_Opferung der Hirten und Schäfer_ bei Joseph, Maria und neugeborenem
Kind im Stalle.
_Gesang der Engel_: ~Gloria in exelsis deo, et in der Apacemine was
trollenfollendatis.~[13]
_Lied für die ganze Schar._
O Fürstenkind aus Davids Stamm,
du meiner Seelen Bräutigam,
mein Licht, mein Trost, mein Leben.
Schließ ich in mir (?) in mein Herze,
daß ich scherze, und dich küsse,
dich auf ewig lieben müsse.
_Lied der Schäfer._
Das Schäferleben mich ergötzt,
weil es so lustig ist,
denn wo ich nur den Fuß hinsetz
ist alle Müh versüßt.
Das Ohr zu hören wird nicht matt.
Das Aug zu sehen wird nicht satt,
den Schäferstab ich lieb.
Das Grünhainichener Spiel.
Dieses, obwohl auch ein Bruchstück eines älteren, ist bis in die
neueste Zeit gespielt worden. Herr Gewerbelehrer Martin von der
Spielwarenfachschule hat dazu eine anschauliche Zeichnung geliefert,
die in Postkartenform weit verbreitet ist. Als Besonderheit führt das
Spiel den heiligen Petrus mit dem Schlüssel mit. Die Gesänge sind
jedenfalls später eingefügt worden.
_Gesang_: »Stille Nacht, heilige Nacht«
_Knecht Ruprecht._
Euch grüßt Knecht Ruprecht wohlbekannt
den artgen Kindern im ganzen Land
und auch den Schlimmen mit Sack und Stecken
bringt er Freude zugleich auch Schrecken.
Knecht Ruprecht als ein Heidenkind
trat einst zu Christi ingesinnt
geht nun als Weihnachtsmann voran.
Bereit dem Christkind gern die Bahn
und weil es ihm so herzlich freut
so singt: »O du fröhliche Weihnachtszeit«
singt Alle, Baß, Tenor, Sopran
im Himmel stimm' wirs reiner an.
_Gesang_: »O du fröhliche, o du selige«
_1. Hirt._
Aus Davids Haus, dem kahlen Stumpf
tief aus der Armut düstern Sumpf
hast du das arme Paar gesehen
die Davidssprossen nach Bethlehem gehen?
_2. Hirt._
Wie macht deine Rede mein Herz so froh,
noch lebt der alte Davidsstamm
von dem man solange nichts vernahm.
_1. Hirt._
Der Himmel geht auf und Engelscharen
seh ich im Glanz herniederfahren.
_Engel._
Fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht,
siehe ich verkünde euch große Freude,
die allem Volke widerfahren wird
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen,
ihr werdet finden, das Kind in Windeln
gewickelt und in einer Krippe liegend.
_Gesang des Engels._
Ehre sei Gott in der Höhe
und Frieden auf Erden
und den Menschen ein Wohlgefallen.
_König._
Sei mir gegrüßet Himmelsheld,
gegrüßt du Heiland aller Welt.
Denn deine schwarzen Brüder auch im Süden,
nimmst du nun auf in deines Reiches Frieden.
_Gesang_: »Es ist ein Ros entsprungen«
_Der heilge Christ._
Hab draußen den Gesang vernommen
und bin deshalb hierher gekommen,
denn wo man ehrt den heilgen Christ,
er jederzeit erschienen ist.
_Petrus._
Auch ich bin nur hier eingekehrt
weil ich ein christlich Lied gehört.
Darf ich nun noch ein Sprüchlein hoffen
steht euch der Himmel heut schon offen.
Dem werd' ichs Himmelstor aufschließen,
die im Gebet den Herrn geprießen.
_Gesang_: »Fröhliche Weihnacht überall«
oder »Alle Jahre wieder.«
_Der heilge Christ._
Nun laßt uns gehn zum nächsten Haus,
schon lange harren dort die Kleinen
und lugen längst zum Fenster aus,
ob er nicht recht bald wird erscheinen
der heilge Christ. Bleibt alle fromm
auf daß ihr einmal zu mir kommt.
Das Cranzahler Spiel.
Mosen (Seite 31) schreibt darüber, daß die meisten Mitglieder dieser
Engelschar wegen der Aufführung bestraft worden seien, aber »mit
brennendster Begier die Erlaubnis zur Wiederholung ihres Spiels«
wünschten. Sämtliche Rollen wurden nur von Männern dargestellt, auch
die der Maria. Das Vorspiel gleicht dem Wiesaer, nur die Hirtenszenen
sind ausführlicher.
Die _Hirten_ singen beim Auftreten.
Frohlocket, ihr Himmel, mit englischer Wonne,
weil Jesus geboren, die himmlische Sonne.
Es jauchzen die Völker, es singet die Welt,
weil Jesus heimsuchet das Erdengezelt.
Heut singen die Engel, heut lachet der Himmel,
heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Nach der Anbetung im Stalle sangen sie:
Drauf finden die Hirten und loben mit Schalle
das Jesulein, liegend im finstern Stalle,
sie fallen zu Füßen und beten es an,
als ihnen die Engel dies kundbar getan.
Heut singen die Engel, heut jauchzen die Himmel,
heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Beim Zusammentreffen der drei Könige spricht _Melchior_:
Im Namen Jesu seid gegrüßt!
Ich bring euch gute neue Zeit,
die euch der Herr mit Freuden geit.
Euch ist geboren der edle Held,
der erlösen wird die ganze Welt.
Drum laßt uns eilend und behend
hinziehen nach demselben End,
an welchem Ort zu dieser Frist
der neue König geboren ist.
Denselben wollen wir beten an,
und ihm auch unsere Huldigung tan,
wir wollen ihn verehren mit unserm Geschenk,
dabei er unser stets gedenk.
Sie kommen zu _Herodes_ und sprechen:
Glück zu, mein lieber König Herodes!
Sie sagen ihm, daß ein Kindlein geboren sei,
welches ein großmächtiger König und Herr soll sein,
seine Gewalt über Himmel und Erden.
Da gerät er in heftigen Zorn:
Potz Quintus Florus, was hör ich nun!
Was soll ich in meinen Sachen tun?
Soll sein ein neuer König geboren,
so wäre mein ganzes Reich verloren.
O Jammer über Jammer groß!
Wie stehet meine Sache bloß!
Soll sein ein neuer König zur Hand,
so treibt er mich aus meinem Land.
Die Anbetung der Könige findet sich in der Zusammenstellung am Ende
dieses Bandes.
Nachdem der Engel die Weisen gewarnt hat, zu Herodes zurückzukehren,
spricht _Kasper_:
Dieweil wir nun im Traum von dem Engel haben gehört,
daß wir sollen ziehen einen andern Weg,
so laßt uns aufmachen zur Hand
und ziehen durch ein ander Land.
Dann fordert der Engel Joseph zur Flucht auf und dieser spricht zu
Maria:
Nun Maria, laß dir sagen,
wir sollen das Kind nach Aegypten tragen.
_Maria._
Es soll an mir kein Mangel sein,
komm immer, mein liebes Jesulein,
wir wollen schnell und behend
reisen nach unserm Elend.
_Joseph._
Packt zusammen!
Der Chor singt nun den Liedvers: »Wo werd ich Dich nun finden? zu
Bethlehem nicht mehr usf.« Die Herodesszene beginnt mit den Worten:
_Herodes._
Mein lieber Diener, hast du nichts vernommen,
ob diese Personen sind wiedergekommen?
Als er das Gegenteil erfährt, wird er wütend:
Ei, da schlag Blei und Pulver drein,
sollten sie gewiß vorüber sein?
Er beschließt den Kindermord:
Und sollten alle Kinder sterben,
so muß der König auch verderben;
das Kinderblut ist meine Lust,
dieweils mich Kron und Szepter kost't.
Drum, auf, ihr Diener, eilt geschwind,
und helft mir suchen das jüdische Kind.
Wenn einer solches ausrichten kann,
der soll haben mein halb Königreich zum Lohn.
_Diener._
Mit meiner Macht und starker Hand,
will ich gehn durchs ganze jüdische Land
und töten alsobald alle Knaben
von zwei Jahren alt zu Ehren mein,
haun und stechen mit meiner Kling und Spitzen;
Den großen Hauf und das Fräulein
wird sie mit Knabenblut bespritzen.
Zu Ehren des Herren mein
will ich meine Macht beweisen,
mit Rach und unbarmherziger Hand,
die euch durchdringet Stahl und Eisen,
zu schützen meines Herren Kron,
davon ich soll haben sein halb Königreich zum Lohn.
Dann spricht er dreimal den _Satz_:
Ich suche Blut und übe Rach' an jungen Knaben aus.
Der _Chor_ singt.
Auf sperren sie den Rachen weit
und wollen uns verschlingen.
Lob und Dank sei Gott alle Zeit,
es wird ihn'n nicht gelingen.
Er wird ihren Strick zerreißen gar
und stürzen ihre falsche Lahr,
sie werdens Gott nicht wehren.
Nun tritt der _Diener_ wieder ein und spricht:
Ich hab gekämpft und wollt obsiegen gar,
nun aber muß ich schamrot werden ganz und gar;
ich suchte wohl, fand aber nichts,
nach dem sich tät mein Mut erreichen.
Mit Rach und Tyrannei ist nichts getan,
Das muß ich jetzt bezeugen.
Ich hätte gern vollführt, was mir vom König ward bestellt,
nun aber ist mir erst der ganze Sinn und Mut gefällt;
Drum leg ich nieder Wehr und Waffen
und hab mit der Gerechten Blut nichts mehr zu schaffen.
Die nächste Szene haben wir uns in Ägypten zu denken. Der Engel
verkündet dem Joseph, daß die Feinde gestorben sein. Da spricht
_Joseph_:
Höre, Maria, wir sollen schnell und behend,
reisen wieder nach Bethlehem,
Gott wird uns erhalten bis an unser End.
Nun singt die ganze Engelschar eine »Arie«, die so beginnt:
Was wird mir mein herzliebes Jesulein geben?
Himmlisches Leben!
Der Sternenengel beschließt das Spiel mit den Worten:
Nun, lieben Freunde insgemein,
nun haben Sie vernommen fein
und ohne Zweifel frei genommen,
wie es mit dem Kindlein sei gekommen,
daß es mußt gleich nach seiner Geburt
fortziehen an einen fremden Ort,
und wie Herodes falsche List
hernach zu nichte worden ist,
und wie die Weisen aus Morgenland
ihm groß Geschenk verehret haben.
Der Fried des Herrn sei mit euch,
einen guten Abend haben Sie allzugleich,
dazu ein fröhlich neues Jahr;
Gott helf, daß es uns allen widerfahr,
Gott helf, daß er nach dieser Zeit
uns bringe zu der Ewigkeit.
Der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür« beschließt auch das
Cranzahler Spiel.