Aufnahme von Dr. Bachmann

Abb. 1 =Totenschild des Herrn Georg von Ende, † 1660, Kirche zu

Burkhardswalde= (Meißen)]

Der Holzwurm ist ein heimlicher Geselle, der seine Arbeit zwar

verschwiegen, dafür um so gründlicher betreibt. Die dem Beschauer

allein zugewendeten, meist schön bemalten und vergoldeten Teile eines

Altars, eines Familienepitaphs oder eines Ölgemäldes auf Holzgrund

lassen stets nur ganz vereinzelte Bohrlöcher erkennen, aus denen

das charakteristische feine, gelbe Mehl herausrinnt, dagegen weisen

Standflächen an Fußböden oder Wänden, Stellen, die selten oder nie dem

Tageslicht zugekehrt werden zahllose Durchbohrungen auf. So erscheint

manch schönes Stück, das lange auf einer Stelle steht, oder ruhig an

den Wänden hängt untadelhaft im Stand, bis es eines Tages ganz

unvermittelt zusammenbricht. Nimmt man dann Teile solcher Bildwerke

zur Hand, so kann man beobachten, was allein schon das leichte Gewicht

verrät, daß das Holzwerk bis auf eine ganz dünne deckende Kruste

durchweg in Wurmmehl verwandelt ist. Bruchflächen lassen statt der

Holzfasern eine pfefferkuchenartige Struktur erkennen, die feinstes

Holzmehl ausfüllt. Ein Kind kann jetzt die starken Holzteile, etwa die

Säulen eines großen Altaraufbaues mit einer Hand zusammendrücken, und

der Laie ist dann schnell mit dem Urteil bei der Hand: rettungslos

verloren! Hier setzt nun die Tätigkeit des Konservators ein. Wir

haben Stücke in die Werkstatt übernommen, die auch nach Meinung von

Fachleuten, von Architekten und Bildhauern nicht mehr zu erhalten

waren und haben sie doch noch retten können. Zwei Beispiele nur

mögen hier angeführt werden. Ein holzgeschnitztes Wappenepitaph aus

einer Dorfkirche bei Meißen, das bis auf die äußerste, papierdünne

Haut völlig leergefressen war, wurde zunächst, da es aus lauter

Einzelbruchstücken bestand auf eine feste Holzplatte montiert, die

nun sozusagen als Arbeitstisch diente. Der Holzbildhauer ergänzte

die wenigen fehlenden Glieder, dann folgte das Durchtränken mit

Imprägnierungsflüssigkeit und schließlich legte der Restaurator an

den nun völlig neu gefertigten Körper letzte Hand an. Kreidegrund,

Farben und Vergoldung werden von der Schutzflüssigkeit in keiner Weise

angegriffen, nur durch vorübergehenden stechenden Geruch und durch

größeres Gewicht der fertigen Teile verrät sich der Eingriff. War es

vorher unmöglich dem zermürbten Körper mit irgendwelchen Werkzeugen

zu Leibe zu gehen, so läßt sich nunmehr das neu gestärkte Holz nach

Belieben mit Schnitzmesser, Säge usw. behandeln. Abbildung 1 gibt den

geretteten Kunstgegenstand nach seiner Auffrischung wieder, demnächst

soll er wieder am alten Platz in seiner Kirche angebracht werden.

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 7-8 · 第 34 / 61 题