Wider diesen Satz einer unendlichen Teilung der Materie, dessen
Beweisgrund bloß mathematisch ist, werden von den Monadisten Einwürfe
vorgebracht, welche sich dadurch schon verdächtig machen, daß sie
die klarsten mathematischen Beweise nicht für Einsichten in die
Beschaffenheit des Raumes, sofern er in der Tat die formale Bedingung
der Möglichkeit aller Materie ist, wollen gelten lassen, sondern sie
nur als Schlüsse aus abstrakten aber willkürlichen Begriffen ansehen,
die auf wirkliche Dinge nicht bezogen werden könnten. Gleich als wenn
es auch nur möglich wäre, eine andere Art der Anschauung zu erdenken,
als die in der ursprünglichen Anschauung des Raumes gegeben wird, und
die Bestimmungen desselben a priori nicht zugleich alles dasjenige
beträfen, was dadurch allein möglich ist, daß es diesen Raum erfüllt.
Wenn man ihnen Gehör gibt, so müßte man, außer dem mathematischen
Punkte, der einfach, aber kein Teil, sondern bloß die Grenze eines
Raumes ist, sich noch physische Punkte denken, die zwar auch einfach
sind, aber den Vorzug haben, als Teile des Raumes, durch ihre bloße
Aggregation denselben zu erfüllen. Ohne nun hier die gemeinen und
klaren Widerlegungen dieser Ungereimtheit, die man in Menge antrifft,
zu wiederholen, wie es denn gänzlich umsonst ist, durch bloß
diskursive Begriffe die Evidenz der Mathematik weg vernünfteln zu
wollen, so bemerke ich nur, daß, wenn die Philosophie hier mit der
Mathematik schikaniert, es darum geschehe, weil sie vergißt, daß es
in dieser Frage nur um Erscheinungen und deren Bedingung zu tun sei.
Hier ist es aber nicht genug, zum reinen Verstandesbegriffe des
Zusammengesetzten den Begriff des Einfachen, sondern zur Anschauung
des Zusammengesetzten (der Materie) die Anschauung des Einfachen zu
finden, und dieses ist nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin auch
bei Gegenständen der Sinne, gänzlich unmöglich. Es mag also von einem
Ganzen aus Substanzen, welches bloß durch den reinen Verstand gedacht
wird, immer gelten, daß wir vor aller Zusammensetzung desselben
das Einfache haben müssen; so gilt dieses doch nicht vom totum
substantiale phaenomenon, welches, als empirische Anschauung im Raume,
die notwendige Eigenschaft bei sich führt, daß kein Teil desselben
einfach ist, darum, weil kein Teil des Raumes einfach ist. Indessen
sind die Monadisten fein genug gewesen, dieser Schwierigkeit dadurch
ausweichen zu wollen, daß sie nicht den Raum als eine Bedingung der
Möglichkeit der Gegenstände äußerer Anschauung (Körper), sondern
diese, und das dynamische Verhältnis der Substanzen überhaupt, als die
Bedingung der Möglichkeit des Raumes voraussetzen. Nun haben wir von
Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff, als solche aber setzen
sie den Raum als die Bedingung der Möglichkeit aller äußeren
Erscheinung notwendig voraus, und die Ausflucht ist also vergeblich,
wie sie denn auch oben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend
ist abgeschnitten worden. Wären sie Dinge an sich selbst, so würde der
Beweis der Monadisten allerdings gelten.
Die zweite dialektische Behauptung hat das Besondere an sich, daß
sie eine dogmatische Behauptung wider sich hat, die unter allen
vernünftelnden die einzige ist, welche sich unternimmt, an einem
Gegenstande der Erfahrung die Wirklichkeit dessen, was wir oben bloß
zu transzendentalen Ideen rechneten, nämlich die absolute Simplizität
der Substanz, augenscheinlich zu beweisen: nämlich daß der Gegenstand
des inneren Sinnes, das Ich, was da denkt, eine schlechthin einfache
Substanz sei. Ohne mich hierauf jetzt einzulassen, (da es oben
ausführlicher erwogen ist,) so bemerke ich nur: daß wenn etwas bloß
als Gegenstand gedacht wird, ohne irgendeine synthetische Bestimmung
seiner Anschauung hinzuzusetzen, (wie denn dieses durch die ganz
nackte Vorstellung: Ich, geschieht,) so könne freilich nichts
Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung in einer solchen Vorstellung
wahrgenommen werden. Da überdem die Prädikate, wodurch ich diesen
Gegenstand denke, bloß Anschauungen des inneren Sinnes sind, so kann
darin auch nichts vorkommen, welches ein Mannigfaltiges außerhalb
einander, mithin reale Zusammensetzung bewiese. Es bringt also nur das
Selbstbewußtsein es so mit sich, daß, weil das Subjekt, welches denkt,
zugleich sein eigen Objekt ist, es sich selber nicht teilen kann
(obgleich die ihm inhärierenden Bestimmungen); denn in Ansehung seiner
selbst ist jeder Gegenstand absolute Einheit. Nichtsdestoweniger,
wenn dieses Subjekt äußerlich, als ein Gegenstand der Anschauung,
betrachtet wird, so würde es doch wohl Zusammensetzung in der
Erscheinung an sich zeigen. So muß es aber jederzeit betrachtet
werden, wenn man wissen will, ob in ihm ein Mannigfaltiges außerhalb
einander sei, oder nicht.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Dritter Widerstreit der transzendentalen Ideen