Italienische Reise / 2. Röm. Aufenthalt / Nachahmung des Schönen

über die bildende Nachahmung des Schönen

von Karl Philipp Moritz. Braunschweig 1788.

Unter diesem Titel ward ein Heft von kaum vier Bogen gedruckt, wozu

Moritz das Manuskript nach Deutschland geschickt hatte, um seinen

Verleger über den Vorschuß einer Reisebeschreibung nach Italien

einigermaßen zu beschwichtigen. Freilich war eine solche nicht so

leicht als die einer abenteuerlichen Fußwanderung durch England

niederzuschreiben.

Gedachtes Heft aber darf ich nicht unerwähnt lassen; es war aus unsern

Unterhaltungen hervorgegangen, welche Moritz nach seiner Art benutzt

und ausgebildet. Wie es nun damit auch sei, so kann es geschichtlich

einiges Interesse haben, um daraus zu ersehen, was für Gedanken sich

in jener Zeit vor uns auftaten, welche, späterhin entwickelt, geprüft,

angewendet und verbreitet, mit der Denkweise des Jahrhunderts

glücklich zusammentrafen.

Einige Blätter aus der Mitte des Vortrags mögen hier eingeschaltet

stehen, vielleicht nimmt man hievon Veranlassung, das Ganze wieder

abzudrucken.

"Der Horizont der tätigen Kraft aber muß bei dem bildenden Genie so

weit wie die Natur selber sein: das heißt, die Organisation muß so

fein gewebt sein und so unendlich viele Berührungspunkte der

allumströmenden Natur darbieten, daß gleichsam die äußersten Enden von

allen Verhältnissen der Natur im großen, hier im kleinen sich

nebeneinander stellend, Raum genug haben, um sich einander nicht

verdrängen zu dürfen.

Wenn nun eine Organisation von diesem feinern Gewebe bei ihrer

völligen Entwicklung auf einmal in der dunklen Ahndung ihrer tätigen

Kraft ein Ganzes faßt, das weder in ihr Auge noch in ihr Ohr, weder in

ihre Einbildungskraft noch in ihre Gedanken kam, so muß notwendig eine

Unruhe, ein Mißverhältnis zwischen den sich wägenden Kräften so lange

entstehen, bis sie wieder in ihr Gleichgewicht kommen.

Bei einer Seele, deren bloß tätige Kraft schon das edle große Ganze

der Natur in dunkler Ahndung faßt, kann die deutlich erkennende

Denkkraft, die noch lebhafter darstellende Einbildungskraft und der am

hellsten spiegelnde äußre Sinn mit der Betrachtung des einzelnen im

Zusammenhange der Natur sich nicht mehr begnügen.

Alle die in der tätigen Kraft bloß dunkel geahndeten Verhältnisse

jenes großen Ganzen müssen notwendig auf irgendeine Weise entweder

sichtbar, hörbar oder doch der Einbildungskraft faßbar werden; und um

dies zu werden, muß die Tatkraft, worin sie schlummern, sie nach sich

selber, aus sich selber bilden.--Sie muß alle jene Verhältnisse des

großen Ganzen und in ihnen das höchste Schöne wie an den Spitzen

seiner Strahlen in einen Brennpunkt fassen.--Aus diesem Brennpunkte

muß sich nach des Auges gemessener Weite ein zartes und doch getreues

Bild des höchsten Schönen ründen, das die vollkommensten Verhältnisse

des großen Ganzen der Natur ebenso wahr und richtig wie sie selbst in

seinem kleinen Umfang faßt.

Weil nun aber dieser Abdruck des höchsten Schönen notwendig an etwas

haften muß, so wählt die bildende Kraft, durch ihre Individualität

bestimmt, irgendeinen sichtbaren, hörbaren oder doch der

Einbildungskraft faßbaren Gegenstand, auf den sie den Abglanz des

höchsten Schönen im verjüngenden Maßstabe überträgt.--Und weil dieser

Gegenstand wiederum, wenn er wirklich, was er darstellt, wäre, mit dem

Zusammenhange der Natur, die außer sich selber kein wirklich

eigenmächtiges Ganze duldet, nicht ferner bestehen könnte, so führet

uns dies auf den Punkt, wo wir schon einmal waren: daß jedesmal das

innre Wesen erst in die Erscheinung sich verwandeln müsse, ehe es

durch die Kunst zu einem für sich bestehenden Ganzen gebildet werden

und ungehindert die Verhältnisse des großen Ganzen der Natur in ihrem

völligen Umfange spiegeln kann.

Da nun aber jene großen Verhältnisse, in deren völligem Umfange eben

das Schöne liegt, nicht mehr unter das Gebiet der Denkkraft fallen, so

kann auch der lebendige Begriff von der bildenden Nachahmung des

Schönen nur im Gefühl der tätigen Kraft, die es hervorbringt, im

ersten Augenblick der Entstehung stattfinden, wo das Werk, als schon

vollendet, durch alle Grade seines allmählichen Werdens in dunkler

Ahndung auf einmal vor die Seele tritt und in diesem Moment der ersten

Erzeugung gleichsam vor seinem wirklichen Dasein da ist; wodurch

alsdann auch jener unnennbare Reiz entsteht, welcher das schaffende

Genie zur immerwährenden Bildung treibt.

Durch unser Nachdenken über die bildende Nachahmung des Schönen, mit

dem reinen Genuß der schönen Kunstwerke selbst vereint, kann zwar

etwas jenem lebendigen Begriff Näherkommendes in uns entstehen, das

den Genuß der schönen Kunstwerke uns erhöht.--Allein da unser höchster

Genuß des Schönen dennoch sein Werden auf unsrer eignen Kraft

unmöglich mit in sich fassen kann, so bleibt der einzige höchste Genuß

desselben immer dem schaffenden Genie, das es hervorbringt, selber,

und das Schöne hat daher seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung,

in seinem Werden schon erreicht; unser Nachgenuß desselben ist nur

eine Folge seines Daseins--und das bildende Genie ist daher im großen

Plane der Natur zuerst um sein selbst, und dann erst um unsertwillen

da; weil es nun einmal außer ihm noch Wesen gibt, die selbst nicht

schaffen und bilden, aber doch das Gebildete, wenn es einmal

hervorgebracht ist, mit ihrer Einbildungskraft umfassen können.

Die Natur des Schönen besteht ja eben darin, daß sein innres Wesen

außer den Grenzen der Denkkraft, in seiner Entstehung, in seinem

eignen Werden liegt. Eben darum, weil die Denkkraft beim Schönen

nicht mehr fragen kann, warum es schön sei, ist es schön.--Denn es

mangelt ja der Denkkraft völlig an einem Vergleichungspunkte, wornach

sie das Schöne beurteilen und betrachten könnte. Was gibt es noch für

einen Vergleichungspunkt für das echte Schöne, als mit dem Inbegriff

aller harmonischen Verhältnisse des großen Ganzen der Natur, die keine

Denkkraft umfassen kann? Alles einzelne, hin und her in der Natur

zerstreute Schöne ist ja nur insofern schön, als sich dieser Inbegriff

aller Verhältnisse jenes großen Ganzen mehr oder weniger darin

offenbart. Es kann also nie zum Vergleichungspunkte für das Schöne

der bildenden Künste, ebensowenig als der wahren Nachahmung des

Schönen zum Vorbilde dienen; weil das höchste Schöne im Einzelnen der

Natur immer noch nicht schön genug für die stolze Nachahmung der

großen und majestätischen Verhältnisse des allumfassenden Ganzen der

Natur ist. Das Schöne kann daher nicht erkannt, es muß

hervorgebracht--oder empfunden werden.

Denn weil in gänzlicher Ermangelung eines Vergleichungspunktes einmal

das Schöne kein Gegenstand der Denkkraft ist, so würden wir, insofern

wir es nicht selbst hervorbringen können, auch seines Genusses ganz

entbehren müssen, indem wir uns nie an etwas halten könnten, dem das

Schöne näher käme als das Minderschöne--wenn nicht etwas die Stelle

der hervorbringenden Kraft in uns ersetzte, das ihr so nahe wie

möglich kömmt, ohne doch sie selbst zu sein:--dies ist nun, was wir

Geschmack oder Empfindungsfähigkeit für das Schöne nennen, die, wenn

sie in ihren Grenzen bleibt, den Mangel des höhern Genusses bei der

Hervorbringung des Schönen durch die ungestörte Ruhe der stillen

Betrachtung ersetzen kann.

Wenn nämlich das Organ nicht fein genug gewebt ist, um dem

einströmenden Ganzen der Natur so viele Berührungspunkte darzubieten,

als nötig sind, um alle ihre großen Verhältnisse vollständig im

kleinen abzuspiegeln, und uns noch ein Punkt zum völligen Schluß des

Zirkels fehlt, so können wir statt der Bildungskraft nur

Empfindungsfähigkeit für das Schöne haben: jeder Versuch, es außer uns

wieder darzustellen, würde uns mißlingen und uns desto unzufriedner

mit uns selber machen, je näher unser Empfindungsvermögen für das

Schöne an das uns mangelnde Bildungsvermögen grenzt.

Weil nämlich das Wesen des Schönen eben in seiner Vollendung in sich

selbst besteht, so schadet ihm der letzte fehlende Punkt so viel als

tausend, denn er verrückt alle übrigen Punkte aus der Stelle, in

welche sie gehören.--Und ist dieser Vollendungspunkt einmal verfehlt,

so verlohnt ein Werk der Kunst nicht der Mühe des Anfangs und der Zeit

seines Werdens; es fällt unter das Schlechte bis zum Unnützen herab,

und sein Dasein muß notwendig durch die Vergessenheit, worin es sinkt,

sich wieder aufheben.

Ebenso schadet auch dem in das feinere Gewebe der Organisation

gepflanzten Bildungsvermögen der letzte zu seiner Vollständigkeit

fehlende Punkt so viel als tausend. Der höchste Wert, den es als

Empfindungsvermögen haben könnte, kömmt bei ihm als Bildungskraft

ebensowenig wie der geringste in Betrachtung. Auf dem Punkte, wo das

Empfindungsvermögen seine Grenzen überschreitet, muß es notwendig

unter sich selber sinken, sich aufheben und vernichten.

Je vollkommener das Empfindungsvermögen für eine gewisse Gattung des

Schönen ist, um desto mehr ist es in Gefahr, sich zu täuschen, sich

selbst für Bildungskraft zu nehmen und auf die Weise durch tausend

mißlungene Versuche seinen Frieden mit sich selbst zu stören.

Es blickt z. B. beim Genuß des Schönen in irgendeinem Werke der Kunst

zugleich durch das Werden desselben in die bildende Kraft, die es

schuf, hindurch; und ahndet dunkel den höhern Grad des Genusses eben

dieses Schönen im Gefühl dieser Kraft, die mächtig genug war, es aus

sich selbst hervorzubringen.

Um sich nun diesen höhern Grad des Genusses, welchen sie an einem

Werke, das einmal schon da ist, unmöglich haben kann, auch zu

verschaffen, strebt die einmal zu lebhaft gerührte Empfindung

vergebens, etwas ähnliches aus sich selbst hervorzubringen, haßt ihr

eignes Werk, verwirft es und verleidet sich zugleich den Genuß alle

des Schönen, das außer ihr schon da ist, und woran sie nun eben

deswegen, weil es ohne ihr Zutun da ist, keine Freude findet.

Ihr einziger Wunsch und Streben ist, des ihr versagten höhern Genusses,

den sie nur dunkel ahndet, teilhaftig zu werden: in einem schönen

Werke, das ihr sein Dasein dankt, mit dem Bewußtsein von eigner

Bildungskraft sich selbst zu spiegeln.-Allein sie wird ihres Wunsches

ewig nicht gewährt, weil Eigennutz ihn erzeugte und das Schöne sich

nur um sein selbst willen von der Hand des Künstlers greifen und

willig und folgsam von ihm sich bilden läßt.

Wo sich nun in den schaffenwollenden Bildungstrieb sogleich die

Vorstellung vom Genuß des Schönen mischt, den es, wenn es vollendet

ist, gewähren soll; und wo diese Vorstellung der erste und stärkste

Antrieb unsrer Tatkraft wird, die sich zu dem, was sie beginnt, nicht

in und durch sich selbst gedrungen fühlt, da ist der Bildungstrieb

gewiß nicht rein: der Brennpunkt oder Vollendungspunkt des Schönen

fällt in die Wirkung über das Werk hinaus; die Strahlen gehen

auseinander; das Werk kann sich nicht in sich selber ründen.

Dem höchsten Genuß des aus sich selbst hervorgebrachten Schönen sich

so nah zu dünken und doch darauf Verzicht zu tun, scheint freilich ein

harter Kampf--der dennoch äußerst leicht wird, wenn wir aus diesem

Bildungstriebe, den wir uns einmal zu besitzen schmeicheln, um doch

sein Wesen zu veredeln, jede Spur des Eigennutzes, die wir noch finden,

tilgen und jede Vorstellung des Genusses, den uns das Schöne, das wir

hervorbringen wollen, wenn es nun da sein wird, durch das Gefühl

unsrer eignen Kraft gewähren soll, soviel wie möglich zu verbannen

suchen, so daß, wenn wir auch mit dem letzten Atemzuge es erst

vollenden könnten, es dennoch zu vollenden strebten.-Behält alsdann

das Schöne, das wir ahnden, bloß an und für sich selbst, in seiner

Hervorbringung, noch Reiz genug, unsre Tatkraft zu bewegen, so dürfen

wir getrost unserm Bildungstriebe folgen, weil er echt und rein ist.

-Verliert sich aber mit der gänzlichen Hinwegdenkung des Genusses und

der Wirkung auch der Reiz, so bedarf es ja keines Kampfes weiter, der

Frieden in uns ist hergestellt, und das nun wieder in seine Rechte

getretene Empfindungsvermögen eröffnet sich zum Lohne für sein

bescheidnes Zurücktreten in seine Grenzen dem reinsten Genuß des

Schönen, der mit der Natur seines Wesens bestehen kann.

Freilich kann nun der Punkt, wo Bildungs--und Empfindungskraft sich

scheidet, so äußerst leicht verfehlt und überschritten werden, daß es

gar nicht zu verwundern ist, wenn immer tausend falsche, angemaßte

Abdrücke des höchsten Schönen gegen einen echten durch den falschen

Bildungstrieb in den Werken der Kunst entstehen.

Denn da die echte Bildungskraft sogleich bei der ersten Entstehung

ihres Werks auch schon den ersten, höchsten Genuß desselben als ihren

sichern Lohn in sich selber trägt und sich nur dadurch von dem

falschen Bildungstriebe unterscheidet, daß sie den allerersten Moment

ihres Anstoßes durch sich selber und nicht durch die Ahndung des

Genusses von ihrem Werke erhält; und weil in diesem Moment der

Leidenschaft die Denkkraft selbst kein richtiges Urteil fällen kann,

so ist es fast unmöglich, ohne eine Anzahl mißlungner Versuche dieser

Selbsttäuschung zu entkommen.

Und selbst auch diese mißlungnen Versuche sind noch nicht immer ein

Beweis von Mangel an Bildungskraft, weil diese selbst da, wo sie echt

ist, oft eine ganz falsche Richtung nimmt, indem sie vor ihre

Einbildungskraft stellen will, was vor ihr Auge, oder vor ihr Auge,

was vor ihr Ohr gehört.

Eben weil die Natur die inwohnende Bildungskraft nicht immer zur

völligen Reife und Entwicklung kommen oder sie einen falschen Weg

einschlagen läßt, auf dem sie sich nie entwickeln kann, so bleibt das

echte Schöne selten.

Und weil sie auch aus dem angemaßten Bildungstriebe das Gemeine und

Schlechte ungehindert entstehen läßt, so unterscheidet sich eben

dadurch das echte Schöne und Edle durch seinen seltenen Wert vom

Schlechten und Gemeinen.

In dem Empfindungsvermögen bleibt also stets die Lücke, welche nur

durch das Resultat der Bildungskraft sich ausfüllt.--Bildungskraft und

Empfindungsfähigkeit verhalten sich zueinander wie Mann und Weib.

Denn auch die Bildungskraft ist bei der ersten Entstehung ihres Werks

im Moment des höchsten Genusses zugleich Empfindungsfähigkeit und

erzeugt wie die Natur den Abdruck ihres Wesens aus sich selber.

Empfindungsvermögen sowohl als Bildungskraft sind also in dem feinern

Gewebe der Organisation gegründet, insofern dieselbe in allen ihren

Berührungspunkten von den Verhältnissen des großen Ganzen der Natur

ein vollständiger oder doch fast vollständiger Abdruck ist.

Empfindungskraft sowohl als Bildungskraft umfassen mehr als Denkkraft,

und die tätige Kraft, worin sich beide gründen, faßt zugleich auch

alles, was die Denkkraft faßt, weil sie von allen Begriffen, die wir

je haben können, die ersten Anlässe, stets sie aus sich herausspinnend,

in sich trägt.

Insofern nun diese tätige Kraft alles, was nicht unter das Gebiet der

Denkkraft fällt, hervorbringend in sich faßt, heißet sie Bildungskraft:

und insofern sie das, was außer den Grenzen der Denkkraft liegt, der

Hervorbringung sich entgegenneigend, in sich begreift, heißt sie

Empfindungskraft.

Bildungskraft kann nicht ohne Empfindung und tätige Kraft, die bloß

tätige Kraft hingegen kann ohne eigentliche Empfindungs--und

Bildungskraft, wovon sie nur die Grundlage ist, für sich allein

stattfinden.

Insofern nun diese bloß tätige Kraft ebenfalls in dem feinern Gewebe

der Organisation sich gründet, darf das Organ nur überhaupt in allen

seinen Berührungspunkten ein Abdruck der Verhältnisse des großen

Ganzen sein, ohne daß eben der Grad der Vollständigkeit erfordert

würde, welche die Empfindungs--und Bildungskraft voraussetzt.

Von den Verhältnissen des großen Ganzen, das uns umgibt, treffen

nämlich immer so viele in allen Berührungspunkten unsres Organs

zusammen, daß wir dies große Ganze dunkel in uns fühlen, ohne es doch

selbst zu sein. Die in unser Wesen hineingesponnenen Verhältnisse

jenes Ganzen streben, sich nach allen Seiten wieder auszudehnen; das

Organ wünscht sich nach allen Seiten bis ins Unendliche fortzusetzen.

Es will das umgebende Ganze nicht nur in sich spiegeln, sondern,

soweit es kann, selbst dies umgebende Ganze sein.

Daher ergreift jede höhere Organisation ihrer Natur nach die ihr

untergeordnete und trägt sie in ihr Wesen über. Die Pflanze den

unorganisierten Stoff durch bloßes Werden und Wachsen; das Tier die

Pflanzen durch Werden, Wachsen und Genuß; der Mensch verwandelt nicht

nur Tier und Pflanze durch Werden, Wachsen und Genuß in sein innres

Wesen, sondern faßt zugleich alles, was seiner Organisation sich

unterordnet, durch die unter allen am hellsten geschliffne, spiegelnde

Oberfläche seines Wesens, in den Umfang seines Daseins auf und stellt

es, wenn sein Organ sich bildend in sich selbst vollendet, verschönert

außer sich wieder dar.

Wo nicht, so muß er das, was um ihn her ist, durch Zerstörung in den

Umfang seines wirklichen Daseins ziehn und verheerend um sich greifen,

so weit er kann, da einmal die reine unschuldige Beschauung seinen

Durst nach ausgedehntem wirklichem Dasein nicht ersetzen kann."

Italienische Reise — Band 2 · 第 87 / 91 题