Von Oberstaatsarchivar Dr. _Hans Beschorner_

Manch guter Dresdner, der in seinem Leben oft nach der Lößnitz

hinausgekommen ist und auf diesem schönen Fleckchen Erde Bescheid

zu wissen glaubt, kennt zwar den Russen, die Meierei, das Bilzsche

Lustbad, den Pfeifer, die Friedensburg und die Sektkellerei, aber

die _Hoflößnitz_ und _Wackerbarths Ruhe_ sind ihm fremd; allenfalls

weiß er von ihnen durch Hörensagen, mehr nicht. Und doch sind

beide nicht nur landschaftlich und künstlerisch von großem Reize,

sondern auch Marksteine der kulturgeschichtlichen Entwicklung des

ganzen Lößnitzgebietes. Erstere liegt in seiner Mitte unterhalb

des weithin sichtbaren _Spitzhauses_, das leider bei dem Umbau im

Anfang unseres Jahrhunderts seine bezeichnende Gestalt eingebüßt hat,

auf einem Bergabsatze rechter Hand am Eingange zum Lößnitzgrunde,

letztere zwischen Kötzschenbroda und Zitzschewig, also ganz im

Westen der Lößnitz, überragt von dem sogenannten _Jakobstein_, 1743

von dem Hofböttchermeister Jakob Krause auf dem Weinberge »der

Fliegenwedel« erbaut und 1799 mit Wackerbarths Ruhe vereinigt.

Das auf einem Felsenvorsprung äußerst geschickt in die Landschaft

hineingestellte und auch in seinen Formen fein empfundene Tempelchen

(s. Abbildung 1) kann sich mit den anderen berühmten Aussichtspunkten

der Nachbarschaft getrost messen, dem _Hohen Hause_ (durch Gerhart

Hauptmanns »Jungfern vom Bischofsberg« besonders bekannt), der

_Wettinshöhe_, der _Mätressen-_ oder _Friedsteinburg_ (die ersten Namen

noch weniger verdient, als letzteren, da das luftige Häuschen in den

Teuerungsjahren 1771/72 von dem biederen Kaufmann Ehrich als »Denkmal

der Wohltätigkeit« erbaut wurde), der _Friedensburg_ oberhalb der alten

»Lezenitzberge«, die ihren Namen allmählich der ganzen Gegend liehen,

der _Sängerhöhe_, der _Sennhütte_, dem _Paradies_, dem _Pfeifer_, dem

_Spitzhaus_ und der _Wilhelmshöhe_. Wohl von keinem hat man einen

umfassenderen Blick auf die Elbniederung und die Hänge des Erzgebirges

von der Sächsischen Schweiz bis nach Meißen und darüber hinaus.

Großartig! Entzückend aber der Blick auf die Lößnitzortschaften, die,

nach Osten hin von dem türmereichen Dresden begrenzt, eine einzige

Gartenstadt bilden. Eine Perle darin Wackerbarths Ruhe, das sich von

dem Jakobsturm aus dem Beschauer so darbietet, wie die Abbildung

2 zeigt. Nach der Dresden–Meißner Straße zu dehnen sich herrliche

Parkanlagen: in der Mitte große, ruhige Rasenflächen, rechts und

links davon schattige alte Baumbestände und zwei prächtige Alleen (s.

Abbildungen 9 und 10). Hinter dem Herrenhause aber steigt, in mehrere

Terrassen gegliedert, ein mit zugespitzten Buchsbäumen, Rosenhecken

und Putten geschmückter Garten in französischem Geschmack empor.

Er wird von zwei je vierzig Meter langen und zehn Meter breiten

Wirtschaftsgebäuden eingefaßt. Das rechte enthält die Weinpresse und

den schönen, tiefen Keller. Das linke diente einst als Küchengebäude.

Dahinter, nach Zitzschewig zu, liegt, lauschig in Obstanlagen gebettet,

das sogenannte Traiteurgebäude, das im vorigen Jahrhunderte lange

Zeit ein beliebter Ausflugspunkt der Dresdner war. Die Krönung der

französischen Gartenanlage bildet das _Belvedere_, wegen seiner Gestalt

im Volk allgemein als »Kapelle« bekannt, in Wahrheit aber als Stätte

ländlichen Genießens und ausruhenden Schauens gedacht (s. die

Abbildung 3). Der heitere Bau, dem nur die allerdings von Anbeginn

vorhandene Blechuhr nicht recht steht, leitet zu den ausgedehnten

Weinbergterrassen über, die heute wieder mit dreißigtausend Stöcken

bestanden sind und manchen edlen Tropfen liefern (s. Abbildung 4).

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 5-6 · 第 40 / 100 题