Jagsthausen

Sickingen.

Sickingen. Es geht alles nach Wunsch; sie war etwas bestürzt über

meinen Antrag und sah mich vom Kopf bis auf die Füße an; ich wette,

sie verglich mich mit ihrem Weißfisch. Gott sei Dank, daß ich mich

stellen darf. Sie antwortete wenig und durcheinander; desto besser!

Es mag eine Zeit kochen. Bei Mädchen, die durch Liebesunglück gebeizt

sind, wird ein Heiratsvorschlag bald gar.

(Götz kommt.)

Sickingen. Was bringt Ihr, Schwager?

Götz. In die Acht erklärt!

Sickingen. Was?

Götz. Da lest den erbaulichen Brief. Der Kaiser hat Exekution gegen

mich verordnet, die mein Fleisch den Vögeln unter dem Himmel und den

Tieren auf dem Felde zu fressen vorschneiden soll.

Sickingen. Erst sollen sie dran. Just zur gelegenen Zeit bin ich

hier.

Götz. Nein, Sickingen, Ihr sollt fort. Eure großen Anschläge könnten

darüber zugrunde gehn, wenn Ihr zu so ungelegner Zeit des Reichs Feind

werden wolltet. Auch mir werdet Ihr weit mehr nutzen, wenn Ihr

neutral zu sein scheint. Der Kaiser liebt Euch, und das Schlimmste,

das mir begegnen kann, ist, gefangen zu werden; dann braucht Euer

Vorwort und reißt mich aus einem Elend, in das unzeitige Hülfe uns

beide stürzen könnte. Denn was wär's? Jetzo geht der Zug gegen mich;

erfahren sie, du bist bei mir, so schicken sie mehr, und wir sind um

nichts gebessert. Der Kaiser sitzt an der Quelle, und ich wär schon

jetzt unwiederbringlich verloren, wenn man Tapferkeit so geschwind

einblasen könnte, als man einen Haufen zusammenblasen kann.

Sickingen. Doch kann ich heimlich ein zwanzig Reiter zu Euch stoßen

lassen.

Götz. Gut. Ich hab schon Georgen nach dem Selbitz geschickt, und

meine Knechte in der Nachbarschaft herum. Lieber Schwager, wenn meine

Leute beisammen sind, es wird ein Häufchen sein, dergleichen wenig

Fürsten beisammen gesehen haben.

Sickingen. Ihr werdet gegen die Menge wenig sein.

Götz. Ein Wolf ist einer ganzen Herde Schafe zu viel.

Sickingen. Wenn sie aber einen guten Hirten haben?

Götz. Sorg du. Es sind lauter Mietlinge. Und dann kann der beste

Ritter nichts machen, wenn er nicht Herr von seinen Handlungen ist.

So kamen sie mir auch einmal, wie ich dem Pfalzgrafen zugesagt hatte,

gegen Konrad Schotten zu dienen; da legt' er mir einen Zettel aus der

Kanzlei vor, wie ich reiten und mich halten sollt; da warf ich den

Räten das Papier wieder dar und sagt: ich wüßt nicht darnach zu

handlen, ich weiß nicht, was mir begegnen mag, das steht nicht im

Zettel, ich muß die Augen selbst auftun und sehn, was ich zu schaffen

hab.

Sickingen. Glück zu, Bruder! Ich will gleich fort und dir schicken,

was ich in der Eil zusammentreiben kann.

Götz. Komm noch zu den Frauen, ich ließ sie beisammen. Ich wollte,

daß du ihr Wort hättest, ehe du gingst. Dann schick mir die Reiter,

und komm heimlich wieder, Marien abzuholen, denn mein Schloß, fürcht

ich, wird bald kein Aufenthalt für Weiber mehr sein.

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 41 / 98 题