisch war; und protestantisch,--wenn er katholisch war: nach
zwei, drei Jahren liegen ihm die Leber und die großen Drüsen wie Mörser
im Leib und er denkt auf lockere Speisen; dann gimpelt's ihm im einen
Aug', nach einem weiteren Vierteljahr ist es zu; nach fünf, sechs
Jahren beginnt ein Zucken und Schießen im Körper auf und ab, wie ein
Feuerwerk; er geht noch spazieren, und fleißig sieht er nach, ob die
Füße noch unter dem Leib hervorkommen; noch etwas später zieht er es
vor, im Bett zu bleiben; er liebt die Wärme; nach acht Jahren etwa
nimmt er sich eines Tags einen Knochen aus dem eigenen Gebäu, beriecht
ihn, und schmeißt ihn voll Grausen in die Ecke; er wird dann fromm,
frömmer, am frömmsten; er liebt die Maroquin-Bände mit Goldschnitt und
einem Kreuz darauf; und nach zehn Jahren liegt er schlank dort, ein
verwelktes Skelett, mit gähnend gegen den Plafond aufgesperrtem Maul,
das "Warum" fragt und stirbt.--Die Seele gehört dann Euch!--
MARIA (_sich voll Abscheu wegwendend_). Äh!
TEUFEL (_verwundert_). Was?--Habe ich meine Sache nicht gut
gemacht?--War die Arbeit nicht so bestellt?--
MARIA (_die Hände vor dem Gesicht, schluchzend_). Ach, die armen
Menschen!
TEUFEL (_einfallend_).... bleiben _erlösungs-bedürftig_ und
_erlösungs-fähig_!--
Maria (_die sich wieder umgewendet, starrt mit offenen Augen das
Weib an, in deren Anblick sie versunken bleibt. Das Weib in der
ursprünglichen, naiven, seiner unbewußten, schönheitsvollen Haltung._)
(_Man hört draußen ein Geräusch, wie von Kommenden_).
MARIA (_erwachend, und zur Thüre eilend_). Nein, niemand soll
herein!--(_nachdem sie vor der Thüre die Kommenden erblickt_.) Nein,
mein Sohn soll nicht herein, kann nicht herein, darf nicht herein;
(_zurückkehrend, wild_). Schaff' mir das Weib aus dem Haus!--Thu' mit
ihr, was Du willst; aber fort, fort!--Augenblicklich!--
TEUFEL (_bittend_). Liebe Maria, Immerwährende Jungfrau, Allerseligste
Gottesgebärerin, ich hätte noch einige Wünsche, ich denke, ich verdiene
doch,... Du weißt....
MARIA (_eilfertig_). Ja, ja,--Du sollst Deine _Stiege_ haben;--aber nur
fort, fort!--