Das Ernstthaler Spiel.[11]

Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein wurde das Stück

regelmäßig in Ernstthal und jedenfalls auch in Gersdorf aufgeführt.

Bühnendekoration war unnötig. Mosen fand leider nur noch Bruchstücke

vor. Seine Uebereinstimmung mit dem Reichenbacher Spiel (R. in

Schlesien) wurde schon erwähnt. Mosen teilt nur den Anfang mit.

Die Spieler singen in der Hausflur den Vers:

Hosianna, Davids Sohn, kommt in Zion eingezogen.

Dann geht der Schriftgelehrte ins Zimmer und spricht:

»Geliebte in dem Herrn!

Wir treten hier ein ohn allen Spott.

Einen schönen guten Abend, den geb Euch Gott

einen schönen guten Abend, eine fröhliche Zeit,

die Sie und Ihre Kinder erfreut.

Geliebte in dem Herrn! Wir sind heut hier versammelt, den

großen Gedächtnistag unseres Erlösers mit unseren Mitchristen

feierlich zu begehen und denselben, wie sichs bei Christis

Geburt hat zugetragen, deutlich ans Herz zu legen und vor

Augen zu stellen. Denn es ist ein Tag, den der Herr gemacht,

sei Lob in alle Welt gebracht. Das laßt uns freuen und fröhlich

sein und Gott die Ehre geben. Ja

Wie groß ist dieser Freudentag,

daran man sich versammeln mag,

zu loben unsern Gott allein,

der jetzt sein Volk läßt fröhlich sein.

Uns Menschen aber sei bewußt

die wundersüße Weihnachtslust.

Wir fangen an mit frischem Mut,

Euer Jesulein, das höchste Gut!

Dann singen alle Beteiligten den Vers: »Wachet auf, ruft uns die

Stimme!« Nun treten die Schäfer auf. Das Stück trug schon zu Mosens

Zeiten alle Zeichen des Verfalls, zusammengeflickt und verwirrt muß es

gewesen sein, sodaß Mosen auf eine vollständige Wiedergabe verzichtet.

Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes · 第 14 / 75 题