3. Ihr Verhältnis zum Alptraum.

Die hier aufgestellte These lautet, daß _der Hexenglauben im

wesentlichen eine Projektion verdrängter sexueller Wünsche des Weibes

darstellt, insbesondere jener, die sich auf das weibliche Gegenstück zum

Ödipus-Komplex beziehen, nämlich die Liebe zum Vater und den Neid und

die Feindseligkeit gegen die Mutter_. Ebenso wie das Kind das Bild des

Vaters in seine wohltätigen und böswilligen Züge auseinanderlegt und

damit den Glauben an Gott und Teufel ermöglicht, so teilt es auch die

Mutter in die beiden Hälften, woraus sich der Glaube an Göttinnen (Mater

Dei) und weibliche Teufel entwickelt. Die Bemerkung Riklins[467], daß

die Erfindung von Riesinnen und Hexen u. s. w. die Stellungnahme des

Mädchens gegen die Mutter als sexuelle Rivalin ausdrückt, fällt mit dem

Kern der gegenwärtigen These zusammen. Ferner werden wir sehen, daß

beide Geschlechter ebenso zur Erfindung der Hexen wie zu jener des

Teufels beigetragen haben.

Vor Behandlung der historischen Seite des Hexenglaubens wird es sich

empfehlen, seine Hauptmerkmale zur Zeit der vollsten Blüte zu erörtern.

Diese lassen sich kurz in zwei Gruppen zusammenfassen, und zwar

diejenigen, welche

Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens Schriften zur angewandten Seelenkunde. Vierzehntes Heft · 第 10 / 21 题