Götz. Georg.
Georg. Er will selbst mit Euch sprechen. Ich kenn ihn nicht; es ist
ein stattlicher Mann, mit schwarzen feurigen Augen.
Götz. Bring ihn herein.
(Lerse kommt.)
Götz. Gott grüß Euch! Was bringt Ihr?
Lerse. Mich selbst, das ist nicht viel, doch alles, was es ist, biet
ich Euch an.
Götz. Ihr seid mir willkommen, doppelt willkommen, ein braver Mann,
und zu dieser Zeit, da ich nicht hoffte, neue Freunde zu gewinnen,
eher den Verlust der alten stündlich fürchtete. Gebt mir Euern Namen.
Lerse. Franz Lerse.
Götz. Ich danke Euch, Franz, daß Ihr mich mit einem braven Mann
bekannt macht.
Lerse. Ich machte Euch schon einmal mit mir bekannt, aber damals
danktet Ihr mir nicht dafür.
Götz. Ich erinnere mich Eurer nicht.
Lerse. Es wäre mir leid. Wißt Ihr noch, wie Ihr um des Pfalzgrafen
willen Konrad Schotten feind wart und nach Haßfurt auf die Fastnacht
reiten wolltet?
Götz. Wohl weiß ich es.
Lerse. Wißt Ihr, wie Ihr unterwegs bei einem Dorf fünfundzwanzig
Reitern entgegenkamt?
Götz. Richtig. Ich hielt sie anfangs nur für zwölfe und teilt meinen
Haufen, waren unser sechzehn, und hielt am Dorf hinter der Scheuer, in
willens, sie sollten bei mir vorbeiziehen. Dann wollt ich ihnen
nachrucken, wie ich's mit dem andern Haufen abgeredt hatte.
Lerse. Aber wir sahn Euch und zogen auf eine Höhe am Dorf. Ihr zogt
herbei und hieltet unten. Wie wir sahn, Ihr wolltet nicht
heraufkommen, ritten wir herab.
Götz. Da sah ich erst, daß ich mit der Hand in die Kohlen geschlagen
hatte. Fünfundzwanzig gegen acht! Da galt's kein Feiern. Erhard
Truchseß durchstach mir einen Knecht, dafür rannt ich ihn vom Pferde.
Hätten sie sich alle gehalten wie er und ein Knecht, es wäre mein und
meines kleinen Häufchens übel gewahrt gewesen.
Lerse. Der Knecht, wovon Ihr sagtet-Götz. Es war der bravste, den
ich gesehen habe. Er setzte mir heiß zu. Wenn ich dachte, ich hätt
ihn von mir gebracht, wollte mit andern zu schaffen haben, war er
wieder an mir und schlug feindlich zu. Er hieb mir auch durch den
Panzerärmel hindurch, daß es ein wenig gefleischt hatte.
Lerse. Habt Ihr's ihm verziehen?
Götz. Er gefiel mir mehr als zu wohl.
Lerse. Nun, so hoff ich, daß Ihr mit mir zufrieden sein werdet; ich
hab mein Probstück an Euch selbst abgelegt.
Götz. Bist du's? O willkommen, willkommen! Kannst du sagen,
Maximilian, du hast unter deinen Dienern einen so geworben!
Lerse. Mich wundert, daß Ihr nicht eh auf mich gefallen seid.
Götz. Wie sollte mir einkommen, daß der mir seine Dienste anbieten
würde, der auf das feindseligste mich zu überwältigen trachtete?
Lerse. Eben das, Herr! Von Jugend auf dien ich als Reitersknecht,
und hab's mit manchem Ritter aufgenommen. Da wir auf Euch stießen,
freut ich mich. Ich kannte Euern Namen, und da lernt ich Euch kennen.
Ihr wißt, ich hielt nicht stand; Ihr saht, es war nicht Furcht, denn
ich kam wieder. Kurz, ich lernt Euch kennen, und von Stund an
beschloß ich, Euch zu dienen.
Götz. Wie lange wollt Ihr bei mir aushalten?
Lerse. Auf ein Jahr. Ohne Entgelt.
Götz. Nein, Ihr sollt gehalten werden wie ein anderer, und drüber,
wie der, der mir bei Remlin zu schaffen machte.
(Georg kommt.)
Georg. Hans von Selbitz läßt Euch grüßen. Morgen ist er hier mit
funfzig Mann.
Götz. Wohl.
Georg. Es zieht am Kocher ein Trupp Reichsvölker herunter; ohne
Zweifel, Euch zu beobachten.
Götz. Wieviel?
Georg. Ihrer funfzig.
Götz. Nicht mehr! Komm, Lerse, wir wollen sie zusammenschmeißen,
wenn Selbitz kommt, daß er schon ein Stück Arbeit getan findet.
Lerse. Das soll eine reichliche Vorlese werden.