Anmerkungen zur Transkription
Das gedruckte Buch ist in Frakturschrift gesetzt.
Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.
Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
Buches.
Der sächsische
PRINZENRAUB
nach älteren und neueren Quellen
nebst
einer Beschreibung
DES ZU DESSEN ERINNERUNG
errichteten
Denkmals
_und des zu seinem Schutze erbauten_
Köhlerhauses
am Fürstenberge bei Grünhain.
Motto: _Wer seinem Fürstenhaus mit wahrer Treue zugethan,
Der ist, -- sei er ein schlichter Köhler
auch, -- doch stets ein edler, braver Mann._
Mit 3 Abbildungen.
Annaberg, 1840.
In Commission bei Rudolph & Dieterici.
Inhaltsverzeichniß.
I. Der +Prinzenraub+. S. 1.
II. Das +Denkmal+ am Fürstenberge. (Nebst Abbild.) " 59.
III. Das +Köhlerhaus+ dazu. (Nebst Abbildung.) " 68.
I. Der Prinzenraub.
+Friedrich der Streitbare+, welcher den 5. Januar 1428 starb,
hinterließ vier Söhne. Namens: +Sigismund+, +Heinrich+, +Friedrich
d. Sanftmüthige+ und +Wilhelm+ III., die das vom Vater geerbte
sächs. meißnische Land gemeinschaftlich verwalteten. Nachdem aber
+Sigismund+ den geistlichen Stand erwählte, Bischof zu Würzburg wurde;
+Heinrich+ 1436 und ihr Vetter, Landgraf +Friedrich v. Thüringen+, der
+Friedfertige+ genannt, 1440 ohne Erben starb, und Thüringen daher an
Meißen kam, unternahmen +Friedrich+ und +Wilhelm+ den 10. Septbr. eine
Theilung, so daß +Wilhelm+, Thüringen und die Hälfte des +Osterlandes+,
+Friedrich+, die +Markgrafschaft+ nebst den zur +Kurwürde gehörigen
Ländern+ allein, Freiberg aber und die Bergwerke gemeinschaftlich,
durch das Loos erhielten. Allein +Wilhelm+ III. auf Anstiften seiner
vertrauten Räthe: +Busse+ zu +Dornburg+, +Bernhardt von Kochberg+ zu
+Wachsenburg+, +Friedrich von Witzleben+ zum +Wendelsteine+, +Busse+,
+Apel+ und +Bernhardt v. Vitzthum+ zu +Roßla+ und +Thanrode+, war mit
der Theilung nicht zufrieden. Ein Vergleich, welchen +Friedrich+
mit ihm im Kloster +Neumark+ bei Halle den 10. Decbr. 1445 abschloß
(der +Hallische Machtspruch+ genannt) beruhigte ihn noch nicht und
+Friedrichs+ Verlangen seine feindseligen Räthe zu entlassen, ließ
er nicht allein unerfüllt, sondern unternahm auch einen Streifzug
gegen Roßla, einer Vitzthumischen Besitzung und verursachte so
den sogenannten +sächsischen Bruderkrieg+. Dieser Krieg hatte die
traurigsten Folgen, namentlich die Verwüstung des thüringschen Landes,
welche +Apel von Vitzthum+ verübte, weil er vom Herzoge +Wilhelm+
III. verabschiedet und einiger Güter beraubt worden war; dann den
+sächsischen Prinzenraub+, dessen Geschichte diese wenigen Blätter
füllen soll.
+Kunz von Kauffungen+, kurfürstlicher Schloßhauptmann und
Regimentsoberster hatte in den Diensten des Kurfürsten, +Friedrich d.
Sanftmüthigen+, in dem Streite zwischen seinem Bruder +Wilhelm+ III.
mit gefochten. Er war einer der tapfersten Ritter seiner Zeit, was
er schon im Hussitenkriege, vorzüglich durch seinen unerschrockenen
Muth bewiesen hatte.[1] -- Nun traf es sich aber, daß er, als er
zum Entsatze der Stadt +Gera+ eilen wollte, mit seinen Genossen
gefangen genommen wurde und nicht anders als gegen ein Lösegeld von
4000 Goldgülden, wieder freigegeben werden sollte. Kunz forderte
diese Summe vom Kurfürsten zurück und um so eher als dieser auch für
andere Ritter, wie für +Niklas von Pflugk+,[2] die seine Lehnsleute
waren, Lösegeld bezahlt hatte. Der Kurfürst, da Kunz v. Kauffungen
blos ein Söldner war, weigerte sich, ihm diese Summe zu ersetzen.
Hierzu kam: Kunzs Besitzungen in Thüringen waren im Laufe des
Bruderkrieges verwüstet, und der Kurfürst hatte ihm dafür einstweilen
einige Güter +Apel v. Vitzthums+ wie +Schwickershain+ (-- das heutige
Schweickershain --), +Kriebenstein+, +Ehrenburg+ u. Andere zur
Entschädigung angewiesen, doch mit der Bedingung, nach dem Kriege sie
wieder auszutauschen. +Kunz+ stellte dagegen zu +Meißen+ am Sonnabend
in der Osterwoche 1449 eine handschriftliche Versicherung aus: Den
Augenblick solche wieder ihrem rechtmäßigen Besitzer zu überlassen,
sobald ihm der Kurfürst zu den seinigen Besitzungen verholfen haben
würde.[3] -- Nachdem nun den 27. Jan. 1451 zu Kloster +Pforte+
die Zwistigkeiten der beiden Brüder wieder ausgeglichen waren und
im Friedensvertrage ein Artikel so lautete, daß alles wie vorher
bleiben sollte, jeder das Gewonnene herausgebe, erhielt +Kunz von
Kauffungen+ +seine+ Besitzungen in Thüringen wieder, indem er nun
auch die Vitzthumschen Besitzungen wieder herausgeben sollte. Allein
zu diesem wollte er sich durchaus nicht verstehen; vorzüglich da er
+Schwickershain+ ganz ausgebaut und bewohnbar gemacht hatte, auch für
seine geleisteten Dienste Belohnung und Ersatz des Lösegeldes unbedingt
zu verlangen glaubte. +Friedrich der Sanftmüthige+ erinnerte sich
sowohl der treuen Dienste, die Kunz ihm geleistet hatte, doch konnte
er sich zu einer solchen Forderung nicht verstehen, die dem mit seinem
Bruder geschlossenen Frieden geradezu entgegen war, zumal auch Kunz,
wie bereits oben erwähnt wurde, handschriftlich Verzicht geleistet
hatte. Allein alle Vorstellungen, die ihm der Kurfürst deshalb machte,
um ihn mit Güte zur Ruhe zu bringen, konnten +Kunzen+ zur Rückgabe der
Güter nicht bewegen.
+Apel von Vitzthum+, wie schon oben gesagt worden ist, war mit dem
Herzoge +Wilhelm+ III. ebenfalls in Feindschaft gerathen, weil seine
boshaften Anschläge gegen den Kurfürst +Friedrich+ durch den Frieden
zu Nichte gemacht worden waren. Außer der Gnade seines Herrn verlor
er auch seine schönen Schlösser.[4] Er suchte nun seinen Herzog auf
alle mögliche Art zu necken, so daß Herzog +Wilhelm+ mit Hilfe der
+Erfurter+, +Mühlhäuser+ und +Nordhäuser+ gegen +v. Vitzthum+ zu Felde
zog, schleifte das Schloß +Gleißberg+, das sich, von Vitzthum nach
dem Bruderkriege nur erst wieder aufgebaut hatte, erklärte ihn und
seine Brüder als +Landesverräther+. Vitzthum flüchtete nun nach Böhmen;
suchte dort Anhang zu gewinnen, sowohl gegen den Herzog +Wilhelm+
III., als auch gegen den Kurfürst +Friedrich+. Gegen letzteren war
er deswegen erbittert, indem er einst so nachdrücklich auf seine
Entfernung von Herzog +Wilhelms+ Hofe gedrungen hatte.[5] --
An diesem glaubte +Kunz von Kauffungen+ seinen Mann zu finden, der mit
ihm gemeinschaftliche Sache machen würde. Kunz trat deshalb mit ihm in
Briefwechsel; nichts war Vitzthumen willkommner. Sogar trat Vitzthum
seine +Ansprüche auf seine meißnischen Güter ihm+ ab, um Kunzens
Forderungen mehr Nachdruck zu geben. -- Kunz drang nun heftiger auf die
Anerkennung seiner Besitznahme der Vitzthumschen Güter, die ihm der
Kurfürst aber, Kraft der schriftlichen Versicherung, die er von ihm in
den Händen hatte, standhaft verweigerte, und ihn deshalb förmlich vor
Gericht belangte, Friedrich setzte nämlich deshalb +auf den Donnerstag
nach Galle 1454 auf dem Schlosse zu Altenburg, einen Termin fest+, bei
welchem +George von Haugewitz+, Dechant zu Meißen, der Kanzler +George
von Bibenberg+ und die Ritter +Hans von Schleinitz+ und +Hans von
Miltitz+ die ganze Sache nochmals untersuchten und dahin beschieden.
Der Kurfürst sollte seine Forderungen an Kunzen und Kunz die seinigen
an den Kurfürsten aufsetzen. Der Münzmeister zu Freiberg +Nikol
Monhaupt+, der zugleich Statthalter und Landshauptmann der Provinz war,
sollte dann beide Forderungen der kurfürstlichen Kanzlei übergeben,
und was diese endlich entscheiden würde, dabei möchten beide Theile
sich beruhigen. Doch Kunz wollte sich dabei nicht beruhigen und blieb
daher bei seinem Entschlusse, und so sollte auf Befehl des Kurfürsten
ein Rechtsgutachten bei den Leipziger, Magdeburger und Freibergischen
Rechtsgelehrten eingeholt werden. Zur damaligen Zeit etwas Unerhörtes;
viele von des Ritters von Kauffungs Anhang, betrachteten daher
solches als eine Kränkung[6], die deshalb einen Fehdebrief an den
Kurfürsten schickten. Kunz, welcher den Ausgang dieses Rechtsschrittes
nicht zu seinen Gunsten auslegte, wollte sich nun durch Selbsthilfe
seine Forderungen verschaffen, kaufte durch Vermittelung +Apels von
Vitzthums+, das Schloß +Isenburg+ oder +Eisenberg+ unweit Brix[7] in
Böhmen, nicht weit von der sächsischen Grenze, um es zu dem nachherigen
Prinzenraube zu benutzen.
Rache an dem Kurfürsten zu nehmen war nun +Kunzens+ und +Apels+
einziger Gedanke. --
Theils durch Verpfändung, theils durch Gewalt und friedliche Verträge,
waren verschiedene böhmische Städte an die Markgrafen von Meißen
gekommen. Je mächtiger nun die Markgrafen von Meißen dadurch wurden,
desto scheeler sahen dazu die Könige v. Böhmen und forderten, den
deshalb geschlossenen Verträgen ohngeachtet zu verschiedenen Malen
alles wieder zurück. +Kunz v. Kauffungen+ und +Apel v. Vitzthum+
hatten daher nichts eiligeres zu thuen, als den damaligen König
+Ladislaus+ gegen den Kurfürsten zu erbittern, so daß +Ladislaus+ 1453
eine Forderung von 64 Städten an den Kurfürst schickte. Natürlich
wurde diese als ungegründet abgewiesen. +Ladislaus+ brach jedoch aus
Böhmen in Sachsen ein und überfiel das Städtchen +Pirna+; doch wurde er
sehr bald wieder zurückgeschlagen, so daß ihm ein dergleichen Ausfall
nicht wieder gelüstete. Indeß hatte sich doch +Kunz+ und +Apel+ an den
Kurfürsten gerächt. Sie hatten auch dadurch den König von Böhmen auf
ihre Seite, und Kunz würde seine Forderungen vielleicht +nie+ so weit
getrieben haben, wenn er in Böhmen nicht einen so mächtigen Rückenhalt
gewußt hätte. --
Als nun der Ausspruch der Leipziger, Magdeburger und Freibergischen[8]
Rechtsgelehrten ankam, der darauf drang: daß Kunz die Vitzthumschen
Güter herausgeben sollte, wurde der Rechtsspruch Kunzen bekannt
gemacht, allein Kunz wollte ihn durchaus nicht gelten lassen. Endlich
beschied man ihn den +Dienstag nach dem Johannistage des Abends auf
das Schloß Altenburg+, um Mittewochs darauf, den 25. Juni (7. Juli)[9]
1455 den letzten Termin mit ihm abzuhalten. Kunz kam, aber um die Güte
zu pflegen nicht, sondern, nachdem er sich die Höhe des Schlosses und
vorzüglich das Schlafgemach noch einmal[10] ordentlich besehen hatte,
ritt er ohne Abschied vom Kurfürsten zu nehmen fort, in Gedanken, wie
er dem Kurfürsten auch selbst gesagt hatte: +Er wolle sich für seinen
Schaden nicht an Land und Leuten, sondern an des Kurfürsten eignem
Fleisch und Blut rächen und erholen+, worauf der Kurfürst erwiedert
haben soll: +Mein Kunz siehe zu, daß Du mir die Fische in den Teichen
nicht verbrennest.+[11] +Kunz von Kauffungen+ ritt nun sofort auf sein
Schloß +Isenburg+, (welches er befestigt hatte lassen,) um sich mit
+Apel von Vitzthum+ über die Ausführbarkeit eines Prinzenraubes zu
besprechen.
+Friedrich der Sanftmüthige+ mit +Margaretha von Oesterreich+ vermählt,
hatte zu dieser Zeit zwei Söhne +Ernst+ und +Albert+. Ersterer
geboren den 25. März 1441, Letzterer aber den 27. Juli 1443.[12]
-- Sein ältester Sohn +Friedrich+ war schon 1421 und sein jüngster
Sohn +Alexander+ 1446 gestorben. -- Er residirte auf dem Schlosse
+Altenburg+, welches ein hohes, schönes Felsenschloß, unweit der Stadt
+Altenburg+, ist.
Auf +Ernst+ und +Albert+ hatte Kunz sein Augenmerk gerichtet. Dieses
theuere Kleinod der kurfürstlichen Familien meinte er, als er zum
Kurfürsten gesagt hatte: +an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut
wollte er sich rächen+. Entführen wollte er sie und auf seinem Schlosse
+Isenburg+ so lange fest halten, bis der Kurfürst seine Forderungen
genügen würde. Zu diesem gewagten Unternehmen brauchte er natürlich
mehrere um es auszuführen. Diese fanden sich denn auch bald, denn
schon lange vorher war er von Burg zu Burg geritten, Mithelfer zu
seinem Unternehmen zu finden und fand auch durch seine gewandten Reden
Theilnehmer für sich und Haß gegen den Kurfürsten zu erwecken.
Nur fehlte es ihm nur noch an einem Kundschafter am kurfürstlichen
Hofe, der ihm Nachricht ertheilen könnte, wenn der Raub am sichersten
auszuführen wäre. Da lernte er denn in Böhmen einen böhmischen
Küchenjungen kennen, Namens: +Hans Schwalbe+. Ein verschmizter Bube.
Dieser, glaubte Kunz, würde in seine Plane eingehen, entdeckte ihm
alles und schickte denselben mit Empfehlungsschreiben an seine guten
Freunde am altenburger Hofe, wo man ihn auch sogleich als Küchenjunge,
ohne Verdacht zu hegen, anstellte. Bald fand sich Gelegenheit, daß
+Schwalbe+ Kunzen treue Dienste leisten konnte. Folgenden Brief, wie er
sich in den +Wittenberger Originalacten+ befindet, schrieb Schwalbe an
Kunzen:[13]
»+Mein willigen Dienst sampt alles lybs und gutes tzuvor.+
»+Ehebarer strenger lyber Junker!+
»+Als der Kurfürst vestiglich beschlossen hat vf morgen Sundages
nach der frumeß gein Lyptgk tzu wegfarten mitt den meresten
Hofelüten, och Muntag vfe Abendt der Cantzler yn engelebete in
synen Huse vsrichdten wirdet, samer mögen deheby mannichveltige
Höfelinge wesen, vndt vffs Schloß pflege daczumalen allye der
oldte Eßmus Drabandten Dynst, wellicher ast yngeschleffert wagk
werden, der Pforthyner ist lagerigkrank, kan ich Uch nicht pregin,
gelubener truwe Uch selbir gegewertiglich tzu dynen vndt Uwer
Anstaltungk gewartin. Datum Aldenburg, am Samstag nach Vnser
Frawentage. A. lv.+
+Hans Schwalbe.+«
»+Dem Ehrbaren strengen Jungker Cunradt von Kawfungen vf Kalenberg.
Meinen gynstiglichen lyben Jungker tzutzustellen tzu ainegen
Handen.+« --[14]
Dieser Brief war 9 Tage nach dem Termine, den Kunz mit dem Kurfürsten
in Altenburg gehabt hatte, geschrieben.
Eine bessere Gelegenheit zur Ausführung seiner Plane konnte wohl
nicht kommen und Kunz hatte nichts eiligeres zu thun, als solches
seinen Verschworenen zu benachrichtigen. Die Strickleitern[15], die zu
diesem Behufe nöthig waren, wurden nicht weit von +Kahlenberg+ oder
+Callenberg+, (bei Waldenburg, gehörte seinem Bruder +Dietrich+) in
einer Scheune, die ebenfalls seinem Bruder +Dietrich von Kauffungen+
gehörte, gefertiget. -- +Kunz+ selbst hielt sich[16] zu der Zeit im
Geheimen auf dem Schlosse +Kohren+ auf +und ging von hier aus des
Nachts vor Altenburg+[17], wo er den Prinzenraub vollführte. Das Schloß
+Kohren+ gehörte damals der Familie +von Meckau+.
Geschichtlich merkwürdig ist noch, daß die Kurfürstin +Margaretha+
die Nacht vorher, ehe ihr Gemahl nach Leipzig reiste, folgenden Traum
hatte: Sie sah ein großes Schwein in einem schönen Garten alles umwülen
und besonders neben den Reben die schöne junge Raute. Endlich stürzte
ein Bär darauf los und jagt das Schwein mit seiner Tatze fort. Die
Kurfürstin erzählte diesen Traum, der ihr auf eine entsetzliche Art
die ganze Nacht ängstigte, sogleich ihrem Gemahl, der jedoch, weil er
Träumen nicht glaubte, seine Reise deswegen nicht aufschob und mit
großem Gefolge den 7. Juli (d. 19. Juli) nach +Leipzig+ reiste.
So war denn Niemand zur Aufsicht der Prinzen da, als ihr Hofmeister,
+Graf von Barby+.
Der 8. Juli (20. Juli) war von +Kunz von Kauffungen+ dazu bestimmt
den Prinzenraub auszuführen. Die Hauptverschwornen waren mit ihren
Knechten folgende:[18] +Kunz von Kauffungen+, sein Reißiger: +Johann
Schweinitz+, sein Knecht: +Albrecht Adolph+; +Wilhelm von Schönfels+,
sein Knecht: +Geveller+; +Hans Wilhelm von Mosen+, sein Knecht: +Hensel
Herdin+; +Hans von Rußwurm+; +Dietrich von Kauffungen+; +Nikol vom
Forst+; +Bernhardt von Trebin+; +Dix von Trebin+; +Barthol von Trebin+,
beide letztere: Söhne von +Wenzel von Trebin+. Der ganze Zug bestand
aus 37 Reitern, dessen Pferden die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen
worden waren, und 10 Fußknechte, welche also den 7. Juli (19. Juli)
+Montags vor Kiliani+ 1455 +Nachts zwischen 11 und 12 Uhr+ aus einem
dichten Walde bei Altenburg, die +Leine+ genannt, hervorbrachen. Nur
+Johann Schweinitz+, Kunzens Reißiger, wurde vorausgeschickt, um mit
Hilfe des Küchenjungen +Schwalbe+ die Strickleitern an einem hohen
Fenster, neben der Küche zu befestigen. -- +Kunz+, bekannt im Schlosse,
stieg zuerst hinauf, dann folgte +Wilhelm von Mosen+. Niemand störte
dieselben, denn in dem Schlafgemache der Prinzen schlief niemand, als
eine alte Kammerfrau und der Sohn des Hofmeisters des Prinzen, +Graf
von Barby+. Kunz entführte den ältern Prinz +Ernst+ und +Wilhelm
von Mosen+ sollte Prinz +Albrecht+ entführen, doch in der Eile fand
eine Verwechselung statt, indem er den jungen +Graf Barby+, welcher
in denselben Alter war als die Prinzen, entführte. +Kunz+, der den
Irrthum erkannte, übergab +Wilhelm von Mosen+ den Prinz +Ernst+ mit
dem Befehl immer fort zu reiten, indem er durch das Schloßthor,
welches +Schwalbe+ vorher geöffnet hatte, den jungen +Graf Barby+
wieder zurückbrachte und dafür Prinz +Albrecht+, welcher aus Angst
sich unter das Bette versteckt hatte, nahm. So wie Kunz diesen Prinzen
über dem Schloßhofe brachte, öffnete die Kurfürstin das Fenster und
rufte: »+Lieber Kunz, thue nicht so übel an mir und meinen lieben
Herrn, verschone meine Kinder, es sollen alle Deine Sachen noch gut
werden.+« Allein +Kunz+ achtete die Stimme einer liebenden Mutter
nicht, sondern setzte den Prinzen +Albrecht+ auf ein Pferd, das er
führte und sprengte, begleitet von seinem Reißiger +Johann Schweinitz+
und seinen Knecht +Albrecht Adolph+ mit verhängten Zügeln davon. Seinen
Weg nahm er durch die +Leine+[19], wo er schon hergekommen war, und
gelangte dann durch die +Rabensteiner+[20] und nachher die damals
noch anstoßenden +Thalheimischen+ Waldungen und zwar in letzteren auf
einem von Leukersdorf aus bis Elterlein führenden +Fußsteig+, wodurch
weder die Stadt +Stollberg+, noch die Stadt +Zwönitz+ berührt wird.
Dieser Fußsteig und jetzt +Holz-+ und +Kalkfuhrweg+ kommt auf der Höhe
des +Glasberges+ bei +Elterlein+ über die +Grünhainer+ Straße[21]
nicht weit von +Elterlein+ schon in die Gegend[22] des +Grünhainer
Klosters+.[23] Dieser Weg war für sein Vorhaben der passendste,
indem die Gegend um +Grünhain+ namentlich bei +Schwarzenberg+
und +Waschleute+ nichts als Wald war und durch den verheerenden
Hussitenkrieg, der 1427 das Kloster zu Grünhain zerstörte,[24] ganz
von Einwohnern entblößt sein mußte, indem bis 1455 die Volksmenge zur
damaligen Zeit noch nicht so gewachsen sein konnte, wie es vielleicht
in den jetzigen Zeiten geschehen dürfte. Auch war Kunz von einem
Grünhainer Mönch unterrichtet[25], so daß er schnell aus der Gegend
von +Waschleute+ nach Schwarzenberg kommen konnte, welches damals ein
böhmisches Städtchen war[26], mithin durfte ihm Niemand mehr etwas
anhaben, indem er den König von Böhmen auf seiner Seite hatte; und dann
schaffte er die Prinzen auf sein Schloß +Isenburg+, und wollte sie so
lange in Verwahrung behalten, bis er vom Kurfürsten die Versicherung
erhalten hätte, die Vitzthumschen Güter rechtmäßig behalten zu können
und vielleicht ein ansehnliches Lösegeld für ihn und seine Mitgenossen
erhalten hätte. Allein seine Plane waren wohl gut ausgedacht, aber
noch nicht vollführt. Denn der anstrengende Marsch, den er ohne
auszuruhen zurückgelegt hatte, indem er von Mitternacht bis gegen
Mittag geritten war, mußte vorzüglich den 12jährigen Prinzen bedeutend
anstrengen und so kam es denn auch, daß der Prinz vor Hunger und Durst
in der Gegend von Grünhain[27] Kunzen bat es zu erlauben vom Pferde
abzusteigen und auszuruhen.[28] Da nun die Gegend durchaus nicht
bewohnt war, so glaubte er ohne seine Sicherheit zu gefährten, es
erlauben zu dürfen. --
Auf dem Schlosse zu +Altenburg+ war durch die Entführung der beiden
Prinzen alles aufgeboten und dem große Belohnung versprochen worden,
welcher zur Entdeckung des Prinzenraubes behilflich sein könnte. Der
Kurfürst bekam auch sogleich einen Eilboten zugeschickt und ließ
deshalb folgendes Schreiben und Aufforderung in alle Gegenden des
Landes durch reitende Boten austheilen:
»+Friedrich, Hertzog zu Sachsen, Churfürst! liebe getreuen, uns
ist Cuntz und seine Helffers uff hind in unser Schloß Altenburgk
gestiegen, und haben unser beyden Söhne, das Gott geklaget sey,
weggebracht -- ist es versicherlich, Sie werden mit Ihnen aus
unsere Landen nicht eylen, sondern sie etliche Tage uff den Wäldern
und Höltzern enthalten, und sie zu Fuß fueder schicken. Begehren
wir von Euch -- daß ihr mit reisiger Gezeug und Fuhren, so stark
ihr immer werden möget, uff den Walden, Höltzern und sonst, wo ihr
für das Beste erkennet, suchen und suchen lassen, und fleißiges
Aufsehen haben, uff dieselben unsre Feinde und unsre Söhne, daß
ihnen die wieder abgedrungen, und aus ihren Händen wieder zu uns
bracht werden. In dem Euch so beweisen, als wir uns alles guten zu
Euch versehen, das wollen wir in allen guten umb Euch erkennen.
Geben Altenburg, ~tertia Kyliani Anno L. quinta~.+«[29]
In allen Orten wurden die Glocken geläutet, und so wurde es denn bald
in allen Gegenden des Landes verbreitet. In der erzgebirgischen Stadt
+Geier+, 3 Stunden von +Grünhain+ zersprang die große Glocke.[30] --
+Kunz+, der durch das Stürmen wohl wußte, daß es ihm galt, glaubte
dennoch sicher zu sein, da er bereits selbst bei +Waschleute+ glücklich
vorbei geritten, also dem ersten Ziele ganz nahe, nur etwa ¾ Stunde
noch von Schwarzenberg entfernt war, ließ also den jungen Prinz
+Albrecht+ absteigen, um Waldbeere pflücken zu dürfen.[31] Auch Kunz
stieg ab und suchte dem Prinzen +Albrecht+ Waldbeere, indem er sein
Pferd am Zügel hielt. Indessen Kunz immer tiefer in dem Walde Waldbeere
suchte, nährten sie sich einem Köhler, Namens +Georg Schmidt+, der mit
seinem Hunde sein Mittagsbrod theilte.
Dieser Köhler hatte früh seinen Lehrburschen, +Urban Schmidt+, seines
Bruders Sohn, nach +Geier+[32] geschickt, um Lebensmittel zu holen,
welcher denn daselbst gehört hatte, daß auf dem +Altenburger+ Schlosse
ein großer Raub statt gefunden hätte. Köhler +Schmidt+, der nun in
jenem Walde, wo damals blos eine Köhlerstraße hindurch führte, diesen
Ritter erblickte, vermuthete deshalb, daß das der Räuber mit dem Raube
wäre, er fragte ihn daher: »Woher und wohin mit diesem Knaben?« +Kunz+
entgegnete: »Ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen ist, den ich
ihm wieder zuführen muß.« -- Doch in diesem Augenblicke verwickelte
+Kunz+ sich mit seinen Sporen im dicken Dorngestrüppe und stürzte
nieder. Schnell wollte er wieder aufspringen, allein sein Panzerhemde
hinderte ihn dazu. Diese Gelegenheit benutzte der Prinz und raunte dem
Köhler ins Ohr: »+Ich bin ein Fürst von Sachsen und bin gefangen, mache
mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten!+«
Dieses hörte Kunzens Reißiger, sein treuer +Schweinitz+,[33] erhob
sein Schwerdt, und wollte den Prinzen, weil dadurch alles verrathen
war, tödten. Allein der Köhler +Schmidt+ fing den Hieb durch seinen
Schürbaum auf. Seinen Hund nun hetzte er sogleich auf Schweinitzen und
er selbst lief zu Kunzen, der immer noch dalag und schlug ihn mit dem
Schürbaum, daß er ihn todtgeschlagen hätte, wenn nicht Prinz +Albrecht+
für ihn gebeten hätte. Durch das Hundegebell und übrigen Lärm war des
Köhlers Frau, geborne +Marie Wälderin+, herzugekommen. Als sie aber
sah, daß ihr Mann sich mit Räubern herumschlug, gab sie das gewöhnliche
Waldzeichen, was bei Gefahren alle Köhler zusammenruft.[34] Dadurch
waren in einem kurzen Zeitraume viele Köhler versammelt,[35] so daß
sich bald +Kunz+ mit seinem treuen Diener +Schweinitz+ gefangen geben
mußte.
Sein Knecht +Albrecht Adolph+ war entflohen, wurde jedoch noch
eingeholt.
Kunz, der sich nun für verloren sah, bot dem Köhler +Schmidt+, eine
ansehnliche Belohnung, allein dem Köhler war Kunzens Gold nicht so lieb
als seine eigne Person und er mußte sein Gefangner bleiben.
Prinz +Albrechten+ führte er in seine nahe gelegene Köhlerhütte,
stärkte ihn durch ein einfaches Mahl und gab ihm aus der Quelle, die
jetzt durch das Denkmal eingefaßt ist, zu trinken. --
+Kunz von Kauffungen+ mit seinem Genossen führten sie aber zu ihrer
Obrigkeit, in das ¾ Stunden davon entfernte +Cistercienser-Kloster
Grünhain+, zum damaligen Abt +Liborius+,[36] noch an dem nämlichen
Dienstage. Kunz, im Kloster angekommen, wurde in dem Gefängnisse
daselbst festgehalten, was jetzt noch steht, und den Namen +Fuchsthurm+
führt. Es befindet sich mitten im Klostergarten, wird aber bald,
weil es nicht im baulichen Stande erhalten wird, einer Ruine ähnlich
sehen. Hier blieb Kunz nur einige Stunden,[37] indem er vom Abte
+Liborius+ unter hinreichender Bedeckung, nach +Zwickau+ zum damaligen
Amtshauptmann oder Voigt +Veit von Schönburg+, abgeliefert wurde.[38]
Dieser +Veit von Schönburg+ erstattete wahrscheinlich schon am
folgenden Tage, den 9. Juli, Bericht an den Kurfürsten, um sich
Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der Kurfürst ließ Kunzen nicht nach
Altenburg bringen, sondern nach +Freiberg+, welches wahrscheinlich den
12. Juli geschah, wo er dem dortigen Rathe zu sicherer Verwahrung
übergeben wurde. -- Prinz +Albrecht+ wurde aber in Begleitung des
Köhlers +Schmidt+, nachdem er beim Abt +Liborius+ in der sogenannten
+Schösserwohnung+[39] im Kloster zu +Grünhain+ übernachtet hatte, mit
einer sicheren Bedeckung nach +Altenburg+ gebracht. Der Einzug ähnelte
einem Triumphzuge in Altenburg. Eine große Anzahl Bewohner Altenburgs
kam dem Zuge entgegen und begegneten dem Hauptanführer des Zugs, den
Köhler +Georg Schmidt+, mit wahrer Achtung, so daß sie sich nicht
scheuten zum Zeugen der Dankbarkeit seine schwarzen Hände zu küssen.
Um nun auch das Schicksal des Prinzen +Ernst+ von seiner Entführung
an zu wissen, müssen wir wieder aufs Schloß +Altenburg+ zurück gehen,
wo +Kunz von Kauffungen+ den Prinzen Ernst seinen treusten Genossen
+Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von Schönfels+ übergab, um mit ihm
immer die Flucht zu ergreifen, indem er selbst für den jungen Graf
Barby, den jüngern Prinzen +Albrecht+ holte. Nach einer Verabredung
mit +Mosen von Schönfels+ hatte es Kunz so bestimmt, daß sie mit
+einem+ von den beiden Prinzen einen andern Weg einschlagen sollten
und zwar gegen Franken zu nach Böhmen, wo sie ihn dann auf sein Schloß
+Isenburg+ bringen sollten; damit, wenn im Fall die eine oder die
andere Partei gefangen genommen werden sollte, die andere Partei ihren
Raub nicht eher hergeben sollte, als bis Kunzens Forderungen erfüllt
oder die Strafe für die Entführung der Prinzen erlassen wäre. Beides
wurde durch einen gegenseitigen Schwur bekräftiget.
Allein beide Ritter kamen mit ihrem Gefolge nicht weiter, als bis in
die Gegend von Hartenstein, indem in allen Dörfern die Sturmglocke
ertönte und die Unterthanen ebenfalls ihre Untersuchungen nicht
allein auf den Fahrstraßen anstellten, sondern auch die Wälder
durchsuchten. Vierzehn gesattelte Pferde und sechs Reiter waren ihnen
schon abgenommen worden und die Gefahr sogleich ergriffen zu werden,
zwang sie daher eine Höhle, die am rechten Ufer der Mulde liegt, nicht
weit vom Schlosse +Stein+ der Burg +Eisenburg+[40] gegenüber zum
Zufluchtsort zu nehmen[41]. Allein da sie durchaus keine Lebensmittel
hatten, die dem jungen, zarten Fürstensohn behagen konnten, sie
glauben mußten, daß er sterben könnte und ihr Aufenthaltsort immer
unsicherer wurde, indem einer von ihren Knechten von einem Holzmacher
gehört hatte: »+den einen Schelm+ (Kunz von Kauffungen) +haben sie
erwischt und nach Grünhain gebracht, den andern Dieb werden sie schon
noch bekommen und beide andere ihren verdienten Lohn erhalten+,« so
fertigten sie den 11. Juli einen Boten an den Bruder des Amtshauptmanns
Veit von Schönburg in Zwickau, an +Friedrich von Schönburg+ ab,
welcher das Schloß Hartenstein besaß und dort residirte. Dem Boten
gaben sie einen Brief mit, der folgenden Inhalt hatte:[42]
»+Es reue sie, daß sie Kunz von Kauffungen zu Willen gewesen wären,
ihrem lieben Kurfürsten und seinen Söhnen zu thun. Weil aber Herzog
Friedrich ein sanftmüthiger Kurfürst sei, so hofften sie Gnade und
thäten in diesem Vertrauen, dem Herrn von Schönburg zu wissen,
daß sie den jungen Fürsten Ernst lebendig und gesund im sichren
Gewahrsam hätten. Wolle er ihnen nur bei dem Kurfürsten Gnade und
Befreiung von aller Strafe an Leben, Ehre, Gut auswirken und ihnen
schriftlich dafür haften, so wollten sie den jungen Fürstensohn
unverletzt wieder bringen. Käme man aber, sie zu fangen, so würden
sie den Korfürstlichen Sun erstechen, sich bis aufs Aeußerste
wehren; sich endlich selbst tödten und gewiß nicht ohne großes
Blutvergießen in die Hände ihrer Feinde fallen. Die Antwort
möchte ihnen der Amtshauptmann+ (Friedrich v. Schönburgs Bruder)
+schriftlich geben+.« --
+Friedrich von Schönburg+[43] erkannte sogleich, nach Durchlesung
dieses Briefes, die Gefahr in welcher der Prinz schwebte, und versprach
ohne erst Genehmigung von seinem Bruder zu erholen schriftlich und bei
seiner Ehre Verzeihung, wenn sie den Prinzen lebendig und unversehrt
ausliefern würden. Hierauf eilte noch an demselben Tage v. +Mosen+ und
+v. Schönfels+ mit dem Prinzen +Ernst+ auf das Schloß +Hartenstein+, wo
der Herr +von Schönburg+ den Prinzen in Empfang nahm und die Ritter,
seinem Versprechen gemäß, wieder frei erließ. +Prinz Ernst+ aus Freude,
daß er gerettet war, schenkte +Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von
Schönfels+ jedem ein Roß[44] mit den Worten: »+Nun reitet hin und kommt
in meines Vaters Land nicht wieder.+«[45]
Denselben Tag, +Freitags den 11. Juli 1455+ wurde der Prinz +Ernst+
nach +Chemnitz+ gebracht, wo sich sein Vater, der Kurfürst, von
+Leipzig+ und seine Mutter, die Kurfürstin, mit dem schon geretteten
Prinz +Albrecht+ von +Altenburg+ begeben hatte. Der Kurfürst bestätigte
mit Freuden des +Herrn von Schönburgs+ Verfahren, daß er +Mosen+ und
+Schönfels+ begnadigt hatte.[46]
Die guten Eltern an der Seite ihrer geretteten Söhne hatten nun nichts
Nothwendigeres zu thun, als ihrem Gott für deren Errettung inbrünstig
zu danken. Sie reisten daher, +den 15. Juli+, nach +Ebersdorf+[47]
1½ Stunde von Chemnitz, weil sich dort ein Marienbild befand, das
im besonderen Ansehen stand, und zu welchem man häufige Wallfahrten
anstellte. Nach vollbrachter Andacht ließen sie die Kleider der
Prinzen,[48] die sie auf ihrer Flucht angehabt hatten, wie auch
den Kittel des ehrlichen Kohlenbrenners der seine Andacht auch mit
verrichtete, zum immerwährenden Andenken in der +Kirche+ zu +Ebersdorf+
aufbewahren.[49] -- Daneben hängt ein Täfelchen mit folgenden
Reimen:[50]
»Kunz von Kauffungen der viel wilde Mann
In Meißner Land ist kommen an
Wohl auf das Schloß jen Altenburg
Sehr froh und kühn ohne alle Sorg
Dem Fürsten allda seine Kind
Entführet hat listig und geschwind
Des Kleider noch hier hängen seht
Ein jeder der fürüber geht
Die dazumahl bald nach der That
Der Vater hergehänget hat.«
Der Zahn der Zeit hatte diese Andenken des Prinzenraubes nach und nach
ziemlich zerfressen und und sie würden bald ganz eingegangen sein, wenn
nicht Kurfürst +Christian+ II. 1607 aufs neue für ihre Fortdauer Sorge
getragen hätte. Er befahl nämlich, sie in weißes Wachs einzutauchen
und so vor die Verwesung etwas zu sichern. Allein es geschah nicht.
Deswegen schickte er 1608 seinen Baumeister +Maria Nosseni+ nach
+Ebersdorf+[51] der sie denn reinigen und durch Gummiwasser ziehen ließ.
Die Kurfürstin stiftete außerdem noch auf alle +Dienstage+,
+Marienfeste+ und den nächsten Tag +nach Kiliani+ in der Kirche zu
+Ebersdorf+ Messen und Almosen für +zwei arme Leute+, besonders
Köhler.[52]
Nun waren also beide Prinzen befreit, doch +Kunz von Kauffungen+,
welchen die beiden Ritter +Mosen+ u. +Schönfels+ in ihrem
Begnadigungsschreiben an +Friedrich von Schönburg+ ausgeschlossen
hatten, ohne dem heiligen Schwur eingedenk zu sein, welchen sie
gegenseitig geleistet hatten, war, wie oben schon gesagt worden ist,
nach +Freiberg+ gebracht worden. Hier saß nun Kunz glaubend, daß die
andere Partei mit dem älteren Prinz +Ernst+ auf sein Schloß +Isenburg+
in Böhmen wohlbehalten angekommen wäre und ihrem Versprechen eingedenk
sein würde. Allein als er die Glocken in Freiberg läuten hörte und
nach der Ursache frug und vernahm, daß es aus Dankbarkeit für die
glückliche Errettung beider Prinzen geschehe, entfuhren ihm die Worte:
»+Das walt der Teufel, das gilt mir mein Leben.+«[53] Daraus war
natürlich zu schließen, daß er befürchtete, sein Leben einbüßen zu
müssen. Darum wandt er nun alles an, um durch seine vornehmen Freunde,
Begnadigung zu erhalten, besonders durch den Marschall +Hildebrand
von Einsiedel+ und die Ritter +Niklas von Schönberg+ und +Hugold von
Schleinitz+, die am kurfürstlichen Hofe sehr bedeutende Stimmen hatten,
doch wie man aus folgendem sehen wird, war es zu spät.
Mehrere Schriftsteller behaupten auch Kurfürst +Friedrich+ hätte in
+Magdeburg+, +Leipzig+ und +Freiberg+ rechtliche Erkenntnisse geholt,
allein dies war der kurzen Zeit wegen unmöglich und der damaligen Zeit
nicht anpassend, daher ist es glaubwürdiger, daß der Kurfürst das
Urtheil darüber dem +Freiberger+ Rathe überlassen, indem der Rath zu
+Freiberg+ die Gerechtsame dazu hatte.[54]
Das Urtheil entschied für die Todesstrafe.[55] +Kunz von Kauffungen
wurde daher den 14. Juli+ (26. Juli) +Montags nach Magaretha,
Nachmittags um 4 Uhr zu Freiberg auf dem Obermarkte+ öffentlich
enthauptet. Als Zeugen waren da der Köhler, +Georg Schmidt+, und einige
andere Köhler. -- Der Ort, wo die Hinrichtung geschah, ist noch durch
einen Stein bezeichnet.[56] Noch auf dem Schaffote sagte er, +daß er
seinen schimpflichen Tod an den Nürnbergern verschuldet habe+.[57]
Seine obengenannten Freunde brachten es nach mehrfachen Bitten bei dem
Kurfürsten endlich doch so weit, daß er begnadigt wurde; allein der
reitende Bote, der die Begnadigung dem Freiberger Rathe verkündigen
sollte, kam zu spät; indem die Thore der Hinrichtung wegen schon
geschlossen waren.
Manche Schriftsteller zweifeln an Kunzens Begnadigung, weil sein Bruder
+Dietrich von Kauffungen+, der die Strickleitern zu dem Prinzenraube in
seiner Scheuer fertigen ließ und einst gesagt haben soll: »+Das Nest
würden sie wohl finden, aber die Vögel wären ausgenommen+,« ebenfalls
zu +Altenburg+, zwischen den +20. und 26. Juli+ enthauptet wurde, der
bei weitem nicht die Schuld dabei hatte, als sein Bruder. --
Allgemeine Erbitterung bewirkte die schnelle Verurtheilung des
+Kunz von Kauffungen+, besonders unter der Ritterschaft, in der
er so hohe Verwandte und Freunde hatte. Sein Oheim der damalige
Bischof von Meißen, +Casper v. Schönberg+ veranstaltete sogar ein
feierliches Begräbniß desselben, ließ ihn in der +St. Petrikirche+ zu
+Freiberg+ beisetzen und sein Grab erhielt einen Leichenstein. Allein
das erregte unter den Regenten großes Mißfallen, besonders Herzog
+Wilhelm+ war dagegen; daher durfte sein Leichnam in der Kirche nicht
bleiben, sondern erhielt seine Ruhestätte dafür auf dem Kirchhofe zu
+Neukirchen+ bei Freiberg. Der Leichenstein aber blieb in einem Winkel
der St. Petrikirche stehen.[58]
Seine übrigen Mitgenossen verloren meistentheils ihr Leben durch das
Schwerdt; ausgenommen der böhmische Küchenjunge, +Hans Schwalbe+,
der den +28. Juli zu Zwickau+ mit glühenden Zangen gezwickt und dann
geviertheilt wurde, und Kunz v. Kauffungens treuer Reißiger, +Johann
Schweinitz+, der gehangen wurde. --
Nach diesen harten Bestrafungen erfolgten aber auch Belohnungen, die
der Kurfürst dem Köhler, +Georg Schmidt+, zu Theil werden ließ.[59] Er
erhielt von ihm die Erlaubniß sich eine Gnade auszubitten -- und die
bescheidene Bitte des Köhlers bestand darin, die Erlaubniß zu erhalten
in dem Walde, wo er den Prinz +Albrecht+ gerettet hätte, frei Kohlen
zu brennen. Nicht allein diese Bitte erhielt er erfüllt, sondern der
Kurfürst schenkte ihm auch sogleich nach der That für sich und seine
Nachkommen ein +Gnadenkorn+, welches aus 4 Scheffel +Zwickauer+ Maaß
oder 5 Scheffel 2 Viertel und 3 Metzen +Dresdner+ Maaß besteht. Noch
+jetzt+ erhält das älteste Mitglied dieses Geschlechts in männlicher
Linie dieses Gnadenkorn aus dem +Rentamte+ zu +Zwickau+.[60] Später
erhielt er auch ein Freigut im Dorfe +Eckartsbach+[61] bei Zwickau. Die
Besitzung ist aber durch +verderbliche+ und +langwierige+ Kriege von
der Familie wieder abgekommen.
Als +Georg Schmidt+ alt und schwach ward, nahm ihn sogar der Kurfürst
an den Hof nach +Altenburg+ und dadurch, daß er bei seiner Erzählung
des Prinzenraubes sich immer der Worte bediente: »+Herr, ich habe
den Kunzen mit meinem Schürbaum weidlich getrillert+,«[62] die er
oft wiederholen mußte, erhielt er und seine Nachkommen den Namen
+Triller+. --
Die übrigen Köhler, welche bei dem Rettungsacte durch den Lärm von
+Georg Schmidts+ Frau herbeigekommen waren, erhielten ebenfalls
Belohnungen, die wahrscheinlich in Gelde bestanden, doch aus Mangel an
sicheren Nachrichten hier nicht aufgeführt werden können.
Nur so viel ist gewiß, daß als Herzog +Albrecht+ im Jahre 1480 die
Gegend des Befreiungsactes bereiste, in +Elterlein+[63] noch drei
Köhler traf, welche bei seiner Befreiung aus Kunzens Händen thätig
gewesen waren. Sie hießen +Wyland+, +Fischer+ und +Urban Schmidt+,
letzterer damals der Köhlerbursche +Georg Schmidts+, und erhielten,
nachdem sie dem Herzog +Albrecht+ den Ort seiner Errettung gewiesen
hatten, eine gute +Ritterzehrung+.[64]
Zum ewigen Andenken der Begebenheit des Prinzenraubes ließ Kurfürst
+Friedrich+ eine Münze schlagen, die aber äußerst selten ist.[65] Auch
schreibt ~+Vulpius+ l. c.~ §. 35., wie sich in +Schreiter+ a. a. O.
~pag.~ 109. befindet:
»Zum Andenken hat der Höchstlöbliche sanftmüthige Kurfürst, der
geraubten Prinzen Herr Vater, diese Geschichte auff vier Tafeln
künstlich abmalen lassen, so in dem Zimmer, aus welchem die
Entführung geschehen, befindlich sind. Deren die erste fürstellt,
wie Cuntz und seine Gesellen die Prinzen aus dem Schlosse zu
+Altenburg+ rauben: die andere, wie er im Walde von den Köhlern
gefangen wird.«
Die +Gemälde+ sind noch auf dem Schlosse zu +Altenburg+ befindlich
und ~Dr.~ +Triller+ erhielt Copien davon, die er in Kupfer stechen
ließ. Diese Kupfer findet man in seinem sächs. Prinzenraube. (In
der Zueignungsschrift an den Herzog schreibt er: »die Kupfertafeln
selbst, die meine Reime zieren, sind mir von Deinem Hof gezeichnet
zugeschickt.« +Ranisch+ a. a. O. ~pag.~ 8. gedenkt dieses Umstandes
auch: »Auf der Seite der jetzt veränderten Burg sieht man in
einem Zimmer der höhern Gegend die vier vornehmsten Veränderungen
dieses Trauerspiels von +den noch vorhandenen+ vier Tafeln sauber
abgezeichnet.«)
Diese vier Hauptgemälde stellen folgendes vor:
1.) Die Entführung der Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ aus dem
Schlosse zu +Altenburg+.
2.) Die Befreiung des Prinzen +Albrecht+ durch den Köhler +Georg
Schmidt+.
3.) Die Rückkehr des Prinzen +Albrecht+ in Begleitung des Abtes
+Liborius+ nebst Gefolge, zu seinen fürstlichen Eltern.
4.) Die Enthauptung des +Kunz von Kauffungen+ auf dem Marktplatze
zu +Freiberg+.
Nach dem Urtheile Sachverständiger sind diese Bilder weit späteren
Ursprungs und ohne künstlerischen Werth. Letzteres gilt auch von einer
Tafel mit 30. Portraits der bei dem Prinzenraube betheiligt gewesenen
Personen, die ebenfalls sich im Schlosse zu Altenburg befinden.[66]
Dagegen befinden sich in Altenburg zwei Portraits der Prinzen +Ernst+
und +Albrecht+ in rothen Kleidern, welche weit authentischer zu sein
scheinen. Von diesen beiden letztern Gemälden befinden sich jetzt
+Copien+ im +Köhlerhause+ am +Fürstenberge+, welche +Se. Durchlaucht+
der jetzt regierende +Herzog von Altenburg+, +Joseph+, demselben
huldreichst verehrt hat. Gemalt sind sie vom +Professor+ Friedrich
Ludwig Theodor +Döll+ zu +Altenburg+ im Jahre 1839. --
Nachstehendes +Gedicht+ wurde zur damaligen Zeit als beliebtes
Volkslied vorzüglich von den Bergleuten oft gesungen:
Wir wollen ein Liedel heben an
Was sich hat angespunnen
Wies in dem Pleisnerlande gar schlecht war bestallt
Als sein Jungen Fürsten geschah groß Gewalt
Durch den Cunzen von Kauffungen, ja Kauffungen.
Der Adler hat uf den Felß gebawt
Ein schönes Nest mit Jungen
Und wie er einst warn geflogen aus
Holete ein Geyer die jungen Vogel raus
Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.
Wo der Geier uff dem Dache sitzt
Da trugen die Küchlein selten
Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel
Welcher Fürst sein Rathen getrawt soviel
Muß offt der Herrschaft entgelten, ja entgelten.
Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt
Dich thät er mit Untreu meinen
Da ie die waren all Hoflüt rauschend voll
Qvam Cunze mit Leytern und Buben toll
Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.
Was bloß Dich Cunz für Unlust an
Da Du yns Schloß mir steigest
Und stylst die zarten Herren raus
Als der Curförst aber war nicht zu Hauß
Die zarten Försten-Zweige, ja Försten-Zweige.
Es war wohl als ein Wunder Ding
Wie sich das Land beweget
Was uff allen Straßen warn för Leut
Die der Reubern nachfolgeten in Zeit,
Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.
Im Walde dort ward Cuntz ertapt
Da wollt he Beeren naschen
Were he in der Hast sacken fortgeretten
Das öhm die Köhler nit geleppischt hetten
Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.
Aber sie wurden ihm wieder abgejagt
Und Cunz mit synen Gesellen
Uff +Grünhayn+ in unsers Herrn Abts Gewalt
Gebracht und darnoch auch uf +Zwickau+ gestalt
Und musten sich lan prellen, ja lan prellen.
Davon fiel ab gar mancher Kopf
Und keiner der gefangen
Kam aus der Haft ganzbeinicht davon
Schwerd, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn
Man sah die rümper hangen, ja hangen.
So gehts, wer wider die öberkeit
Sich unbesonnen empöret
Wer es nicht meynt der schaw an Cunzen
Syn Kop thu zu +Freyberg+ noch herußen schmunzen
Und jedermann davon lehret, ja lehret.[67]
Gott thu der frommen Curförsten alls guts
Und laß die Jungen Herren
In keines Feindes Hand mehe also komm
Geb auch der Fraw Curförstinn vel fromm
Das sie sich, in Ruhe vermehren, ja vermehren.[68]
Nachtrag.
Einige Notizen über die Familien der drei Hauptpersonen des
Prinzenraubes:
~a.~) des Kurfürsten +Friedrich des Sanftmüthigen+.
~b.~) des Ritters +Kunz von Kauffungen+.
~c.~) des Köhlers +Georg Schmidt+, +vorzüglich nach dem
Prinzenraube+.
~a.~) Des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen Familie.
+Kurfürst, Friedrich der Sanftmüthige+, Vater der beiden geraubten
Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ lebte nach dem Prinzenraube
noch 9. Jahre, starb den 7. Septbr. 1464 zu +Altenburg+ im 54.
Lebensjahre und wurde im Dome zu +Meißen+ beigesetzt. -- +Ernst+ und
+Albrecht+ regierten nach dem Willen des entschlafenen Vaters nun
+gemeinschaftlich+; außer, daß +Ernst+ nach dem Rechte der Erstgeburt
die Kurwürde und das mit verbundene Herzogthum +Sachsen allein+
erhielt. Zwanzig Jahre regierten sie gemeinschaftlich und vermehrten
ihre Macht durch verschiedene neue Besitzungen, besonders aber durch
die Entdeckung der Silbergruben zu +Schneeberg+ 1471. und die Erbschaft
ihres Oheims, des Herzogs +Wilhelm+ III. von Thüringen (Bruder ihres
Vaters), welcher den 17. Septbr. 1482 ohne männliche Nachkommen starb,
indem sie dadurch Besitzer seines ganzen Landes wurden.
Zwistigkeiten, die dadurch geschahen, daß Herzog +Albrecht+ mit einigen
Beamten[69] unzufrieden war, denen Kurfürst +Ernst+ sein ganzes
Vertrauen schenkte, traten ein; so kam denn eine gänzliche Theilung
der Länder den 26. August 1485 zu Leipzig zu Stande. Dem sächsischen
Rechte gemäß vollführte die Theilung der ältere Bruder; der jüngere
Bruder dagegen hatte die Wahl. Zum Verdruß des älteren Bruders wählte
+Albrecht+ die meißnischen Länder und +Ernsten+ blieb Thüringen. Doch
die Oberhoheit über den Bergbau blieb gemeinsam.
So wurde das Haus Sachsen in die +ernestinische+ und +albertinische+
Linie getheilt, wodurch sie nun die Stammväter der beiden noch jetzt
bestehenden Linien wurden.
Allein die Kurwürde kam 62 Jahre später durch die Gefangennehmung des
unglücklichen Kurfürsten +Johann Friedrich d. Großmüthigen+ den 24.
April 1547 in der Schlacht bei +Mühlberg+ von Kaiser +Karl+ V. an die
jüngere, +albertinische+ Linie, indem er seiner Würden und Länder
gänzlich entsetzt wurde, und sein Vetter, Herzog +Moritz+, der jüngern
Linie angehörig, vom Kaiser solche erhielt.
Bei dieser Linie blieb die Kurwürde bis zum 11. Decbr. 1806, wo der
damalige Kurfürst +Friedrich August+ III. sie mit einer Königswürde
vertauschte.
+Kurfürst Ernst+ starb den 26. August 1486 in +Kolditz+ und wurde im
Dome zu +Meißen+ begraben. -- Vermählt war er mit der Tochter des
Herzogs +Albrecht+ II. v. Baiern und zeugte mit dieser sechs Kinder,
als vier Prinzen Namens: +Friedrich der Weise+, +Albrecht+, +Ernst+ und
+Johann der Beständige+ und zwei Prinzessinnen Namens: +Christiane+ und
+Margarethe+.
Sein Sohn +Albrecht+ ward im Jahre 1482 zum +Erzbischof+ v. +Mainz+
gewählt, starb zwei Jahre darauf in einem Alter von 20 Jahren; +Ernst+
ward +Erzbischof+ von +Magdeburg+ und Bischof von +Halberstadt+;
+Friedrich+ erhielt nach dem Tode seines Vaters die Kurwürde, als
ältester Sohn; und +Johann+ folgte Friedrichen nach dessen Tode auf dem
Throne. Von den beiden Prinzessinnen wurde die älteste an den +König
Johann von Dänemark+, die jüngste an den +Herzog von Braunschweig+
vermählt. -- +Herzog Albrecht+ indessen, der den Beinamen, der
+Beherzte+, erhielt, starb den 12. Septbr. 1500 im 58. Jahre seines
Alters zu +Emden+ und wurde ebenfalls im Dome zu +Meißen+ beigesetzt.
-- Vermählt war er mit der böhmischen Prinzessin +Sidonia+, Tochter
+Georg Podiebrads+, König von Böhmen. Mit dieser zeugte er vier
Kinder, eine Prinzessin und drei Prinzen Namens: +Georg der Bärtige+,
+Heinrich der Fromme+ und +Friedrich+; von denen die beiden ersten
ihrem Vater hintereinander in der Regierung folgten; +Friedrich+ aber
zum +Hochmeister+ des deutschen Ordens gewählt, starb im Jahr 1510 zu
+Rochlitz+.
~b.~) des Ritters Kunz von Kauffungen Familie,
vor und nach dem Prinzenraube.
Das adeliche Geschlecht derer +von Kaufungen+ findet man in der
sächsischen Geschichte seit 1283[70], wo +Heinrich von Coufungen+ als
ein +Dominus+ vorkommt, dessen Söhne: +Tunzold+ und +Heinrich+, sehr
das Kloster +Buchau+ bei Leisnig plagten.
Ihr Stammschloß war +Kauffungen+, ein Rittergut im Königreich Sachsen,
im Leipziger Kreisdirectionsbezirke im Amte +Borna+, entfernt vom
Amtsbezirke, mitten im Schönburgischen, auf der rechten Seite der
Mulde, +Wolkenburg+ gegenüber, 1½ Stunde südlich von +Penig+ entfernt
gelegen.
+Tunzold von Coufungen+ (der Obige) ein Ritter, aber doch nur des
+Unarc von Waldenburg Castrensis+, verkaufte 1298 an jenes Kloster
+Nauenhain+ bei Geithain.