Aufnahme von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz

=Der Hautfarn= (~Hymenophyllum tunbridgense Smith~)]

Wie so viele andere Farne findet sich ~Hymenophyllum tunbridgense

fossil~ bereits im Carbon (s. Prantl-Pax: Lehrbuch der Botanik, S. 255).

Was den Standort im Uttewalder Grund bei Wehlen betrifft, so ist

mir nur noch eine einzige Stelle hinter dem Felsentor bekannt,

glücklicherweise dermaßen unzugänglich, daß eine Ausrottung des dort

nur noch in einigen spärlichen Exemplaren anzutreffenden Pflänzchens

nicht wohl zu befürchten ist. Im Jahre 1905 fand ich bachaufwärts noch

eine zweite Stelle mit einigen schönen Exemplaren; leider wurde diese

Fundstelle bereits im folgenden Jahre durch einen Wolkenbruch völlig

zerstört, der einen Felsabsturz auslöste, mit dem die kärglichen Reste

des Farns zu Tal gerissen und für immer vernichtet wurden. Jedenfalls

trifft die oben angeführte Bemerkung Hippes nicht zu, nach der man

anzunehmen gezwungen ist, daß im Uttewalder Grunde kein Fundort mehr

vorhanden sei.

Glücklicherweise ist es dem sehr verdienten, leider vor zwei Jahren

verstorbenen Geologen Professor Dr. O. Beyer vergönnt gewesen, noch

einen weiteren Standort des ~Hymenophyllum tunbridgense~, und zwar

im Basteigebiet zu entdecken. Auch dieser ist mir bekannt, aus

begreiflichen Gründen muß ich jedoch davon absehen, ihn näher zu

bezeichnen.

Getrocknete Exemplare von den Standorten aus dem Uttewalder Grunde habe

ich seinerzeit Herrn Dr. Fr. Massute, Dresden, gegeben, der diese, wie

auch solche von dem verstorbenen Professor Dr. Schorler gesammelte

seinem ~Herbarium~ einverleibt hat.

Die Blattwedel des ~Hymenophyllum~ sind äußerst zart und die Stengel

sehr dünn, nicht viel stärker als ein Roßhaar, schwarzglänzend und rund.

Das ~Hymenophyllum tunbridgense~, das auch Linné bekannt war, muß

unbedingt als ein Eiszeitrelikt angesehen werden[13].

Hoffen wir, daß die wenigen noch heute vorhandenen Fundstellen noch

recht lange erhalten bleiben. Eine Zerstörung durch Naturereignisse,

wie der einen im Uttewalder Grunde, erscheint durch ihre günstige Lage

als ausgeschlossen. Allerdings gegen Mutwillen und Vandalismus gewisser

Wanderer läßt sich nur schwer ankämpfen. Hat aber die Pflanze bereits

viele Jahrtausende überdauert, dann ist wohl auch anzunehmen, daß sie

uns noch weiterhin erhalten bleibt.

Fußnote:

[13] Ich möchte diese Pflanze mit ihrem atlantischen

Vorkommen nicht als Eiszeitrelikt bezeichnen; mir

scheint es vielmehr ein Relikt aus wärmerer Periode,

der die Eiszeit an geschützter Stelle überdauert hat,

vielleicht ein Tertiär-Relikt. – Drude hält ~Hymenophyllum

tunbridgense~ für »einen Überrest der Interglazialzeit«.

Ein ähnliches interessantes Farnvorkommen, nämlich von

der mittelmeerländischen ~Notochlaeno Marantae~ an der

Südostgrenze des Böhmerwaldes wird von Professor v. Beck

angeführt, der dieselbe »als Relikt einer schon vor der

Glazialzeit bestandenen Flora« betrachtet.

Dr. Naumann.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 7-8 · 第 50 / 61 题