II. sich auf das Verhältnis zu den Mitmenschen beziehen.

Diese Gruppen waren ursprünglich voneinander unabhängig und wurden erst

im 13. Jahrhundert vermengt; um dieselbe Zeit wurde eine dritte

hinzugefügt, nämlich die Ketzerei, d. h. Tatsachen, die sich auf ihr

Verhältnis zu Gott bezogen.

[Fußnote 467: Riklin. Wunscherfüllung und Symbolik im Märchen, 1908, S.

74.]

Für die eigentliche Hexenepidemie war die dritte Vorstellungsgruppe am

wenigsten charakteristisch, so daß wir sie zuerst erledigen können.

Obgleich sie das Element ist, das am wenigsten die eigentliche Hexe von

dem alten Zauberer und Wahrsager scharf unterschied, da sie eher als

eine direkte Fortsetzung der Attribute jener gelten darf, kam ihr doch

für die Hexenverfolgung die allerhöchste Bedeutung zu. Wie bekannt, ging

die Initiative zu jener Verfolgung von der Kirche aus, deren Streben auf

die Ausrottung der Ketzerei und Vernichtung der Macht des Teufels

gerichtet war. Die Laienschaft, deren ursprüngliches Interesse an dem

Unternehmen nicht sehr stark war, wurde zur Unterstützung der Kirche

durch die geschickte Kombinierung der Objekte dieser Verfolgung mit der

alten Auffassung von schädlicher Zauberei (Maleficium) bewogen. Durch

die Furcht vor der letzteren aus ihrer Ruhe aufgeschreckt, verband sie

sich mit der Kirche, um die verhaßten Quellen des Maleficium zu

zerstören, die nach der Erklärung der Kirche mit denen der Ketzerei und

des Teufelspaktes identisch waren.

Die schädlichen Einwirkungen der Hexen erstreckten sich von kleinen

Bosheiten bis zu den schwersten Verletzungen, selbst den Tod

miteingeschlossen. Ihre genaue Überprüfung zeigt meiner Meinung nach,

daß die Angst, die sich hinter dem Glauben an dieses Maleficium verbarg,

die im tiefsten Grunde der Menschenseele ruhende Angst vor Unfähigkeit

oder Versagen der sexuellen Funktionen war. (Beim Manne:

»Kastrations-Komplex«, beim Weibe: »Angst vor der Kinderlosigkeit.«) Der

Grund hiefür ist, daß fast alle Fälle von Verhexen sich entweder direkt

auf die Erzeugung von Impotenz (oder Sterilität) beziehen, oder

symbolische Darstellungen dafür sind.

In erster Linie ist zu beachten, daß die häufigste Spezialität der

Hexenkunst in der Einmischung in die sexuellen Funktionen, besonders bei

der Erzeugung der Impotenz bestand. Hansen[468] bemerkt: »Die Behexung

trifft weitaus am häufigsten die geschlechtlichen Beziehungen zwischen

Mann und Weib.« In der berühmten Hexen-Bulle[469] wird das Maleficium in

sieben Punkten behandelt, von denen sechs die sexuellen Funktionen

betreffen und einer die Verwandlung in Tiere. Der bekannte Malleus

Maleficarum[470] widmet vier Kapitel einer eingehenden Erörterung der

Frage, auf welche Weise diese Impotenz zu Stande gebracht wurde, und

betont, daß im Gegensatz hiezu die Hexerei andere natürliche Funktionen

nicht beirren kann, wie z. B. Essen, Gehen u. s. w.[471]; die

verschiedenen Methoden, durch die der Penis weggehext werden kann, sei

es in Wirklichkeit oder durch Augentäuschung, werden ebenso gründlich

besprochen. Ein Lieblingsmittel war die Benützung der ligature de

l'aiguillette, mit der, wie Brévannes[472] konstatiert, nicht weniger

als 50 verschiedene Prozeduren vorgenommen werden konnten. Im 15. und

16. Jahrhundert war diese so häufig im Gebrauch und so allgemein

gefürchtet, daß es Sitte wurde, die Hochzeiten im geheimen abzuhalten,

um Bezauberungen zu entgehen. Das Hexenmaleficium vermochte in derselben

Richtung noch weitere Wirkungen zu entfalten. Durch seine Anwendung

konnte die Liebe zwischen einem bestimmten Manne und einem Weibe

vernichtet, Unfruchtbarkeit der Frauen und Zeugungsunfähigkeit der

Männer herbeigeführt, die intrauterine Frucht zerstört und Mißgeburten

hervorgebracht werden.[473] Selbst wenn alle diese Gefahren vermieden

waren, war das Neugeborene noch nicht in Sicherheit, denn Hexen fraßen

mit Leidenschaft kleine Kinder, welcher Gefahr ungetaufte ganz besonders

ausgesetzt waren.

[Fußnote 468: Hansen. Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozesse im

Mittelalter, 1900, S. 479.]

[Fußnote 469: Zitiert im Hexenhammer. Deutsche Übersetzung von Schmidt,

1906, Erster Teil, S. 107.]

[Fußnote 470: Der Hexenhammer. Op. cit., Erster Teil. Kap. 8, 9 und

zweiter Teil Kap. 6, 7. Siehe Pg. 131, 143-145 bezüglich der

Differential-Diagnose zwischen Impotenz aus natürlicher Kälte und

Impotenz infolge Behexung, und Hansen. Op. cit., S. 88-92, 166 über die

Bedeutung dieser Unterscheidung für die Ehetrennung.]

[Fußnote 471: Der Hexenhammer. Op. cit., Erster Teil, S. 127.]

[Fußnote 472: Brévannes. L'orgie satanique à travers les siècles, 1904,

P. 71.]

[Fußnote 473: Diese und viele andere in diesem Kapitel erwähnten

Einzelheiten sind Hansen entnommen.]

Die meisten anderen Fälle des Maleficium symbolisieren dieselbe Furcht.

Die nächst häufige war die Vernichtung der Ernte durch Regen oder

Hagelwetter oder die Kunst, ein Feld, das einer bestimmten Person

gehörte, unfruchtbar zu machen; in allen Epochen bestanden innige

Assoziationen zwischen der Fruchtbarkeit der Menschen und der Natur, was

nebst vielen anderen die Tatsache beweist, daß dieselben Götter beide

beschützten. Auch die geringeren Fälle von Hexerei gestatten dieselbe

Auslegung. Unter diesen waren die gewöhnlichsten, die Milch sauer zu

machen (d. h. den Samen zu beschädigen), das Buttermachen zu hindern

(auf dessen symbolische Bedeutung Abraham[474] hingewiesen hat), und die

Bewegungen der Spindel (d. h. die Tätigkeit der _Maschine_),[475] zu

beeinflussen.

Die einzige Körperfunktion, außer den sexuellen, welche die Hexen

beeinträchtigen konnten, war das Urinieren, das bekanntlich mit der

Sexualbetätigung im engen, besonders symbolischen Zusammenhang

steht[476]; diese Verletzung wurde in Frankreich »cheviller«[477]

genannt.

Der Glaube, daß durch Hexerei Krankheit[478] und Tod verursacht werden

könne, hat auch auf denselben Komplex Bezug, denn man findet in der

Psychoanalyse oft, daß eine außergewöhnlich starke Furcht in dieser

Richtung durch eine tieferliegende Angst vor Impotenz bedingt wird, mit

der die anderen Vorstellungen sich leicht assoziieren. Eine weitere

Quelle für diesen Glauben bildet ihre Assoziation zur Vorstellung eines

sadistischen Überfalles; das Volksdenken sieht in Krankheit und Tod

meist die Folgen des Angriffes eines übelwollenden Dämons, der den

Menschen überwältigt. Diese Behexung wurde mit Gift, und zwar entweder

mit materiellem oder mit unkörperlichem, ausgeführt; Gift, d. h. eine

Flüssigkeit, die, in den Körper aufgenommen, ernste Folgen nach sich

zieht, ist ein gewöhnliches unbewußtes Symbol für Samen (vergleiche die

Wahnideen der Verrückten, daß jemand sie vergiften wolle).

[Fußnote 474: Abraham. Traum und Mythus, 1909, S. 66.]

[Fußnote 475: Siehe Freud. Die Traumdeutung, 3. Auflage, 1911, S. 211.]

[Fußnote 476: Siehe Sadger »Über Urethralerotik«. Psychoanalytisches

Jahrbuch, 1910, Band 2, S. 409.]

[Fußnote 477: Collin de Plancy. Dictionnaire infernal, 1818, Z. I, P.

7.]

[Fußnote 478: Grimm. Deutsche Mythologie, Vierte Ausgabe, 1876, S. 965.]

Es ist bemerkenswert, daß fast alle Zaubermittel, die das Maleficium

verhinderten, sexuelle Symbole waren. Die am häufigsten gebrauchten

scheinen Salz[479] und Hufeisen gewesen zu sein. Wie bereits erwähnt

wurde, ist Salz in der Sitte der Völker ein weit verbreitetes Symbol für

Samen und Fruchtbarkeit. Salz und Brot (Symbol der Faeces, infantiles

Sexualmaterial)[480] wurden auch gegen die Hexerei häufig

angewendet[481], da die Mischung der beiden die Fruchtbarkeit

symbolisiert.[482] Das Hufeisen, dieser allgemein bekannte

Glückstalisman, wurde auch häufig zur Abwehr der Hexen[483] benützt;

Lawrence[484], der den Volksglauben hinsichtlich des Hufeisens

ausführlich behandelt, nennt es »das Gegenmittel par excellence gegen

Hexerei«. Daß hier ein Stück Vulva-Symbolik vorliegt, wurde

gerechterweise allgemein anerkannt. Andere Dinge von ähnlicher Gestalt

und Bedeutung wurden für denselben Zweck in Gebrauch genommen; so nannte

man infolge dieses Zusammenhanges Steine, durch die ein Loch gebohrt

war, »Hexensteine«.[485] In Butlers Hudibras (II. 3. 291) werden mehrere

Symbole zusammengebracht; es heißt dort, ein Geisterbeschwörer könne mit

Sicheln, Hufeisen und ausgehöhlten Feuersteinen böse Geister verjagen.

An anderen Gegenmitteln wären zu erwähnen: ein aufgerichtetes

Messer[486], ein Besenstiel[487], ein Pferdeschädel[488] und ein

Drudenfuß[489]; die beiden ersten sind männliche Symbole, die anderen

bisexuelle.

[Fußnote 479: Seligmann. Der böse Blick und Verwandtes, 1910, Band 2, S.

34. Wuttke. Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 1900, S. 95,

258, 283.]

[Fußnote 480: Siehe Freud. Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre,

Zweite Folge, 1909, S. 168.]

[Fußnote 481: Grimm. Op. cit., Nachtrag, S. 454. Seligmann. Op. cit., S.

37.]

[Fußnote 482: Aigremont. Fuß- und Schuhsymbolik und Erotik, 1909, S.

55.]

[Fußnote 483: Brand. Popular Antiquities of Great Britain, 1849, Vol.

III, Pp. 16, 17.]

[Fußnote 484: Lawrence. The Magic of the Horse-shoe, 1899, P. 88.]

[Fußnote 485: E. H. Meyer. Germanische Mythologie, 1891, S. 119, 137.

Dalyell. The Darker Superstitions of Scotland, 1835, P. 140.]

[Fußnote 486: Wuttke. Op. cit., S. 259.]

Die Erklärung dieses Massenglaubens an das Hexenmaleficium ist nicht

einfach, obgleich er eine sehr allgemeine Grundlage haben muß, da etwas

ähnliches in allen Epochen der Menschheit zu finden ist. Im allgemeinen

besteht die engste Beziehung zwischen Zauberei und Sexualität, wie

Bloch, Hansen und andere nachgewiesen haben[490], so daß der Verdacht

wohlberechtigt ist, daß die Quelle des Hexenmaleficium, das sich in

starkem Ausmaße auf die Frage der Impotenz bezog, gleichfalls sexueller

Natur sein müsse. Hansen[491] hat folgende Erklärung beigebracht, die

wenigstens auf den Fall, daß geradezu Impotenz herbeigeführt wird,

anwendbar ist: Er führt ihren Ursprung in den Orient zurück und sagt,

»sie dürfte in der Vielweiberei, und zwar gleichmäßig in der natürlichen

Eifersucht der Frauen eines Mannes und der psychischen Entnervung dieses

Mannes ihren Ursprung haben. Diese Art von Maleficium hat einen

ausgesprochen weiblichen Charakter; sie hat viel dazu beigetragen,

ältere, auf die Liebeserfolge der jüngeren eifersüchtige Frauen in den

Verdacht der Hexerei zu bringen.« Zwei Erwägungen bestätigen diese

Meinung Hansens. 1. Die Tatsache, daß im Mittelalter der Verlust an

Männern in den zahlreichen Kriegen so groß war, daß die sozialen

Bedingungen denen des Orients angenähert waren; in Deutschland war aus

diesem Grunde die Polygamie durch Sondergesetze, die zu diesem Ende

erlassen wurden, wirklich erlaubt worden. Auf die Bedeutung der

Kreuzzüge in dieser Richtung hat Buckle hingewiesen.[492] 2. Die neuere

psychiatrische Erkenntnis der engen Verbindung zwischen Impotenzgedanken

und Eifersucht. Hansens Auffassung läßt jedoch den panikartigen

Schrecken der _Männer_, die schließlich doch wissen mußten, daß sie

potent seien, noch immer völlig unerklärt. Die Vorstellung muß an einer

in ihrem Innern bereits vorhandenen Furcht Widerhall gefunden haben. Wir

können annehmen, daß zu einer solchen Zeit die ungenügende Gelegenheit

für die Frauen, hinreichende Befriedigung zu finden, der Frage der

männlichen Potenz eine besonders stark empfundene Bedeutung gab. Auch

ist es bekannt, daß diese Angst bei Männern ebenso häufig als

tiefgewurzelt ist. Die psychoanalytische Untersuchung hat gezeigt, daß

sie ihre Wurzeln in der frühesten Kindheit hat, in der Furcht des

Knaben, daß ihm die Eltern den Penis, wie irgend ein anderes Spielzeug

wegnehmen werden, wenn er schlimm ist, d. h., wenn er für ihn zu viel

Interesse zeigt oder mit ihm spielt. Es ist im Wesen eine Furcht vor dem

Vater. Ich möchte den Ausbruch, der diese Angst in Verbindung mit den

Hexen bringt, als Verschiebungs-Mechanismus ansprechen. Man darf nicht

vergessen, daß der Teufel die wesentliche Quelle und das gebietende

Oberhaupt der Hexenkunst war; diesen haben wir aber bereits als

Personifikation des feindlichen Vaters kennen gelernt. Ferner wurde bis

zum dreizehnten Jahrhundert das Maleficium meist durch _Männer_,

Zauberer ausgeübt; erst nach diesem Zeitpunkte übertrug die Kirche im

Dienste ihrer eigenen Zwecke die ursprünglichen Attribute der älteren

(männlichen) Zauberer auf die neue Gattung der Hexen. Zweifellos hat

Hansen ebenfalls recht mit seiner Vermutung, daß die weitverbreitete

Eifersucht der alten Weiber, durch die sozialen Einrichtungen

begünstigt, die Furcht unterstützte und zur Lokalisierung bei den alten

Hexen beitrug. Eine ähnliche Angst auf Seite der Frauen, die sich

hauptsächlich, aber nicht ausschließlich auf Schwängerung und Geburt

bezog, war unzweifelhaft ein weiterer Faktor; die Hexe personifizierte

dann die gehaßte Mutter, welche die geheimen Genüsse des Mädchens

störte. Schließlich sei daran erinnert, daß das Menschenherz stets

bereit ist, infolge der eigenen feindlichen oder verbrecherischen

Wünsche Schmerz, Unglück u. s. w. zu ahnen und zu fürchten. Freud[493]

hat darauf hingewiesen, daß der Aberglaube nichts anderes ist, als die

Projektion unbewußter Gedanken.

[Fußnote 487: Wuttke. Op. cit., S. 130.]

[Fußnote 488: Lawrence. Op. cit., P. 87.]

[Fußnote 489: Grimm. Op. cit., Nachtrag, S. 456, 459.]

[Fußnote 490: Bloch. Das Sexualleben unserer Zeit, 2. Aufl. 1907, S.

128. Hansen, Op. cit., S. 25.]

[Fußnote 491: Hansen. Op. cit., S. 12.]

[Fußnote 492: Buckle. History of Civilization in England, 1857, Worlds

Classics Edition, Vol. 1, P. 129.]

Die Ansicht, daß die Hexen (und Zauberer) mit Attributen ausgestattet

waren, die von der Vorstellung des Kindes von seinen Eltern hergenommen

wurden, wird durch die Tatsache gestützt, daß ihre Handlungen nicht

immer feindselig gegen gewöhnliche Menschen waren, sondern oft

freundlich. Durch mannigfache Versöhnungsmittel konnten sie, gradeso wie

Gott und der Teufel, dazu veranlaßt werden, ihre übernatürlichen Kräfte

in den Dienst Hilfsbedürftiger zu stellen. So wurde ihre Fähigkeit,

Dinge, die sich in der Ferne ereigneten, zu sehen und zukünftige

Ereignisse vorherzusagen, oft in Anspruch genommen. Am häufigsten wurde

jedoch ihr Beistand erbeten, um Liebe zu erwecken (Liebes-Philter,

Liebes-Amulette u. s. w.) oder zu vernichten, wenn ein gehaßter Rivale

vorhanden war; die Hexen gingen gelegentlich so weit, den Liebhaber

durch die Luft auf ihrer Ziege zur Geliebten zu tragen.[494] Sie konnten

sogar veranlaßt werden, die angezauberte Impotenz zu heilen; im Hinblick

darauf sagt Seligmann[495]: »eine Hexe heilte die Männer, indem sie mit

ihnen während einer Nacht im Ehebett schlief«.

Wir kommen nun zur zweiten Gruppe, welche den Umgang der Hexe mit dem

Teufel behandelt, und die das Kardinalmerkmal der Hexenepidemie bildet.

Das Teufelsbündnis war die Hauptanklage bei den Hexenprozessen,

vielleicht, weil es nach der Natur der Umstände leichter »bewiesen«

werden konnte als das Maleficium oder die Ketzerei; vielleicht auch,

weil die Richter dieses Thema weit anziehender fanden als die anderen.

Wuttke[496] konstatiert: »Hauptgegenstände der Anklage waren der, meist

auch geschlechtliche, Verkehr mit dem Teufel, die Hexenfahrt durch die

Luft und der dort mit Tanz, Schmaus und oft auch mit Unzucht gefeierte

Hexensabbat, wo dem Teufel gehuldigt und manchmal geopfert wurde; die

Schädigung von Menschen und Vieh erscheint dagegen als Nebensache.«

Soldan[497] nennt ebenfalls den Teufelsbund den »Kern« der

Hexenprozesse. Ennemoser[498] schreibt: »Dem späteren Begriff der Hexen

ist unzüchtige Buhlschaft wesentlich, sie besiegelt das geschlossene

Bündnis und verleiht dem Teufel freie Macht über die Zauberinnen, ohne

diesen Greuel kommt überhaupt keine Hexe vor.« Roskoff[499] sagt: »Das

spezifische Hexenwesen der eigentlichen Periode der Hexenprozesse beruht

nicht mehr bloß auf der Abweichung von Glaubens- und Lehrsätzen der

Kirche, sondern, wie aus der Bulle Innozenz VIII. und dem Hexenhammer

ersichtlich ist, lautet die Anklage vornehmlich auf: »_Bündnis mit dem

Teufel und vertrautesten Umgang_ mit demselben.«

[Fußnote 493: Freud. Zur Psychopathologie den Alltagslebens, 3. Aufl.,

1910, S. 134.]

[Fußnote 494: Burton, The Anatomy of Melancholy, 1826 Edition. Vol. I,

P. 79, und Vol. II, P. 289.]

[Fußnote 495: Seligmann. Op. cit., Band 1, S. 335.]

[Fußnote 496: Wuttke. Op. cit., S. 153.]

Es kann nicht der leiseste Zweifel darüber bestehen, daß der eigentliche

Wesenszug dieses Bündnisses die sexuelle Beziehung war. Die älteren

Autoren, wie Bodin[500], De Lancre,[501] die Verfasser des Malleus[502]

und die anderen sind in diesem Punkte völlig einig. So sagt, um nur

einige der letztgenannten zu zitieren, Hansen[503]: »Jede Hexe steht in

geschlechtlichem Verkehr mit dem Teufel ....... Gerade durch diesen

Verkehr wird das dauernde Verhältnis zwischen Hexe und Teufel

unterhalten.« Bloch[504]: »Der Begriff des Weibes als Hexe drehte sich

fast nur um das Geschlechtliche, das meist als »Teufelsbuhlschaft«

vorgestellt wurde.« Quanter[505]: »Die sexuellen Exzesse mit dem Teufel

waren das einzige, was mit breitem Behagen den Hexen nachgesagt wurde.«

Nyström[506]: »Das spezifische der Hexenprozesse in ihrer eigentlichen

Periode bestand in der Beschuldigung der Teufelsbündelei und des

Geschlechtsverkehrs mit dem Teufel.« Es wurde geradezu geglaubt, daß die

Hexe ihre Zaubermacht erst nach dem Geschlechtsverkehr mit dem Teufel

erhielt.[507]

[Fußnote 497: Soldan. Geschichte der Hexenprozesse. Bearbeitet von

Hoppe, 1880, Band 2, S. 397.]

[Fußnote 498: Ennemoser. Geschichte der Magie. Zweite Auflage, 1844, S.

844.]

[Fußnote 499: Roskoff. Geschichte des Teufels, 1869, Band 2, S. 213.]

[Fußnote 500: Bodin. De le démonomanie des sorciers, 1593, P. 208 u. s.

w.]

[Fußnote 501: De Lancre. Tableau de l'inconstance des mauvais anges et

démons, 1612, Livre III, Disc. V.]

[Fußnote 502: Der Hexenhammer. Op. cit., Erster Teil, S. 108 u. s. w.]

[Fußnote 503: Hansen. Op. cit., S. 481.]

[Fußnote 504: Bloch. Op. cit., S. 129.]

[Fußnote 505: Quanter. »Der Hexenglaube des Mittelalters.« Geschlecht

und Gesellschaft, 1910, Band 5, S. 367.]

Der Glaube an die Buhlschaft mit dem Teufel gründet sich offenbar auf

jenen an die Unbefriedigung und geschlechtliche Bedürftigkeit, die

allgemein und vielleicht mit Recht als Charakteristikum der Frauen

mittleren Alters angesehen wird. Da der Teufel die symbolische

Personifikation des Vaters ist, sind in letzter Linie unbewußte

inzestuöse Wünsche die Quelle des Glaubens. Dieser Umstand gewann, wie

bereits ausgeführt wurde, im Mittelalter eine ganz besondere Bedeutung;

weitere Beweise für diese Auffassung des Problems sollen sogleich

hinzugefügt werden. Geradeso wie manche Frauen, die Mystikerinnen und

Heiligen, ihr Begehren dadurch befriedigten, daß sie es an die

Gottesidee hefteten, so fanden andere auf einem weniger durchgeistigten

Wege ihre Befriedigung an den fast synonymen Vorstellungen des Inkubus,

Dämon oder Teufel. Der Unterschied zwischen den beiden Vorgängen ist,

wie Maury[508] sehr richtig bemerkt hat, weit geringer, als dies auf den

ersten Blick erscheint.

Wenn wir nun die Beziehung zwischen Hexe und Teufel mehr im Detail

betrachten, können wir den Gegenstand am bequemsten in drei Teile

zerlegen, nämlich das Verhalten der Hexen

Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens Schriften zur angewandten Seelenkunde. Vierzehntes Heft · 第 12 / 21 题