MEINER LIEBEN FRAU,

DEREN VERSTÄNDNISVOLLE TEILNAHME UND UNERMÜDLICHE

FÜRSORGE DIE VOLLENDUNG DIESES WERKES IN SCHWERER

ZEIT ALLEIN ERMÖGLICHTE,

SOWIE DEM ANDENKEN IHRES BRUDERS,

MEINES FRÜHVERLORENEN SCHWAGERS

Dr. AUGUST MÜLLER,

PROFESSORS DER ORIENTALISCHEN SPRACHEN AN DER

UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG,

DES ERSTEN FÖRDERERS MEINER GESCHICHTLICHEN

ARBEITEN.

Vorrede.

Die Geschichte der Alchemie ist nach ~Kopp~ „die Geschichte eines

Irrtums“[1]. Die Seltsamkeit seiner Natur, die Größe seines

Beharrungsvermögens und die Bedeutsamkeit seiner Folgen stempeln

ihn in gleicher Weise zu einem der merkwürdigsten im Gesamtgebiete

der Kulturentwicklung. Daß die Kunst des Gold- und Silbermachens

ungefähr seit Beginn unserer Zeitrechnung den Anspruch erheben und

auch festhalten konnte, eine tatsächliche zu sein, obwohl sie im

Verlaufe von fast zwanzig Jahrhunderten niemals auch nur das geringste

nachweisbare Ergebnis, geschweige denn einen dauernden Erfolg zu

verzeichnen hatte, möchte zunächst unbegreiflich, ja unfaßbar

erscheinen! Einige Aufklärung gewähren indessen Beispiele, die

verwandten Gebieten zu entnehmen sind, z. B. jenem der Astrologie, über

die es im 2. Teile des „Faust“ heißt[2]:

„Empfangt mit Ehrfurcht sterngegönnte Stunden:

Durch magisch Wort sei die Vernunft gebunden;

Dagegen weit heran bewege frei

Sich herrliche verwegne Phantasei.

Mit Augen schaut nun was Ihr kühn begehrt,

Unmöglich ist’s, drum eben glaubenswert.“

Von solchem Glauben gilt, was ~Uhland~ in den „Schriften zur

Geschichte der Dichtung und Sage“ ausspricht[3]: „Aller Zauberglaube

beruht auf dem Gefühle der Abhängigkeit von Kräften, deren Wirken

ein Unbegriffenes ist und eben darum auch für ein Grenzenloses

angesehen werden kann; ... da wird denn ... eine Formel gesucht,

welche, die Sinne treffend, unmittelbar das Geheimnis in sich

schließt.“ Hinsichtlich derartiger Gefühle und Formeln wieder sagt

~Bouché-Leclercq~ ebenso geistvoll wie treffend[4]: „Lehren, die sich

auf den +Glauben+ berufen, müssen ihren Ursprung verbergen und in eine

möglichst entlegene Vorzeit zurückversetzen, um der Kritik zu entgehen.

Sie +suchen+ die Wunder, und zwar die ‚alten‘, als spezifische

Kennzeichen göttlicher Werke oder Wahrheiten, und wünschen nicht, daß

ihnen Einsicht das Vergnügen des Glaubens verderbe. Den +Glauben+ der

Menschen erfüllt aber +das+, was sie hoffen, daher geht er aus jeder

Widerlegung durch die Erfahrung immer wieder siegreich hervor; auch ist

die Fähigkeit zu glauben unbegrenzt, und was man voraussetzt sieht man

auch, oder sah es doch in früherer Zeit, als die Menschen noch bessere

Augen hatten.“ -- Die so geschaute „geheime“ Wahrheit stellen nun die

bevorzugten Geister, die mit ihr begnadet sein wollen, dem harrenden

Chorus der Urteilslosen dar, und zwar unter dem „geziemenden“ Schleier

jener nebelhaften und mystischen Andeutungen, die ihren Eindruck auf

die große Masse niemals verfehlen. Schon ~Lucretius~ versichert[5]:

„Alles bewundern die Toren und lieben es über die Maßen,

Was man verblümt ihnen sagt, mit recht verschrobenen Worten,“

und über die maßgebende Rolle der Zeit hierbei äußert sich ein

orientalischer Geistesverwandter[6]:

„Was töricht schien von Anbeginn,

Woran kein Weiser sich beteiligt, --

Rollt ein Jahrtausend drüber hin,

Erscheint’s ehrwürdig und geheiligt.

Und bringt es den Verstand auch ins Gedränge,

Wirkt es doch mächtig auf die Menge.“

Wird aber das Dunkel der Autoren allmählich doch gar zu sehr als

solches empfunden, dann betritt, es zu lichten, die Schar der

Kommentatoren den Schauplatz; über ihr Treiben ergeht sich schon ein

altindischer Kenner in bewegter, leider nur allzu berechtigter Klage[7]:

„Wenn der Sinn höchst unverständlich,

Sagen sie, er sei ganz klar;

Wenn er leicht zu fassen war,

Schwätzen breit sie und unendlich.

Durch den Schwall der Wortgeflechte,

Wo er gar nicht angebracht,

Wird der Hörer irr gemacht,

Wird verdunkelt ihm das Rechte,

Bis er schließlich, ganz verloren

Abseits steht, wo keines Bleibens,

Fern vom Wege! Also treibens

Schon seit je Kommentatoren.“

——————————

Allen den aus dem Vorstehenden ersichtlichen Schwierigkeiten wird

vereint begegnen, wer sich mit der Geschichte der Alchemie beschäftigt.

Mich selbst hat hierzu das Bestreben veranlaßt, nach Aufklärung der

eingangs angedeuteten, kulturgeschichtlich wie psychologisch gleich

fesselnden Probleme zu suchen: wie und wo ist der Glauben an das Gold-

und Silbermachen entstanden, und durch welche Umstände begünstigt

konnte er sich ausbreiten und dauernd erhalten? Als ich mir vorsetzte,

diese Fragen einer ausreichenden Beantwortung entgegen zu führen, hielt

ich eine solche, wie das auch dem schon Erfahreneren immer wieder

begegnet, für weitaus einfacher als sie sich im Laufe fortschreitender

Untersuchung erwies; schon bevor mein Irrtum endgültig zutage trat, war

jedoch so viele Mühe und Zeit aufgewandt, daß ich sie hinterher nicht

verloren geben konnte und mochte, nun vielmehr erst recht trachtete,

ganze Arbeit zu leisten. Während mehr als zwei Jahrzehnten betrieb ich

daher, soweit berufliche und ältere wissenschaftliche Verpflichtungen

von vielerlei Art es zuließen, die erforderlichen Studien auf allen den

zugehörigen, sehr mannigfaltigen Gebieten, denen der Chemiker meist so

gut wie völlig fernsteht und in die er sich daher erst einzuarbeiten

hat. Zu einem endgültigen Abschlusse, insoweit ein solcher überhaupt

erreichbar ist, war ich noch nicht gelangt, als der Weltkrieg ausbrach.

Für den Leiter eines großen industriellen Unternehmens galt es, der

voraussichtlich äußersten Inanspruchnahme seiner Kräfte dauernd

gewachsen zu bleiben; dies aber, so fühlte ich, war nur möglich,

wenn der Anstrengung des Berufes ein Gegengewicht geschaffen wurde,

und zwar in Gestalt einer gänzlich fernliegenden, hierdurch aber

ablenkend wirkenden Tätigkeit. So begann ich denn mit der Abfassung

und Niederschrift des vorliegenden Werkes, und war so glücklich, es

nicht nur vor etwa Jahresfrist im wesentlichen zu vollenden, sondern

auch einem Verleger zu begegnen, der sich sogleich bereit erklärte,

trotz der allbekannten, fast unglaublichen Schwierigkeiten, den Druck

umgehend zu beginnen und nach Möglichkeit zu fördern. Hierfür habe ich

der Firma ~Julius Springer~ ganz besonderen Dank auszusprechen.

Die Eigenart des behandelten Gegenstandes und seine Verzweigung nach

den verschiedensten Richtungen erweckte das dringende Verlangen,

der Drucklegung nicht ohne jene Mitarbeit und Berichtigung seitens

nachprüfender Fachmänner näher zu treten, die nach einem schönen

Ausspruche ~Reitzensteins~[8] „den einzigen Lohn bildet, den ehrliche

Arbeit sich wünscht“. In dieser Richtung fand ich, wie bei Herausgabe

meiner früheren Werke so auch diesmal, das erfreuendste Entgegenkommen:

Gelehrte allerersten Ranges auf altphilologischem, orientalischem,

paläographischem und religionsgeschichtlichem Gebiete, die Herren

Geheimräte und Professoren ~G. Jacob~ in Kiel, ~R. Reitzenstein~ in

Göttingen, ~J. Ruska~ in Heidelberg und ~C. Wessely~ in Wien erklärten

sich bereit, die Korrekturen mitzulesen und hierdurch ein Opfer an

Arbeitslast und Zeitverlust auf sich zu nehmen, das angesichts der

gegebenen Umstände gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Die

Herren Geheimräte Prof. Dr. ~R. Reitzenstein~ und ~G. Jacob~ sahen

sich allerdings veranlaßt, bald nach Vollendung des 1. Abschnittes

zurückzutreten; die übrigen beiden Herren hielten jedoch bis zum

Schlusse mit durch, und Herr Geheimrat Prof. Dr. ~G. Jacob~ hatte

noch die Güte, seine Herren Kollegen Prof. Dr. ~W. Jaeger~ und ~H.

Prinz~ für die Durchsicht einiger besonderer Kapitel zu gewinnen.

Ihnen allen möchte ich auch an dieser Stelle nochmals und aus ganzem

Herzen wahren und aufrichtigen Dank darbringen, und ich bin überzeugt,

daß die Leser, von gleichem Gefühle beseelt, voll in ihn einstimmen

werden. Die mir mitgeteilten kleineren Berichtigungen konnten mit

vereinzelten Ausnahmen noch im Texte verwertet werden; größere Zusätze

hingegen mußten, da Abänderungen des einmal fertigen Satzes tunlichst

zu vermeiden waren, unter Bezeichnung mit dem Namen ihres Urhebers

in die Nachträge wandern. Diese haben hierdurch einen mehr wie

gewöhnlichen Umfang angenommen, da aber ihr Inhalt in den Registern

noch mit berücksichtigt ist, dürfte der Übelstand nicht allzu fühlbar

hervortreten. Daß für die Art, in der die empfangenen Ratschläge

verwertet wurden, ich allein verantwortlich bin, bedarf wohl keiner

ausdrücklichen Hervorhebung; nochmalige Rückfragen zur Behebung

einzelner Zweifel oder Unklarheiten machten die Zeitumstände meist

unmöglich.

Für mancherlei wichtige Auskünfte, die mir mündlich oder schriftlich im

Laufe langer Jahre zuteil wurden, bin ich ferner großen Dank schuldig:

den Herren Geheimräten und Professoren ~C. Brockelmann~, ~H. Diels~,

~A. Grünwedel~, ~E. Kautzsch~ (†), ~R. Kobert~, ~F. X. Kugler~, ~H.

Moissan~ (†), ~Th. Nöldeke~, ~R. Pischel~ (†), ~F. v. Richthofen~ (†),

~H. Suchier~ (†), ~A. Tschirch~, ~E. Wiedemann~ und ~G. Wissowa~.

Was die benützten Quellen anbelangt, so suchte ich zunächst der

Anweisung zu folgen, die ~Burckhardt~ in seiner „Griechischen

Kultur-Geschichte“ gibt[9]: „Es steht in den alten Autoren noch so

vieles Merkwürdige, das Wenige beachten; ... zum Ganzdurchlesen der

Autoren muß uns die Einsicht bestimmen, daß das, was für +uns+ wichtig

ist, nur +wir+ finden.“ Demgemäß strebte ich also, die Quellenschriften

tunlichst aus eigener Anschauung kennen zu lernen; hierbei stieß

ich aber auf schwerwiegende Hindernisse, denn ich besitze zwar eine

gründliche gymnasiale, aber keine eigentlich philologische Vorbildung,

und bin zudem keines Wortes einer orientalischen Sprache mächtig,

blieb also betreff der so zahlreichen und wichtigen Werke arabischer,

syrischer und persischer Herkunft lediglich auf Übersetzungen

angewiesen. Auf diesem Gebiete war daher die Unterstützung durch

orientalistische Fachgelehrte von ausschlaggebender Bedeutung, und

ich muß namentlich den selbstlosen, wahrhaft unermüdlichen Eifer

hervorheben, mit dem Herr Prof. Dr. ~J. Ruska~ nicht nur für sachliche

Berichtigung und Verbesserung sorgte, sondern auch für Durchführung

einer einheitlichen Schreibung der Namen und Bezeichnungen, die

den gegenwärtig anerkannten Grundsätzen entspricht[10]. Für einige

Ungleichheiten, die trotzdessen (hauptsächlich im ersten Drittel des

Buches) stehen blieben und +mir+ zur Last fallen, habe ich angesichts

des durch die Zeitumstände und zuweilen auch noch durch Postsperren

verzögerten Eingangs der versandten Korrekturen um Nachsicht zu bitten.

Hinsichtlich der griechischen Alchemisten bedingte den größten

Mißstand die Tatsache, daß die von ~Berthelot~ veranstaltete Ausgabe

an erheblichen Mängeln und Unzuverlässigkeiten sowohl des Textes wie

der Übersetzung leidet, nichtsdestoweniger aber benützt werden +muß+,

weil sie die einzige vorhandene ist. Die unumgängliche allgemeine

Auseinandersetzung mit ~Berthelot~ als Historiker habe ich in die

Nachträge verwiesen, teils um mich zuvörderst mit kurzen Andeutungen

begnügen zu können, teils weil am Schlusse des Werkes auch der Leser

selbst ein gewisses eigenes Urteil gewonnen haben wird. Die wirklichen

Verdienste jenes großen Mannes verkleinern zu wollen, lag mir dabei

fern; wo ich aber, im Dienste der Wissenschaft nach Wahrheit und

Gerechtigkeit strebend, ihm zu nahe getreten sein sollte, bin ich,

soferne mir dies nachgewiesen wird, zum Widerrufe gerne bereit.

Daß ich nicht den Anspruch erheben könne und wolle, den Anforderungen

der Vertreter philologischer oder anderer +Sonder+gebiete zu genügen,

war mir von vornherein klar; als ich dieserhalb meinen verewigten

hochverehrten Freund Prof. Dr. ~E. Kautzsch~ um Rat fragte, lautete

seine Antwort: „Leisten Sie, was +Sie+ können, nachher kommen die

Fachgelehrten und bauen weiter, aber +ohne+ die Vorarbeit kommen sie

+nicht+.“ Demgemäß verfuhr ich, und mein Buch wendet sich also in

erster Linie an Chemiker, Naturforscher und Allgemein-Gebildete. Diese

sind jedoch heutzutage fast durchwegs des Lateinischen kaum mehr, des

Griechischen gar nicht mächtig; daher habe ich alles Fremdsprachige

in Übersetzung wiedergegeben, den griechischen Fachworten aber, da

der geschichtliche Zweck ihre Beibehaltung unbedingt erforderte,

in der Regel eine Umschrift in lateinischen Buchstaben beigefügt

und die richtige Aussprache durch Angabe der Akzente gesichert. Wer

solche Ausdrücke als für seine Zwecke entbehrlich erachtet, mag ganz

über sie hinweglesen. Das oft arg verderbte Griechisch der Papyri

chemischen Inhaltes, mit seinen zahlreichen Entstellungen von Worten,

Vertauschungen von Vokalen, Auslassungen von Akzenten u. dgl., haben

die Herren Mitleser der Korrekturen nach Ermessen abgeändert und

verbessert.

Seinem Titel entsprechend behandelt mein Werk nicht die +gesamte+

Geschichte der Alchemie, sondern die ihrer +Entstehung+ und

+Ausbreitung+. Gerade diese Frühzeit lag nämlich, trotz aller

bisherigen rühmlichen Arbeiten, immer noch in tiefem Dunkel und war der

Aufklärung besonders bedürftig; für die spätere Periode hingegen, die

etwa im 11. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Alchemie in Südeuropa

einsetzt und erst an der Schwelle der neuesten Zeit abschließt, liegen

bereits treffliche und reichhaltige Darstellungen verschiedener

Richtung vor, die insbesondere auch auf die Rolle der „Schwärmer und

Schwindler“, sowie auf die oft höchst abenteuerlichen persönlichen

Schicksale der „Meister und Adepten“ in gründlicher Weise eingehen.

Vom wissenschaftlichen Standpunkte aus bieten übrigens jene langen

Jahrhunderte nicht das geringste Neue; es taucht auch nicht +ein+

Gedanke auf, der den engen Umkreis urväterischer Tradition überschritte.

In der Darstellung befleißigte ich mich möglichster Knappheit und

Verständlichkeit. Eigene erklärende Zusätze sind in eckige Klammern

[] gesetzt, um sie von den in runden () stehenden, den Originalen

angehörigen, deutlich zu unterscheiden. Fremdworte trachtete ich zwar

zu vermeiden, schloß sie aber nicht grundsätzlich aus; sie blieben

stehen, wo sie ohne weiteres das gewünschte Verständnis sichern,

während Umschreibungen erst selbst einer Erklärung bedürfen, ferner wo

sie größere Kürze gewährleisten, endlich auch wo sie Abwechslung im

Ausdruck zulassen.

Über die benützten Quellen habe ich +sehr+ reichliche Angaben

beigefügt, die eine weitgehende Nachprüfung gestatten, und hierdurch

zur Aufklärung von Irrtümern oder Mißverständnissen führen sollen,

die mir trotz aller Bemühungen zweifellos unterlaufen sein werden.

Titel, Verlagsorte und Erscheinungsjahre der Werke wurden stets genau

angeführt; einfach beigesetzte Zahlen sind die der betreffenden

Seiten, besteht aber ein Werk aus +mehreren+, oder aus einer Reihe von

Bänden, so geben die +ersten+ Zahlen die Bände, die +zweiten+ (und

die folgenden) die Seiten an, also z. B. ~Zeller~, „Die Philosophie

der Griechen“ 1, 509 = Bd. 1, S. 509, ~Wiedemann~, „Beiträge zur

Geschichte der Naturwissenschaften“ 21, 118, 123 = Heft 21, S. 118 u.

123. Nur für ~Berthelots~ „Collection des Alchimistes grecs“ und „La

Chimie au moyen âge“ blieben in den ersten Bogen durch ein Versehen

römische Zahlen als Band-Angaben stehen und wurden daraufhin dann

auch weiter beibehalten. Daß ich ~Plinius~ zwar in der Regel nach

Kapiteln, einige Male aber nach Abschnitten zitierte, bemerkte ich

leider erst im Laufe der Korrektur, und konnte die betreffenden Stellen

nicht mehr abändern. Meine ausführlichen Aufsätze über Chemisches bei

~Plinius~, ~Dioskurides~, ~Platon~ und ~Aristoteles~ hätten eigentlich

im vorliegenden Werke ihre Stelle finden müssen; da sie aber in meinen

„Abhandlungen und Vorträgen zur Geschichte der Naturwissenschaften“

bereits abgedruckt vorliegen, wiederholte ich nur das ganz

Unentbehrliche und begnügte mich im übrigen mit kurzen Hinweisen.

Vielfach steht die Geschichte der Alchemie in innigem Verbande mit

jener der Mineralogie und der chemischen Technologie, namentlich der

Metallurgie; diesen Zusammenhängen wurde daher allerorten besondere

Aufmerksamkeit gewidmet. Um jedoch weitgehende Zersplitterung zu

vermeiden, schien es zweckmäßig, die Hauptmenge der Nachrichten über

die ältere Geschichte der Metalle in einem besonderen Anhange (dem 6.

Abschnitte des Buches) zu vereinigen; eingehendere Berücksichtigung

fanden hierbei die kulturhistorischen und etymologischen

Gesichtspunkte, schon weil die einschlägigen Quellen dem Chemiker meist

schwer zugänglich oder ganz unbekannt sind. Der Natur der Sache nach

beschränken sich jedoch diese Darlegungen auf die sog. planetarischen

und die als Abarten von solchen angesehenen Metalle, sowie auf ihre

Legierungen.

Inhalts-Verzeichnisse sind vier vorhanden: 1. das der griechischen

Worte, einschließlich gewisser dogmatischer Redensarten, 2. das der

angeführten Schriftsteller und Werke, 3. das der geographischen, Eigen-

und Völker-Namen, 4. das sachliche. Ihre Abgrenzung war oft schwierig,

und es bleibt zu beachten, daß das nämliche Wort in verschiedenen

Registern vorkommen kann, z. B. ~Hermes~ als Autor in 2., als Gott in

3., als Planet in 4., ebenso z. B. λόγος in 1. und Logos in 4. Auf

der Suche nach Ausdrücken, die aus +zwei+ Worten bestehen, wird man

unter Umständen bei +beiden+ nachzuschlagen haben, also z. B. betreff

ἱερά τέχνη bei ἱερός und bei τέχνη. Die Seitenzahlen, die sich auf die

betreffenden Hauptstellen sowie auf die erstmaligen genauen Anführungen

der Büchertitel beziehen, sind durch fetten Druck hervorgehoben.

Für das mühevolle Ausziehen der Inhalts-Verzeichnisse, sowie für

vielerlei andere Schreib- und Hilfsarbeiten gelegentlich der

Fertigstellung der Druckvorlagen und der Erledigung der Korrekturen

habe ich neben mehreren Mitgliedern meiner Familie auch Fräulein

~Elfriede Braeuer~, Chemikerin der „Zuckerraffinerie Halle“, herzlichen

Dank zu sagen.

Auf die Genauigkeit der Register ist größte Sorgfalt verwendet worden,

dennoch zweifle ich nicht daran, daß manche Fehler stehen geblieben

sind; den Lesern, die solche hier oder auch an anderen Stellen des

Werkes bemerken, wäre ich für freundliche Mitteilung sehr verbunden,

damit ich sie an geeignetem Orte zu berichtigen vermöge. Überhaupt

dürfte niemand rein sachlicher über das Erreichte denken, als ich

selbst; ich halte mich an ~Goethes~ Ausspruch in der Vorrede zum ersten

Bande seiner wesentlich der Kunstgeschichte gewidmeten Zeitschrift „Die

Propyläen“ (1798), woselbst es heißt: „... unsere Absicht war, ...

wenn wir gleich nicht voraussetzen, die nötige Arbeit selbst vollenden

zu können, dennoch teils im ganzen eine Übersicht zu geben, teils im

einzelnen die Ausführung einzuleiten“.

+Halle+ a. S., den 8. Oktober 1918.

=Der Verfasser.=

Inhalt.

Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange · 第 13 / 127 题