Metzler, Sievers am Tische. Zwei Reitersknechte beim Feuer. Wirt.
Sievers. Hänsel, noch ein Glas Branntwein, und meß christlich.
Wirt. Du bist der Nimmersatt.
Metzler (leise zu Sievers). Erzähl das noch einmal vom Berlichingen!
Die Bamberger dort ärgern sich, sie möchten schwarz werden.
Sievers. Bamberger? Was tun die hier?
Metzler. Der Weislingen ist oben auf'm Schloß beim Herrn Grafen schon
zwei Tage; dem haben sie das Gleit geben. Ich weiß nicht, wo er
herkommt; sie warten auf ihn; er geht zurück nach Bamberg.
Sievers. Wer ist der Weislingen?
Metzler. Des Bischofs rechte Hand, ein gewaltiger Herr, der dem Götz
auch auf'n Dienst lauert.
Sievers. Er mag sich in acht nehmen.
Metzler (leise). Nur immer zu! (Laut.) Seit wann hat denn der Götz
wieder Händel mit dem Bischof von Bamberg? Es hieß ja, alles wäre
vertragen und geschlichtet.
Sievers. Ja, vertrag du mit den Pfaffen! Wie der Bischof sah, er
richt nichts aus und zieht immer den kürzern, kroch er zum Kreuz und
war geschäftig, daß der Vergleich zustand käm. Und der getreuherzige
Berlichingen gab unerhört nach, wie er immer tut, wenn er im Vorteil
ist.
Metzler. Gott erhalt ihn! Ein rechtschaffener Herr!
Sievers. Nun denk, ist das nicht schändlich? Da werfen sie ihm einen
Buben nieder, da er sich nichts weniger versieht. Wird sie aber schon
wieder dafür lausen!
Metzler. Es ist doch dumm, daß ihm der letzte Streich mißglückt ist!
Er wird sich garstig erbost haben.
Sievers. Ich glaub nicht, daß ihn lang was so verdrossen hat. Denk
auch: alles war aufs genaueste verkundschaft, wann der Bischof aus dem
Bad käm, mit wieviel Reitern, welchen Weg; und wenn's nicht wär durch
falsche Leut verraten worden, wollt er ihm das Bad gesegnet und ihn
ausgerieben haben.
Erster Reiter. Was räsoniert ihr von unserm Bischof? Ich glaub, ihr
sucht Händel.
Sievers. Kümmert euch um eure Sachen! Ihr habt an unserm Tisch
nichts zu suchen.
Zweiter Reiter. Wer heißt euch von unserm Bischof despektierlich
reden?
Sievers. Hab ich euch Red und Antwort zu geben? Seht doch den
Fratzen!
Erster Reiter (schlägt ihn hinter die Ohren).
Metzler. Schlag den Hund tot!
(Sie fallen übereinander her.)
Zweiter Reiter. Komm her, wenn du 's Herz hast.
Wirt (reißt sie voneinander). Wollt ihr Ruh haben! Tausend
Schwerenot! Schert euch 'naus, wenn ihr was auszumachen habt. In
meiner Stub soll's ehrlich und ordentlich zugehen. (Schiebt die
Reiter zur Tür hinaus.) Und ihr Esel, was fanget ihr an?
Metzler. Nur nit viel geschimpft, Hänsel, sonst kommen wir dir über
die Glatze. Komm, Kamerad, wollen die draußen bleuen.
(Zwei Berlichingsche Reiter kommen.)
Erster Reiter. Was gibt's da?.
Sievers. Ei guten Tag, Peter! Veit, guten Tag! Woher?
Zweiter Reiter. Daß du dich nit unterstehst zu verraten, wem wir
dienen.
Sievers (leise). Da ist euer Herr Götz wohl auch nit weit?
Erster Reiter. Halt dein Maul! Habt ihr Händel?
Sievers. Ihr seid den Kerls begegnet draußen, sind Bamberger.
Erster Reiter. Was tun die hier?
Metzler. Der Weislingen ist droben auf'm Schloß, beim gnädigen Herrn,
den haben sie geleit.
Erster Reiter. Der Weislingen?
Zweiter Reiter (leise). Peter! das ist ein gefunden Fressen! (Laut.)
Wie lang ist er da?
Metzler. Schon zwei Tage. Aber er will heut noch fort, hört ich
einen von den Kerls sagen.
Erster Reiter (leise). Sagt ich dir nicht, er wär daher! Hätten wir
dort drüben eine Weile passen können. Komm, Veit.
Sievers. Helft uns doch erst die Bamberger ausprügeln.
Zweiter Reiter. Ihr seid ja auch zu zwei. Wir müssen fort. Adies!
(Ab.)
Sievers. Lumpenhunde die Reiter! wann man sie nit bezahlt, tun sie
dir keinen Streich.
Metzler. Ich wollt schwören, sie haben einen Anschlag. Wem dienen
sie?
Sievers. Ich soll's nit sagen. Sie dienen dem Götz.
Metzler. So! Nun wollen wir über die draußen. Komm! so lang ich
einen Bengel hab, fürcht ich ihre Bratspieße nicht.
Sievers. Dürften wir nur so einmal an die Fürsten, die uns die Haut
über die Ohren ziehen.