In Freiberg, in der neuen Jakobikirche befindet sich ein mächtiger,
holzgeschnitzter Altaraufsatz, der im Jahre 1610 von Kurfürst Christian
II. von Sachsen und seiner Gemahlin gestiftet wurde, und der von der
Meisterhand des Freiberger Bildschnitzers Bernhard Dittrich geschaffen
wurde. Das prachtvolle, überaus reich dekorierte Stück war bei der
Übernahme aus der alten in die neue Kirche so aufgestellt worden,
daß seine Rückseite dicht an der Apsiswand anlag, ein Fehler, der
sich bitter rächen sollte. Der Holzwurm wütete nämlich ungestört und
derart in dem Holzwerke, daß bei Hinzuziehung des Landesamtes im Jahre
1921 an einen Abtransport des Altars in die Werkstätten nach Dresden
nicht mehr gedacht werden konnte, es wäre nur eine Ladung Wurmmehl
dort eingetroffen. So mußte mit größter Vorsicht das große Kunstwerk
an Ort und Stelle auseinandergenommen und auf dem Altarplatz selbst
imprägniert werden. Die überaus schwierige und nicht ungefährliche
Arbeit ist gut gelungen, und das wertvolle Schnitzwerk steht, wie
Abbildung 2 erkennen läßt, in alter Schönheit wieder an Ort und Stelle,
nur mit dem Unterschied, daß zwischen Altaraufsatz und Wand nunmehr ein
größerer Zwischenraum verblieb.
Welch große Gefahren so ein vom Wurmfraß befallenes Stück für seine
ganze Nachbarschaft bedeuten kann, wird in Laienkreisen noch vielfach
unterschätzt und allgemein zu wenig beachtet. Ein vom Holzwurm
angefallener Stuhl kann eine ganze Kircheninneneinrichtung verseuchen,
eine gleichfalls derart infizierte kleine Holzfigur ein ganzes Museum
anstecken. Hausmittel, wie Petroleum und dergleichen können zwar den
Wurm und den Käfer abtöten, richten aber gar nichts aus gegen die sehr
widerstandsfähigen Eierablagerungen. Zeigen sich an einem gefährdeten
Objekt an einzelnen Stellen immer wieder Wurmmehlhäufchen und rieselt
bei leichtem Klopfen stets wieder Holzmehl aus den Bohrlöchern so ist
energisches Eingreifen unbedingt geboten. Nur zwei Beispiele wurden
hier aus der Praxis des Landesamtes angeführt, aber weit über Sachsens
Grenzen hinaus wird heute schon das von den Dresdner Werkstätten für
Denkmalpflege ausprobierte Verfahren mit bestem Erfolg angewendet.