Abendgang

Zu doppelt Teil zerfällt der Kern,

Wenn die anschwellende Grauenfrucht

Durchstieß die Narbe, verschlang die Hütten:

Entsetzen -- Gelächter.

Gegen die Augen Stoß der Dächer,

Und die Erde will in den Mund,

Musik und Ruf durchstechen das Ohr,

In mich flüchtet der ganze Lärm

Aber wenn ich ins Weite will

Versagt ein jedes und ist am Ende.

Verheißungslos in mein Fleisch zurück:

In kahler Kammer bin ich da.

Zuviel dies Land zerfurcht von Blut,

Mord regungsloser Turm darin.

Hier kann mir keine Heimat sein,

Hilf suchen doch mein fernes Land.

Wenn sich die Nacht nun an mich hängt,

Die treibt durch Straße, Park, Café,

Erst lachen wir, dann weinen wir,

Dann schließt uns Wahn die Augen zu.

1

Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt,

Ich liege ganz berauscht von Stadt,

Meine Worte sind Gift.

Jetzt kommen alle, wollen kosten,

Geschlagen sein, zu nichte sein,

Von mir das Sterben erfahren.

Die Schwachen wollen sich zügeln lassen,

Ich kann ihre wunden Augen nicht sehn,

Sie sind, Verachtete, feige im Licht.

Kinderhände ringen um Führung,

Hände auch verkrüppeln vor Angst,

Hände können die Tränen nicht halten.

Durch mich, in mich stürzt alles zurück,

Ich singe hart, grausam laut:

Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt.

2

Ihr Gotterfüllten in der Zeit

Von jeher Euer Erbe Inbrunst:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Sein Tempel ist ein offnes Haus,

Sein heilig Blut tropft schwer dahin:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Schreit auf, da Euch Gebet versagt,

Ihr wart die Hüter, Ihr das Tor:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Ihr seid der Welt Verderber,

Des großen Sterbens seid Ihr schuld:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Sein hehrer Leib klagt krank und wund,

Ein Grauenvolles starrt sein Mund,

O, meines Gottes Ehre ist zerstört!

3

Tragt seinen Fluch in Euren Tod,

Es soll ein neuer Glanz geschehn,

Ein Fest wird sein, ein strahlend Rot

Soll über Euren Häuptern stehn

Und Wirklichkeit, die furchtbar droht,

Aus leeren Augen auf Euch sehn.

Uns komme Licht, uns sei das Wort,

Ein Gang auf Wellen, Hand in Hand,

Gesang, an dem die Kraft verdorrt,

Die heute nicht Erlösung fand.

O erster Morgen, letzter Mord,

Rauchender Welt entsteigt _mein_ Land!

Verkettung: Gedichte · 第 4 / 13 题