Abb. 5 =Untersuchung der Weinberge auf Reblaus=]

Dabei wurde reihenweise vorgerückt und möglichst jeder dritte Stock

angeschlagen. Fand sich der Schädling an den hakenförmigen Krümmungen

der Wurzeln, den Nodositäten, vor, was leider nur zu oft eintrat – so

wurde das von uns durch ein kräftig gerufenes »Laus« verkündet, und

ein Arbeiter kalkte den Rebpfahl des befallenen Stockes oben ausgiebig

an. Im Umkreis eines infizierten Stockes wurde alsdann _jeder Stock_

untersucht, und bald zeigte eine ganze Anzahl weißer Pfahlspitzen den

aufgefundenen Reblausherd an. In diesen Herd wurden noch die scheinbar

gesunden Reben im Zwanzigmeter-Umkreis einbezirkt, und das Ganze wurde

von einer besonderen Kolonne, die mit pfahl- und drahtbeladenem Wagen

ankam, eingedrahtet und mit einer Verbotstafel versehen, welche das

Betreten des Herdes, auch den Besitzern, versagte. Die Eindrahter

wurden geschmackvoll als »Topfstricker-Kolonne« bezeichnet.

Jeder, welcher den Herd, mochte es dienstlich oder anders begründet

sein, betrat, selbst die Herren Ministerialdirektoren waren nicht

ausgeschlossen, mußte mit seiner Fußbekleidung in ein Becken mit

Petroleum treten – dies wiederholte sich auch beim Verlassen des

Herdes. Auf diese Weise sollte die Verschleppung der Reblaus gehindert

werden – auch ein sorgfältiges Abbürsten der Oberkleider mußte man

darum über sich ergehen lassen. Aus gleichem Grunde wurde auf den

Herden sogar eine Nachtwache bezogen, die leider von der Bevölkerung

in der ersten Erbitterung tätlich angegriffen wurde. Auch wir

Hilfssachverständigen wurden auf dem Heimwege von unserer anstrengenden

Tätigkeit (acht Stunden stehen auf geneigtem Gelände!) des öfteren mit

Steinwürfen bedacht.

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 5-6 · 第 68 / 100 题