Müde vom vielen Schauen gönnen wir uns eine kurze Rast unter den
alten Kastanien der geräumigen Aussichtsterrasse, die zwischen dem
Hoflößnitzer Herrenhause und dem gemütlichen Weinschanke liegt, der
sich in einem der alten Hofgebäude eingenistet hat. Zu einem Fläschchen
Wein oder wenigstens Schoppen wäre schon der Durst vorhanden. Ob aber
auch die nötigen Billionen, ohne die heutzutage niemand an so etwas
denken darf? Mag die durstige Kehle dursten! Dafür trinkt das durstige
Auge die Schönheit, die der Blick auf die liebliche Lößnitz zu unsern
Füßen bietet, in vollen Zügen. Ein andrer Blick wieder, als vom
Jakobstein über Wackerbarths Ruhe, die aus der Ferne noch einmal zu uns
freundlich herübergrüßt, aber auch bezaubernd schön in seiner Art. Der
um die Vervollkommnung des Lößnitzer Weinbaus hochverdiente Johann Paul
Knoll, der »erste Winzer der Lößnitz«, dessen Bild in der Schankstube
nebenan von der Wand herablächelt, durfte schon mit Recht singen:
»Hier steht das Helden-Hauß, das um und um mit Reben
Sehr lieblich ist umschrenckt. Die überschöne Flur,
Die selbsten angelegt die gütige Natur,
Kann keinem Lande nicht im wenigsten nachgeben.
Churfürst Johann Georg der Erste ließ es heben;
Der andre Churfürst drauff, des Reiches Cynosur,
Macht es zur Hofe-Stadt, damit auch hier die Spur
Zu sehen möchte seyn, wie Er vergnügt kann leben.
Ein Landes-Vater muß nicht stets in Sorgen stehn;
Drum hat er es zur Lust gantz fürstlich ausgezieret;
Die schönste Schilderey hat Er da auffgeführet,
Daß mit den Frembden es mög in die Wette gehn.
Viel schöner noch als schön ist es vor Menschen Sinnen,
Ist aber hier sein Wirth, so ist nichts Schöners drinnen.«