Feld

Man sieht in der Ferne zwei Dörfer brennen und ein Kloster.

Kohl. Wild. Max Stumpf. Haufen.

Max Stumpf. Ihr könnt nicht verlangen, daß ich euer Hauptmann sein

soll. Für mich und euch wär's nichts nütze. Ich bin Pfalzgräfischer

Diener; wie sollt ich gegen meinen Herrn führen? Ihr würdet immer

wähnen, ich rät nicht von Herzen.

Kohl. Wußten wohl, du würdest Entschuldigung finden.

(Götz, Lerse, Georg kommen.)

Götz. Was wollt ihr mit mir?

Kohl. Ihr sollt unser Hauptmann sein.

Götz. Soll ich mein ritterlich Wort dem Kaiser brechen und aus meinem

Bann gehen?

Wild. Das ist keine Entschuldigung.

Götz. Und wenn ich ganz frei wäre, und ihr wollt handeln wie bei

Weinsberg an den Edeln und Herrn, und so forthausen, wie rings herum

das Land brennt und blutet, und ich sollt euch behülflich sein zu

euerm schändlichen rasenden Wesen--eher sollt ihr mich totschlagen wie

einen wütigen Hund, als daß ich euer Haupt würde!

Kohl. Wäre das nicht geschehen, es geschähe vielleicht nimmermehr.

Stumpf. Das war eben das Unglück, daß sie keinen Führer hatten, den

sie geehrt, und der ihrer Wut Einhalt tun können. Nimm die

Hauptmannschaft an, ich bitte dich, Götz. Die Fürsten werden dir Dank

wissen, ganz Deutschland. Es wird zum Besten und Frommen aller sein.

Menschen und Länder werden geschont werden.

Götz. Warum übernimmst du's nicht?

Stumpf. Ich hab mich von ihnen losgesagt.

Kohl. Wir haben nicht Sattelhenkens Zeit, und langer unnötiger

Diskurse. Kurz und gut. Götz, sei unser Hauptmann, oder sieh zu

deinem Schloß und deiner Haut. Und hiermit zwei Stunden Bedenkzeit.

Bewacht ihn.

Götz. Was braucht's das! Ich bin so gut entschlossen--jetzt als

darnach. Warum seid ihr ausgezogen? Eure Rechte und Freiheiten

wiederzuerlangen? Was wütet ihr und verderbt das Land! Wollt ihr

abstehen von allen übeltaten und handeln als wackre Leute, die wissen,

was sie wollen, so will ich euch behülflich sein zu euern Forderungen

und auf acht Tag euer Hauptmann sein.

Wild. Was geschehen ist, ist in der ersten Hitz geschehen, und

braucht's deiner nicht, uns künftig zu hindern.

Kohl. Auf ein Vierteljahr wenigstens mußt du uns zusagen.

Stumpf. Macht vier Wochen, damit könnt ihr beide zufrieden sein.

Götz. Meinetwegen.

Kohl. Eure Hand!

Götz. Und gelobt mir, den Vertrag, den ihr mit mir gemacht,

schriftlich an alle Haufen zu senden, ihm bei Strafe streng

nachzukommen.

Wild. Nun ja! Soll geschehen.

Götz. So verbind ich mich euch auf vier Wochen.

Stumpf. Glück zu! Was du tust, schon unsern gnädigen Herrn den

Pfalzgrafen.

Kohl (leise). Bewacht ihn. Daß niemand mit ihm rede außer eurer

Gegenwart.

Götz. Lerse! Kehr zu meiner Frau. Steh ihr bei. Sie soll bald

Nachricht von mir haben.

(Götz, Stumpf, Georg, Lerse, einige Bauern ab.--Metzler, Link kommen.)

Metzler. Was hören wir von einem Vertrag? Was soll der Vertrag?

Link. Es ist schändlich, so einen Vertrag einzugehen.

Kohl. Wir wissen so gut, was wir wollen, als ihr, und haben zu tun

und zu lassen.

Wild. Das Rasen und Brennen und Morden mußte doch einmal aufhören,

heut oder morgen! so haben wir noch einen braven Hauptmann dazu

gewonnen.

Metzler. Was aufhören! Du Verräter! Warum sind wir da? Uns an

unsern Feinden zu rächen, uns emporzuhelfen!--Das hat euch ein

Fürstenknecht geraten.

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 81 / 98 题