Ich war mit dem Grafen Fries, die Gemmensammlung des Prinzen von
Piombino zu sehen.
Freitag, den 27sten.
Übrigens helfen mir alle Künstler, alt und jung, um mein Talentchen
zuzustutzen und zu erweitern. In der Perspektiv und Baukunst bin ich
vorgerückt, auch in der Komposition der Landschaft. An den lebendigen
Kreaturen hängt's noch, da ist ein Abgrund, doch wäre mit Ernst und
Applikation hier auch weiterzukommen.
Ich weiß nicht, ob ich ein Wort von dem Konzert sagte, das ich zu Ende
voriger Woche gab. Ich lud diejenigen Personen dazu, die mir hier
manches Vergnügen verschafft haben, und ließ durch die Sänger der
komischen Oper die besten Stücke der letzten Intermezzen aufführen.
Jedermann war vergnügt und zufrieden.
Nun ist mein Saal schön aufgeräumt und aufgeputzt; es lebt sich bei
der großen Wärme aufs angenehmste darin. Wir haben einen trüben,
einen Regentag, ein Donnerwetter, nun einige heitere, nicht sehr heiße
Tage gehabt.
Sonntag, den 29. Juli 1787,
war ich mit Angelika in dem Palast Rondanini. Ihr werdet euch aus
meinen ersten römischen Briefen einer Meduse erinnern, die mir damals
schon so sehr einleuchtete, jetzt nun aber mir die größte Freude gibt.
Nur einen Begriff zu haben, daß so etwas in der Welt ist, daß so
etwas zu machen möglich war, macht einen zum doppelten Menschen. Wie
gern sagt' ich etwas drüber, wenn nicht alles, was man über so ein
Werk sagen kann, leerer Windhauch wäre. Die Kunst ist deshalb da, daß
man sie sehe, nicht davon spreche, als höchstens in ihrer Gegenwart.
Wie schäme ich mich alles Kunstgeschwätzes, in das ich ehmals
einstimmte. Wenn es möglich ist, einen guten Gipsabguß von dieser
Meduse zu haben, so bring' ich ihn mit, doch sie müßte neu geformt
werden. Es sind einige hier zu Kaufe, die ich nicht möchte; denn sie
verderben mehr die Idee, als daß sie uns den Begriff gäben und
erhielten. Besonders ist der Mund unaussprechlich und unnachahmlich
groß.
Montag, den 30sten,
blieb ich den ganzen Tag zu Hause und war fleißig. "Egmont" rückt zum
Ende, der vierte Akt ist so gut wie fertig. Sobald er abgeschrieben
ist, schick' ich ihn mit der reitenden Post. Welche Freude wird mir's
sein, von euch zu hören, daß ihr dieser Produktion einigen Beifall
gebt! Ich fühle mich recht jung wieder, da ich das Stück schreibe;
möchte es auch auf den Leser einen frischen Eindruck machen. Abends
war ein kleiner Ball in dem Garten hinter dem Hause, wozu wir auch
eingeladen wurden. Ungeachtet jetzt keine Jahrszeit des Tanzes ist,
so war man doch ganz lustig. Die italienischen Mäuschen haben ihre
Eigentümlichkeiten, vor zehn Jahren hätten einige passieren können,
nun ist diese Ader vertrocknet, und es gab mir diese kleine
Feierlichkeit kaum so viel Interesse, um sie bis ans Ende auszuhalten.
Die Mondnächte sind ganz unglaublich schön; der Aufgang, eh' sich der
Mond durch die Dünste heraufgearbeitet hat, ganz gelb und warm, come
il sole d'Inghilterra, die übrige Nacht klar und freundlich. Ein
kühler Wind, und alles fängt an zu leben. Bis gegen Morgen sind immer
Partien auf der Straße, die singen und spielen, man hört mancherlei
Duette, so schön und schöner als in einer Oper oder Konzert.
Dienstag, den 31. Juli,
wurden einige Mondscheine aufs Papier gebracht, dann sonst allerlei
gute Kunst getrieben. Abends ging ich mit einem Landsmann spazieren,
und wir stritten über den Vorzug von Michelangelo und Raffael; ich
hielt die Partie des ersten, er des andern, und wir schlossen zuletzt
mit einem gemeinschaftlichen Lob auf Leonard da Vinci. Wie glücklich
bin ich, daß nun alle diese Namen aufhören, Namen zu sein, und
lebendige Begriffe des Wertes dieser trefflichen Menschen nach und
nach vollständig werden.
Nachts in die komische Oper. Ein neues Intermezz, "L'Impresario in
angustie", ist ganz vortrefflich und wird uns manche Nacht unterhalten,
so heiß es auch im Schauspiele sein mag. Ein Quintett, da der Poeta
sein Stück vorliest, der Impresar und die prima donna auf der einen
Seite ihm Beifall geben, der Komponist und die seconda donna auf der
andern ihn tadeln, worüber sie zuletzt in einen allgemeinen Streit
geraten, ist gar glücklich. Die als Frauenzimmer verkleideten
Kastraten machen ihre Rollen immer besser und gefallen immer mehr.
Wirklich für eine kleine Sommertruppe, die sich nur so
zusammengefunden hat, ist sie recht artig. Sie spielen mit einer
großen Natürlichkeit und gutem Humor. Von der Hitze stehen die armen
Teufel erbärmlich aus.