Im Zuge der Mittleren Bergstraße stoßen wir ferner auf das
Weinbergsgrundstück _Friedstein_, und zwar zunächst auf das infolge
neuerer Umbauten etwas verbildete »_Altfriedstein_« (1740), seine
einstigen vorzüglichen Bauformen sind noch deutlich erkennbar (Abb.
17). Unbegreiflicher Unverstand hat jedoch das Grundstück durch die
Anlage einer neuen Straße entzweigerissen und eine unerfreuliche
Eckunterbrechung des Herrenhauses zur Folge gehabt, auch ist durch den
Straßenbau eine schöne Futtermauer mit Bogenblenden und Brunnenwerk
(1790), die im herrschaftlichen Garten lagen, auf die Straße geraten.
Auch Friedstein hatte sein »Lusthaus«, hoch oben auf dem Berg, es
wurde 1771 bis 1772 vom Kaufmann Ehrlich erbaut, damals »Denkmal der
Wohltätigkeit«, jetzt »Friedsteinburg« auch »_Mätressenhügel_« genannt.
Es ist trotz seiner Schlichtheit von großer architektonischer Schönheit
und zeichnet sich durch einen mittleren achteckigen Mansardenbau
zwischen einfachen Seitenflügeln sowie durch ringsumlaufende breite
balusterbewehrte Terrassen mit hohen Sandsteinsockeln aus. Wie
Abbildung 18 zeigt, ist dieses den Namen einer Burg ganz und gar nicht
verdienende Lusthäuschen anmutig und majestätisch auf den Gipfel des
Berges gestellt. Es versetzt uns mehr denn alle übrigen Lößnitzbauten
mit zwingender Macht in die alten Zeiten, denn es zeigt sich uns noch
im unveränderten Zustand, und der leise beginnende Verfall berührt dem
Besucher seltsam das Herz: wieviel Menschenglück und -harm mag dieses
»Lusthäuschen« und die es umgürtenden Gärtchen und Rosenhecken und
die gekrümmten Steinbänke unter den diskreten Laubdächern gesehen und
miterlebt haben? Es bestehen Pläne, auch dieses Dornröschen aus langem
Schlafe zu erwecken, hoffen wir, daß dabei mit feinsinniger Hand das
künstlerische Erbe der Großväter angetreten wird, dann wäre es nur
zu begrüßen, wenn neues pulsierendes Leben in die verlassenen Räume
einzieht[1].
[Illustration: