Dabei wurde reihenweise vorgerückt und möglichst jeder dritte Stock
angeschlagen. Fand sich der Schädling an den hakenförmigen Krümmungen
der Wurzeln, den Nodositäten, vor, was leider nur zu oft eintrat – so
wurde das von uns durch ein kräftig gerufenes »Laus« verkündet, und
ein Arbeiter kalkte den Rebpfahl des befallenen Stockes oben ausgiebig
an. Im Umkreis eines infizierten Stockes wurde alsdann _jeder Stock_
untersucht, und bald zeigte eine ganze Anzahl weißer Pfahlspitzen den
aufgefundenen Reblausherd an. In diesen Herd wurden noch die scheinbar
gesunden Reben im Zwanzigmeter-Umkreis einbezirkt, und das Ganze wurde
von einer besonderen Kolonne, die mit pfahl- und drahtbeladenem Wagen
ankam, eingedrahtet und mit einer Verbotstafel versehen, welche das
Betreten des Herdes, auch den Besitzern, versagte. Die Eindrahter
wurden geschmackvoll als »Topfstricker-Kolonne« bezeichnet.
Jeder, welcher den Herd, mochte es dienstlich oder anders begründet
sein, betrat, selbst die Herren Ministerialdirektoren waren nicht
ausgeschlossen, mußte mit seiner Fußbekleidung in ein Becken mit
Petroleum treten – dies wiederholte sich auch beim Verlassen des
Herdes. Auf diese Weise sollte die Verschleppung der Reblaus gehindert
werden – auch ein sorgfältiges Abbürsten der Oberkleider mußte man
darum über sich ergehen lassen. Aus gleichem Grunde wurde auf den
Herden sogar eine Nachtwache bezogen, die leider von der Bevölkerung
in der ersten Erbitterung tätlich angegriffen wurde. Auch wir
Hilfssachverständigen wurden auf dem Heimwege von unserer anstrengenden
Tätigkeit (acht Stunden stehen auf geneigtem Gelände!) des öfteren mit
Steinwürfen bedacht.
[Illustration: