Welch ungeheuere Verseuchung einzelne Berge aufwiesen mag das Beispiel
des von mir untersuchten Weinberges des Kammerherrn Exzellenz von
Minckwitz zeigen. Dieser Berg zählte allein über dreitausend infizierte
Stöcke. Hierbei fanden sich nicht bloß die Nodositäten an den jungen
Wurzeln; auch das alte Wurzelholz zeigte knotige Anschwellungen,
sogenannte Tuberositäten (Abb. 2~g~), welche oft honiggelb überzogen
waren, da Laus an Laus, Eigelege an Eigelege saß.
Auf die »Topfstricker« folgte die Schätzungskommission. Diese hatte die
durch gekalkte Rebpfähle kenntlich gemachten _verseuchten_ Stöcke, und
gesondert, die in den Herd einbezogenen gesunden Reben auszuzählen,
sowie den Wert der daran befindlichen Trauben abzuschätzen. Die
durch die Vernichtung entgangene Traubenernte und die in dem Herde
befindlichen »gesunden« Rebstöcke wurden vom Staate den jeweiligen
Besitzern oder Pächtern nach besonderen »Bonitätsklassen« vergütet.
Nunmehr trat die Vernichtungskolonne in Tätigkeit.
Wagen fuhren die zur Bodendesinfektion und zum Verbrennen der
Rebpflanzen und Rebpfähle nötigen Petroleummengen in Fässern heran,
später auch die Schwefelkohlenstoff-Behälter, und es entstand
ein oft recht bedeutendes Stofflager in der Nähe des betroffenen
Weinbergsgeländes.
Es wurden alsdann im Herde die Rebpfähle gezogen, die Rebstöcke und
etwa vorhandenen Bäume herausgehackt, die Zwischenkulturen, meist
Erdbeeren, aber auch Gemüse herausgerissen. Alles wurde zu einem
Scheiterhaufen geschichtet, der, mit Petroleum besprengt, schließlich
entzündet wurde, so daß allenthalben von den Bergen die Rauchsäulen
emporstiegen, als Zeichen, daß dort eine hundertjährige Weinkultur mit
all ihrem Mühen und Hoffen zu Grabe geleitet wurde (Abb. 6).
[Illustration: