Von _Carl Pfeiffer_, Hoflößnitz

Wird auf den rein technischen Teil des neuen Weinbaues kurz

hingewiesen, so soll in kurzen Zügen von der _Weinberganlage_ selbst,

dann, soweit sie die Allgemeinheit interessieren kann, von der

_Aufzucht_ der neuartigen, d. h. auf amerikanischen Reben veredelten

Reben und von der _Vermittelung_ der _technischen Kenntnisse_ für den

neuen Weinbau die Rede sein.

Hat man früher durchweg, ohne den ganzen Boden des Berges tief zu

bearbeiten, nur dort eine Grube von etwa fünfzig Zentimeter Breite,

achtzig Zentimeter Länge und vielleicht sechzig Zentimeter Tiefe

dargestellt und diese dann durch eine Rebenrute eines nebenstehenden

Weinstockes neu zu beleben gesucht – das sogenannte Senken oder

Vergruben – indem man der in die Grube hineingebogenen Rebe reichlich

Stallmist bot, um Wurzelbildung und Entwicklung zu fördern, wobei

nicht selten der Fehler begangen worden ist, daß man die üppigsten,

in dem wenig gepflegten Boden am wenigsten fruchtbaren Stöcke zur

Weitervermehrung heranzog, ist man heute einen anderen Weg gegangen,

der durch laufende Beobachtung verbessert wird.

Zunächst wählt man für Neuanpflanzungen einen von alten Rebenteilen

völlig befreiten Berg, deren es bei dem Aufbau nach der

Reblauskatastrophe reichlich gibt, rigolt diesen Weinberg, d. h. man

gräbt den Boden auf ein Meter Tiefe unter sorgfältigem Mischen durch

und, wo Felsen sind, bedient man sich des bewährten Sprengstoffes

der Dresdner Dynamitfabrik Rouchteriz, dessen Anwendung auf ganzen

Flächen statt des Spatenrigolens in neuester Zeit sehr gute Dienste

geleistet hat. Solche Sprengkultur wurde weinbaulich erstmalig in dem

Musterweingut der Weinbauversuchs- und Lehranstalt Schloß Hoflößnitz

mit dem besten Erfolge durchgeführt, so daß auch der Rat zu Meißen,

Weingut Rote Presse, Sörnewitz, und neuerlich der Rat zu Dresden dieses

wichtigen Kulturmittels bei Neuanlage von Weinbergen sich bedienen.

In derartig tiefgelockertem Boden, dem man bei Sprengung alle steinigen

Massen beläßt und bei dem man, wenn Spatenarbeit Durchführung findet,

alle durch Bruch zerkleinerten Steine nicht wie früher zu Steinhalden

abträgt, sondern sie als Feuchtigkeitserhalter, bei der Verwitterung

als Bodenbildner an der Oberfläche des bearbeiteten Landes gern sieht,

weil sie nicht unwesentlich dazu beitragen, den Charakter des Bodens

und damit auch des auf ihm wachsenden Weines zu bestimmen, findet nun

die Anpflanzung der jungen Reben nicht wie früher in unregelmäßigem

Stande, sondern in Zeilen, deren Entfernung bei mittlerer späterer

Düngung einen Meter betragen muß, wie auch der Stand in den Zeilen

einen Meter beträgt und wie andererseits bei beabsichtigter

gesteigerter Nährstoffgabe mit der Absicht außergewöhnliche Erträge

zu erzielen, wiederum der Stand der Rebe in Zeile und auch der Zeilen

entsprechend größer sein muß, was dann oft genug zu einer anderen

Erziehungsform des Stockes führt. Während Rigolarbeit und Düngung im

Herbst und Winter ausgeführt wurden, gelangt der junge Rebensetzling

erst im Frühjahr und zwar den Monaten April, Mai bis spätestens Mitte

Juni in den Boden, und zwar so tief, daß nur die obere, nach dem

Pflanzrückschnitt belassenen zwei Augen (Knospen) herausschauen, die

man aber nach dem sorgsamen Auspflanzen zum Schutze gegen zu starkes

Austrocknen noch leicht mit Erde bedeckt, bis das Leben der Knospen

geweckt ist und damit Wurzelbildung beginnt. Dann entfernt man den

schützenden Boden und das freudig hervorlugende, blasse Triebchen

grünt und reckt sich nach Eintritt lebhaften Innenlebens. Nur ein

Triebchen aber wird dem Weinjüngling belassen, damit die Kraft der

Wurzel ausreiche, ihm die für ihn wichtigsten Organe, die Blätter gut

zu versorgen, ihre Flächen groß werden zu lassen, um so unter Hilfe

des Lichtes reichliche Baustoffe zur Erzeugung breiter Blattmassen

und – darauf kommt es recht sehr an – eines weit und tieffassenden

Wurzelkörpers zu ermöglichen. Dann kommt der Herbst und der vorsichtige

Winzer nimmt dem neckisch emporstrebenden Jungtriebe den unreifen Kopf,

um den für weiteren Aufbau bestimmten Rebenkörper für den Winterfrost

widerstandsfähig reifen zu lassen.

Während der Wachstumszeit ist sorgsam Unkraut entfernt, und der Boden,

um das Wurzelleben zu fördern, mit Hacke gelüftet worden. Kurz vor

Eintritt der Kälte ist der Körper für den Winter abgehärtet. Zur

Vorsicht aber wird der Weinjüngling am Fuße mit Boden angehäufelt, um

auf alle Fälle gut durch den Winter zu kommen, so lange er so zartes

Körpergewebe hat, wie es das erste Jahr bringt. Dann folgt im zweiten

Jahre zeitig ein Aufdecken und Zurückschneiden der jungen Reben bis

herunter auf zwei Knospen, um wieder nahe am Boden kräftiges Laub

zum Wurzelaufbau zu bilden, nur zwei Triebe macht jetzt der Stock,

aber kraftvoll, so daß sie bei gleicher Behandlung den Sommer über im

nächsten dritten Frühjahre bereits ihrer Bestimmung nach zwei Aufgaben

erfüllen. Der obere der Zweige darf bereits versuchen, fruchtbar zu

werden, er wird auf drei Knospen gekürzt, bildet also drei Triebe, von

denen man meist schon Träubchen ernten kann, während die dem Boden

nahestehenden auf zwei Knospen gekürzt werden und kraftvolle Triebe

bilden sollen, die im vierten Jahre ebenfalls fruchtbar werden. Dann

ist der Ertragsstock fertig, jedes Jahr mit einer etwa sechs bis sieben

Knospen langen Tragrute nach der einen und ebenso nach der anderen

Seite horizontal gebogen. Darunter je einen sogenannten Zapfen zur

Bildung der Ersatzruten, von denen immer wieder die obere zu einer

Tragrute, die untere zu einem Zapfen geschnitten wird. Die alten,

mit aufrechtstrebenden Ruten versehene Ruten, die im Vorjahr Trauben

brachten, werden entfernt. Das ist der neuste Rebenschnitt für den

neuen Weinbau, der neben der Zuchtwahl zu den besten Erträgen führt. Im

Sommer werden die aus dem Zapfen kommenden Triebe als – Zuchtruten –

an den Pfahl gebunden, die auf dem Bogen der Tragruten austreibenden,

die mit Träubchen versehen sind, drei bis vier Blätter über den Trauben

gekürzt.

Der Sommer bringt, sich fortlaufend wiederholend die öftere Hackarbeit

des Bodens, den Kampf gegen den falschen Mehltau – ~Peronospora

viticola~ – und das Bestäuben mit Schwefel gegen den echten Mehltau

– ~Oidium Tuckeri~. – Gehoben wird letzten Endes der Erfolg im

Ertrage durch einen gut gewählten Düngeturnus, der im Umlauf von

drei Jahren im Herbste Stallmist, in den zwei Folgejahren eine

mineralische Volldüngung, aus Phosphorsäure, Kali und Stickstoff zur

Grundlage hat. Die Mengen dieser Düngerstoffe werden nach Absicht

der geforderten Erträge höher oder tiefer gestuft. Dabei spielt

grundlegend eine sogenannte ortsübliche Düngung eine Rolle als

Richtschnur, dann werden Steigerungen, nach wirtschaftlicher Kraft des

Besitzers und, wie schon gesagt, nach dem Wollen die denkbar möglichen

Höchsterträge abzufordern, getroffen. Dabei soll aber die Grenze der

Wirtschaftlichkeit nicht überschritten werden. Alle diese Wege sind

neu, müssen aber befolgt werden, wenn unserem sächsischen Weinbau Leben

gegeben und erhalten werden soll, da letzten Endes jede Kulturmaßnahme

neben dem beruflich ideellen, auch den der Wirtschaftlichkeit in sich

tragen muß und das tut sie hier, wenn man unsere Gedanken verfolgt.

Die Aufzucht der für Weinberganlagen benötigten Reben geschieht in

der Hauptsache durch Heranzucht von amerikanischen Reben, deren Ruten

als Unterlagen zur Aufpfropfung unserer Edelreben, die wiederum durch

sorgsamste Selektion hochgezüchtet worden sind, so daß bei sorgsamer

Zuchtwahl nur äußerst fruchtbare Pflanzen in den Weinberg gelangen.

Dadurch werden mit den vorher geschilderten Maßnahmen die Erfolge und

Erträge ungeheuer gefördert. Auch im Weinbau läßt sich erfolgreich

nicht mehr wirtschaften, wenn die grundlegende Hochzucht außer acht

gelassen würde.

Diese so gepfropften Reben werden dann im Gewächshause bei etwa

vierundzwanzig bis achtundzwanzig Grad Reaumur zur Verwachsung

gebracht, nach genügender Abhärtung, etwa nach einundzwanzig Tagen,

ins Freie, die Rebschule in siebzig Zentimeter entfernte Zeilen, eng

aneinander aufgeschult, zunächst durch Erddecken gegen Sonnenbrand

geschützt, später – nach etwa acht Tagen – vom schützenden Boden

befreit, öfter gehackt und öfter gegen Auftreten von Pilzkrankheiten

gespritzt – mit Kupferkalkbrühe – und gegen Mehltau geschwefelt. Nach

zweijährigen Stauden sind es kräftige Pflanzreben, die dann durch die

sogenannte Drehprobe auf ihre Verwachsung geprüft, und wenn sie diese

bestehen, dann dem Winzer zur Anpflanzung gereicht werden.

Wie werden nun die neuesten technischen Kenntnisse und Erfahrungen

dem Winzer vermittelt? Soweit nicht allein die Vereinsarbeit

Führung zu geben vermag, wie es der Weinbauverein Meißen und die

Weinbaugesellschaft Oberlößnitz tun, steht der Weinbaulehrer des

Landeskulturrates zur örtlichen, und zwar der befruchtendsten

Führung zur Verfügung. Ganz wesentlich aber fördert die Vermittlung

des Beispiels durch den Unterricht in den Lehrgängen der vom

Landeskulturrate geförderten Weinbauversuchs-Lehranstalt und

Hauptrebenzüchtungsstation zu Schloß Hoflößnitz, Oberlößnitz, an

der im zeitigen Frühjahr ein Lehrgang über Anlage und pflegliche

Behandlung der Weinberge, den Rebenschnitt mit praktischer

Vorführung, im Juni über Grünbehandlung und Krankheitenbekämpfung,

Juli Beerenweinbereitung, Herbst Lese, Kelterung der Trauben,

Kellerbehandlung der Weine, Fehler und Krankheiten der Weine, deren

Heilung und Verhütung stattfindet. Diese Lehrgänge haben bei einem

Besuch von vierzig, sechzig bis achtzig Teilnehmern sehr segensreich

eingeschlagen. Sie werden auch von Teilnehmern über das sächsische

Weinbaugebiet hinaus regelmäßig gern besucht und vom Weinbaulehrer des

Landeskulturrates, Landwirtschaftsrat Pfeiffer, geleitet. Dieser hier

dargestellte neue Weg ist der Weg des Erfolges für den sächsischen

Weinbau.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 5-6 · 第 88 / 100 题