Wiederum abweichende Farben führt, nach ~Salmasius~[2349], ~Porphyrius~
(3. Jahrhundert) an und vergleicht sie mit denen der bunten Gewänder
(vermutlich der 7 bunten Gewänder der ~Isis~ bei den Naassenern)[2350],
während +einige+ Autoren auf Beziehungen zu gewissen „irdischen
Sternen“, d. i. Blumen, verweisen (die aber nicht stets die +heute+
so benannten sind)[2351], z. B. des ~Saturn~ zur Hyazinthe (dunkel),
des ~Jupiter~ zur Lilie (weiß), des ~Mars~ zur Viole (rot), der Sonne
zur Rose (rot; gelb), der ~Venus~ zur Anagallis (gelbrot; rot; blau),
des ~Merkur~ zum Krapp (gelbrot), des Mondes zur Narzisse (grünlich),
+andere+ Schriftsteller aber auf solche zu gewissen Tieren, z. B. des
~Saturn~ zum Esel (aschgrau)[2352], des ~Jupiter~ zum Adler (weiß,
gelblich)[2353], des ~Mars~ zum Wolf (rot), der Sonne zum Löwen (gelb),
der ~Venus~ zur Taube (weiß), des ~Merkur~ zur Schlange (bunt),
des Mondes zum Rind (weiß); hierbei mögen indes noch andere, rein
mythologische Zusammenhänge obwalten, wenngleich auch bei ~Kelsos~ (um
150) die 7 bösen „archontischen“ Engel in Gestalt von Esel, Adler,
Hund, Löwe, Bär, Drache (= Schlange) und Stier erscheinen[2354].
Grundlage aller dieser Zusammenstellungen ist eine, jedenfalls
schon den Chaldäern geläufige Anschauung, auf die bereits ~Philo~,
~Plinius~[2355] und ~Artemidoros~ (135-200)[2356] hindeuten, und die
~Firmicus~, aus hellenistischen Astrologen schöpfend, mit den Worten
wiedergibt[2357], Sonne, Mond und Sterne seien Maler, die die ihnen
eigenen Farben auch auf jene Dinge und Wesen übertragen, die sie
beeinflussen, so daß z. B. ~Saturn~ die dunkelfarbigen und schwarzen
Menschen hervorbringe, ~Mars~ die rötlichen, der Mond die hellfarbigen
und weißen usf., -- indem die vier Elemente, aus denen Mikro- und
Makrokosmos in gleicher Weise bestehen, entsprechende Veränderungen
oder Mischungen erfahren[2358]. In völlig gleichem Sinne äußern
sich die späteren Überlieferungen: nach des ~Proklos~ Kommentar zu
~Platons~ „Timaeus“ (5. Jahrhundert) lassen die Strahlen der Sonne
in der Erde das Gold entstehen, die des Mondes das Silber, die des
~Mars~ das Eisen, die des ~Saturn~ das Blei[2359]; gemäß der arabischen
Enzyklopädie der „Lauteren Brüder“ (10. Jahrhundert) erzeugt jeder
Planet, seiner Farbe entsprechend und je nach den näheren Verhältnissen
seiner Stellung und Bewegung, gewisse gleichfarbige Pflanzen,
Mineralien, Metalle usf.[2360]; die Quellen, die dem „Steinbuche
des ~Aristoteles~“ zugrunde liegen, teilen „laut ~Aristoteles~ und
~Ptolemaios~“ jedem Planeten „+seinen+ Stein, in +sein+ Metall gefaßt“,
zu, bei der richtigen Konstellation mit den richtigen Inschriften
und Bildern graviert[2361]; eine unter dem Namen „Causa causarum“
bekannte syrische Enzyklopädie des 11. oder 12. Jahrhunderts meldet,
daß sich „den Alten gemäß“ die Natur der Planeten in ihren Strahlen
zeige, denen ganz bestimmte Einflüsse zukämen, mit Ausnahme derer
des ~Merkur~, weil dieser bereits selbst „gemischter“ (= androgyner)
Art sei und sich daher den wechselnden Wirkungen der benachbarten
Wandelsterne anpasse[2362]. Sie berichtet ferner[2363], -- und zwar in
Übereinstimmung mit anderen Kompilatoren desselben Zeitalters, z. B.
~Maimonides~ (1135 bis 1204) und ~Schahrastani~ (gest. 1153)[2364] --,
daß man aus bestimmten, den Planeten entsprechenden Materialien von der
richtigen Farbe, z. B. aus Gold, Silber oder Erz (Bronze), auch deren
Idole, ferner Bilder und Statuen der Sterngötter, sowie noch andere
„Teufelswerke“ anfertige, deren Verehrung und Anbetung schwere Sünde
und auch insoferne ganz fruchtlos sei, als die Planeten überhaupt nicht
„bewirken“, sondern nur „ankündigen“.
Betreff der 7 +Metalle selbst+, sowie ihrer +Zugehörigkeit zu den
einzelnen Planeten+ bleiben mannigfache Zweifel bestehen[2365]. Eine
der ältesten Aufzählungen scheint die bei ~Pausanias~ zu sein[2366],
der gegen 200 n. Chr. eine „Beschreibung von Hellas“ verfaßte, die
fast nur aus den Schriften weitaus (oft bis um mehrere Jahrhunderte)
früherer Vorgänger zusammengestellt ist, jedoch den Anschein erregen
soll, als lägen ihr eigene Reisen und Wahrnehmungen zugrunde; bei der
Schilderung der Quelle des Styx in Arkadien und ihres unglaublich
kalten und scharfen Wassers erwähnt nun ~Pausanias~, daß dieses
u. a. auch alle Metalle auflöse, und nennt als solche Blei, Kupfer,
Elektron, Zinn, Eisen, Silber und Gold[2367]. Für das Alter dieses
Verzeichnisses spricht namentlich die Erwähnung des Elektrons, das kein
einfaches Metall, sondern eine Silber-Gold-Legierung ist und als solche
seit langen Jahrhunderten bekannt war, so daß die Einfügung unter die
übrigen auf eine Zeit zurückweist, in der sein natürliches Vorkommen
noch unvergessen, vielleicht aber auch seine Verwendung (etwa zu
kultischen Zwecken?) noch nicht abgekommen war. Der Astrologe ~Vettius
Valens~ (2. Jahrhundert) reiht den Planeten ebenfalls Blei, Kupfer,
Elektron, Zinn, Eisen, Silber und Gold zu[2368]. Aus diesen nämlichen
7 Metallen (nebst Edelsteinen und Perlen) ließ ~Constantin der Grosse~
den herrlichen Prunktisch in der Sophienkirche anfertigen[2369], aus
ihnen bestehen nach einer in der syrischen Übersetzung des ~Zosimos~
erhaltenen Tradition die Tore im „Tempel der 7 Planeten“, die als
Tore der 7 Himmel aufzufassen sind[2370], und ebenso führen sie ein
alexandrinischer Scholiast zu ~Pindar~, ferner ~Olympiodoros~, sowie
auch die Quellen des Buches „Causa causarum“ auf (s. unten).
Was die Zuordnung zu den +einzelnen+ Planeten anbelangt, so gibt
Reihe 1 der nachstehenden Tafel sie nach ~Kelsos~ (um 150 n. Chr.)
an, dessen christenfeindliche Schrift „Das wahre Wort“ nur durch die
ausführliche Widerlegung des ~Origenes~ bekannt, aus dieser aber
ziemlich vollständig wieder herstellbar ist[2371]; Reihe 2 nach dem
Astrologen ~Vettius Valens~ (2. Jahrhundert)[2372]; Reihe 3 nach
einem bei ~Eustathios~ zitierten alexandrinischen Scholiasten zu
~Pindars~ „Isthmischen Siegesgesängen“ (V, 2)[2373]; Reihe 4 nach
~Olympiodoros~, der dabei des ~Proklos~ Kommentar zur „Meteorologie“
(Buch III) des ~Aristoteles~ folgt[2374]; Reihe 5 nach ~Stephanos~
von ~Alexandria~ (7. Jahrhundert)[2375]; Reihe 6 nach dem „Steinbuche
des ~Aristoteles~“[2376]; Reihe 7 nach dem syrischen Buche „Causa
causarum“[2377]; Reihe 8 nach einer arabischen Aufstellung gegen 900,
die Sekte der Ssabier betreffend (s. über diese weiter unten)[2378];
Reihe 9 nach einer späteren, vermutlich arabischen Überlieferung[2379]:
Saturn Jupiter Mars Sonne Venus Merkur Mond
φαίνων φαέθων πυρόεις ἥλιος φωσφόρος στίλβων σελήνη
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1. Blei Bronze Mischmetall Gold Zinn Eisen Silber
(Kupfer?) (κρᾶμα)
2. Blei inn Eisen Gold Kupfer Elektron Silber
[Queck-
silber]