Mittwoch, den 25. Juli

Ich war mit dem Grafen Fries, die Gemmensammlung des Prinzen von

Piombino zu sehen.

Freitag, den 27sten.

Übrigens helfen mir alle Künstler, alt und jung, um mein Talentchen

zuzustutzen und zu erweitern. In der Perspektiv und Baukunst bin ich

vorgerückt, auch in der Komposition der Landschaft. An den lebendigen

Kreaturen hängt's noch, da ist ein Abgrund, doch wäre mit Ernst und

Applikation hier auch weiterzukommen.

Ich weiß nicht, ob ich ein Wort von dem Konzert sagte, das ich zu Ende

voriger Woche gab. Ich lud diejenigen Personen dazu, die mir hier

manches Vergnügen verschafft haben, und ließ durch die Sänger der

komischen Oper die besten Stücke der letzten Intermezzen aufführen.

Jedermann war vergnügt und zufrieden.

Nun ist mein Saal schön aufgeräumt und aufgeputzt; es lebt sich bei

der großen Wärme aufs angenehmste darin. Wir haben einen trüben,

einen Regentag, ein Donnerwetter, nun einige heitere, nicht sehr heiße

Tage gehabt.

Sonntag, den 29. Juli 1787,

war ich mit Angelika in dem Palast Rondanini. Ihr werdet euch aus

meinen ersten römischen Briefen einer Meduse erinnern, die mir damals

schon so sehr einleuchtete, jetzt nun aber mir die größte Freude gibt.

Nur einen Begriff zu haben, daß so etwas in der Welt ist, daß so

etwas zu machen möglich war, macht einen zum doppelten Menschen. Wie

gern sagt' ich etwas drüber, wenn nicht alles, was man über so ein

Werk sagen kann, leerer Windhauch wäre. Die Kunst ist deshalb da, daß

man sie sehe, nicht davon spreche, als höchstens in ihrer Gegenwart.

Wie schäme ich mich alles Kunstgeschwätzes, in das ich ehmals

einstimmte. Wenn es möglich ist, einen guten Gipsabguß von dieser

Meduse zu haben, so bring' ich ihn mit, doch sie müßte neu geformt

werden. Es sind einige hier zu Kaufe, die ich nicht möchte; denn sie

verderben mehr die Idee, als daß sie uns den Begriff gäben und

erhielten. Besonders ist der Mund unaussprechlich und unnachahmlich

groß.

Montag, den 30sten,

blieb ich den ganzen Tag zu Hause und war fleißig. "Egmont" rückt zum

Ende, der vierte Akt ist so gut wie fertig. Sobald er abgeschrieben

ist, schick' ich ihn mit der reitenden Post. Welche Freude wird mir's

sein, von euch zu hören, daß ihr dieser Produktion einigen Beifall

gebt! Ich fühle mich recht jung wieder, da ich das Stück schreibe;

möchte es auch auf den Leser einen frischen Eindruck machen. Abends

war ein kleiner Ball in dem Garten hinter dem Hause, wozu wir auch

eingeladen wurden. Ungeachtet jetzt keine Jahrszeit des Tanzes ist,

so war man doch ganz lustig. Die italienischen Mäuschen haben ihre

Eigentümlichkeiten, vor zehn Jahren hätten einige passieren können,

nun ist diese Ader vertrocknet, und es gab mir diese kleine

Feierlichkeit kaum so viel Interesse, um sie bis ans Ende auszuhalten.

Die Mondnächte sind ganz unglaublich schön; der Aufgang, eh' sich der

Mond durch die Dünste heraufgearbeitet hat, ganz gelb und warm, come

il sole d'Inghilterra, die übrige Nacht klar und freundlich. Ein

kühler Wind, und alles fängt an zu leben. Bis gegen Morgen sind immer

Partien auf der Straße, die singen und spielen, man hört mancherlei

Duette, so schön und schöner als in einer Oper oder Konzert.

Dienstag, den 31. Juli,

wurden einige Mondscheine aufs Papier gebracht, dann sonst allerlei

gute Kunst getrieben. Abends ging ich mit einem Landsmann spazieren,

und wir stritten über den Vorzug von Michelangelo und Raffael; ich

hielt die Partie des ersten, er des andern, und wir schlossen zuletzt

mit einem gemeinschaftlichen Lob auf Leonard da Vinci. Wie glücklich

bin ich, daß nun alle diese Namen aufhören, Namen zu sein, und

lebendige Begriffe des Wertes dieser trefflichen Menschen nach und

nach vollständig werden.

Nachts in die komische Oper. Ein neues Intermezz, "L'Impresario in

angustie", ist ganz vortrefflich und wird uns manche Nacht unterhalten,

so heiß es auch im Schauspiele sein mag. Ein Quintett, da der Poeta

sein Stück vorliest, der Impresar und die prima donna auf der einen

Seite ihm Beifall geben, der Komponist und die seconda donna auf der

andern ihn tadeln, worüber sie zuletzt in einen allgemeinen Streit

geraten, ist gar glücklich. Die als Frauenzimmer verkleideten

Kastraten machen ihre Rollen immer besser und gefallen immer mehr.

Wirklich für eine kleine Sommertruppe, die sich nur so

zusammengefunden hat, ist sie recht artig. Sie spielen mit einer

großen Natürlichkeit und gutem Humor. Von der Hitze stehen die armen

Teufel erbärmlich aus.

Italienische Reise — Band 2 · 第 28 / 91 题