Lange war das Grundstück bös verwildert. Auch hatten ihm ungeschickte
Umbauten schwer geschadet und seinen Charakter verwischt.
Glücklicherweise setzte sein jetziger Besitzer seinen Ehrgeiz hinein,
dem Ganzen einigermaßen wieder sein ursprüngliches Aussehen zu geben
(s. Abbildung 5 und 6) und die Innenräume vornehm auszugestalten
(s. Abbildung 7 und 8). Denken wir uns den auf vier Säulen ruhenden
Balkonvorbau über dem Haupteingange, die beiden kleinen Eckanbauten
und die Mansarde mit dreieckigem Giebel weg, so haben wir das Haus
ungefähr so wieder vor uns, wie es der Generalfeldmarschall Reichsgraf
_August Christoph von Wackerbarth_ 1727 bis 1729 schuf. Dieser
hervorragende Mann, der August dem Starken über dreißig Jahre lang
als Hofmann, Verwaltungsbeamter, Staatsmann und Soldat ausgezeichnete
Dienste leistete, war auch Baumeister von Beruf. Seit 1748 betraute
ihn deshalb auch sein königlicher Herr und Gönner mit dem wichtigen
Amt eines Generalintendanten der Zivil- und Militärgebäude. Dadurch
aber gewinnt die Vermutung an Wahrscheinlichkeit, daß er selbst die
Pläne zu seinem Alterssitze entwarf, in Gemeinschaft mit seinem
Lieblingsarchitekten Johann Christoph _Knöfel_ (1686 bis 1752, seit
1730 Oberlandbaumeister), dem er auch die Ausführung anvertraut haben
mag. Beide zusammen schufen etwas Ganzes, in seiner Art Einzigartiges.
Was der alte Wackerbarth damit bezweckte, hat er selbst in der
Inschrift zusammengefaßt, die er 1729 an der Aufmauerung unter dem
Belvedere anbringen ließ:
»Der Weinberg, den Du siehst, heißt Wackerbarthens Ruh.
Kein Fluch drückt diesen Ort, tritt leiser nur herzu.
Hier wiedmet er sich selbst, den Rest von seinen Jahren,
Entbürdet von den Hof-, Welt-, Staats- und Kriegs-Gefahren.
Hier ist es, wo von Neid und Anlauff er befreyt,
Zwar seinen Tod nicht sucht, jedoch ihn auch nicht scheut.«
[Illustration: Abb. 2 =Wackerbarths Ruhe= Blick auf das Herrenhaus vom
Jakobstein