Beweis

Denn, nehmet an, die zusammengesetzten Substanzen beständen nicht

aus einfachen Teilen; so würde wenn alle Zusammensetzung in Gedanken

aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Teil, und (da es keine

einfachen Teile gibt) auch kein einfacher, mithin gar nichts

übrigbleiben, folglich keine Substanz sein gegeben worden. Entweder

also läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben,

oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne alle Zusammensetzung

Bestehendes, d.i. das Einfache, übrigbleiben. Im ersteren Falle aber

würde das Zusammengesetzte wiederum nicht aus Substanzen bestehen

(weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation der

Substanzen ist, ohne welche diese, als für sich beharrliche Wesen,

bestehen müssen). Da nun dieser Fall der Voraussetzung widerspricht,

so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich das substantielle

Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Teilen bestehe.

Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesamt einfache

Wesen sind, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben

sei, und daß, wenn wir die Elementarsubstanzen gleich niemals völlig

aus diesem Zustande der Verbindung setzen und isolieren können, doch

die Vernunft sie als die ersten Subjekte aller Komposition, und

mithin, vor derselben, als einfache Wesen denken müsse.

Kritik der reinen Vernunft (Erste Fassung 1781) · 第 52 / 70 题