Die hier aufgestellte These lautet, daß _der Hexenglauben im
wesentlichen eine Projektion verdrängter sexueller Wünsche des Weibes
darstellt, insbesondere jener, die sich auf das weibliche Gegenstück zum
Ödipus-Komplex beziehen, nämlich die Liebe zum Vater und den Neid und
die Feindseligkeit gegen die Mutter_. Ebenso wie das Kind das Bild des
Vaters in seine wohltätigen und böswilligen Züge auseinanderlegt und
damit den Glauben an Gott und Teufel ermöglicht, so teilt es auch die
Mutter in die beiden Hälften, woraus sich der Glaube an Göttinnen (Mater
Dei) und weibliche Teufel entwickelt. Die Bemerkung Riklins[467], daß
die Erfindung von Riesinnen und Hexen u. s. w. die Stellungnahme des
Mädchens gegen die Mutter als sexuelle Rivalin ausdrückt, fällt mit dem
Kern der gegenwärtigen These zusammen. Ferner werden wir sehen, daß
beide Geschlechter ebenso zur Erfindung der Hexen wie zu jener des
Teufels beigetragen haben.
Vor Behandlung der historischen Seite des Hexenglaubens wird es sich
empfehlen, seine Hauptmerkmale zur Zeit der vollsten Blüte zu erörtern.
Diese lassen sich kurz in zwei Gruppen zusammenfassen, und zwar
diejenigen, welche