Jagsthausen

Götz an einem Tisch. Elisabeth bei ihm mit der Arbeit; es steht ein

Licht auf dem Tisch und Schreibzeug.

Götz. Der Müßiggang will mir gar nicht schmecken, und meine

Beschränkung wird mir von Tag zu Tag enger; ich wollt, ich könnt

schlafen, oder mir nur einbilden, die Ruhe sei was Angenehmes.

Elisabeth. So schreib doch deine Geschichte aus, die du angefangen

hast. Gib deinen Freunden ein Zeugnis in die Hand, deine Feinde zu

beschämen; verschaff einer edlen Nachkommenschaft die Freude, dich

nicht zu verkennen.

Götz. Ach! Schreiben ist geschäftiger Müßiggang, es kommt mir sauer

an. Indem ich schreibe, was ich getan, ärger ich mich über den

Verlust der Zeit, in der ich etwas tun könnte.

Elisabeth (nimmt die Schrift). Sei nicht wunderlich. Du bist eben an

deiner ersten Gefangenschaft in Heilbronn.

Götz. Das war mir von jeher ein fataler Ort.

Elisabeth (liest). "Da waren selbst einige von den Bündischen, die zu

mir sagten: ich habe törig getan, mich meinen ärgsten Feinden zu

stellen, da ich doch vermuten konnte, sie würden nicht glimpflich mit

mir umgehn; da antwortet ich:" Nun, was antwortetest du? Schreibe

weiter.

Götz. Ich sagte: "Setz ich so oft meine Haut an anderer Gut und Geld,

sollt ich sie nicht an mein Wort setzen?"

Elisabeth. Diesen Ruf hast, du.

Götz. Den sollen sie mir nicht nehmen! Sie haben mir alles genommen,

Gut, Freiheit-Elisabeth. Es fällt in die Zeiten, wie ich die von

Miltenberg und Singlingen in der Wirtsstube fand, die mich nicht

kannten. Da hatt' ich eine Freude, als wenn ich einen Sohn geboren

hätte. Sie rühmten dich untereinander und sagten: "Er ist das Muster

eines Ritters, tapfer und edel in seiner Freiheit" und gelassen und

treu im Unglück."

Götz. Sie sollen mir einen stellen, dem ich mein Wort gebrochen! Und

Gott weiß, daß ich mehr geschwitzt hab, meinem Nächsten zu dienen, als

mir, daß ich um den Namen eines tapfern und treuen Ritters gearbeitet

habe, nicht um hohe Reichtümer und Rang zu gewinnen. Und Gott sei

Dank, worum ich warb, ist mir worden.

(Lerse. Georg mit Wildbret.)

Götz. Glück zu, brave Jäger!

Georg. Das sind wir aus braven Reitern geworden. Aus Stiefeln machen

sich leicht Pantoffeln.

Lerse. Die Jagd ist doch immer was, und eine Art von Krieg.

Georg. Wenn man nur hierzulande nicht immer mit Reichsknechten zu tun

hätte. Wißt Ihr, gnädiger Herr, wie Ihr uns prophezeitet: wenn sich

die Welt umkehrte, würden wir Jäger werden. Da sind wir's ohne das.

Götz. Es kommt auf eins hinaus, wir sind aus unserm Kreise gerückt.

Georg. Es sind bedenkliche Zeiten. Schon seit acht Tagen läßt sich

ein fürchterlicher Komet sehen, und ganz Deutschland ist in Angst, es

bedeute den Tod des Kaisers, der sehr krank ist.

Götz. Sehr krank! Unsere Bahn geht zu Ende.

Lerse. Und hier in der Nähe gibt's noch schrecklichere Veränderungen.

Die Bauern haben einen entsetzlichen Aufstand erregt.

Götz. Wo?

Lerse. Im Herzen von Schwaben. Sie sengen, brennen und morden. Ich

fürchte, sie verheeren das ganze Land.

Georg. Einen fürchterlichen Krieg gibt's. Es sind schon an die

hundert Ortschaften aufgestanden, und täglich mehr. Der Sturmwind

neulich hat ganze Wälder ausgerissen, und kurz darauf hat man in der

Gegend, wo der Aufstand begonnen, zwei feurige Schwerter kreuzweis in

der Luft gesehn.

Götz. Da leiden von meinen guten Herrn und Freunden gewiß unschuldig

mit!

Georg. Schade, daß wir nicht reiten dürfen!

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 76 / 98 题