Endlich, teuerster Freund, kann ich sagen, sie ist gefunden, und zu
Ihrer Beruhigung darf ich hinzusetzen, in einer Lage, wo für das gute
Wesen nichts weiter zu wünschen übrigbleibt. Lassen Sie mich im
allgemeinen reden; ich schreibe noch hier an Ort und Stelle, wo ich
alles vor Augen habe, wovon ich Rechenschaft geben soll.
Häuslicher Zustand, auf Frömmigkeit gegründet, durch Fleiß und
Ordnung belebt und erhalten, nicht zu eng, nicht zu weit, im
glücklichsten Verhältnis der Pflichten zu den Fähigkeiten und Kräften.
Um sie her bewegt sich ein Kreislauf von Handarbeitenden im
reinsten, anfänglichsten Sinne; hier ist Beschränktheit und Wirkung in
die Ferne, Umsicht und Mäßigung, Unschuld und Tätigkeit. Nicht
leicht habe ich mich in einer angenehmeren Gegenwart gesehen, über
welche eine heitere Aussicht auf die nächste Zeit und die Zukunft
waltet. Dieses, zusammen betrachtet, möchte wohl hinreichend sein,
einen jeden Teilnehmenden zu beruhigen.
Ich darf daher in Erinnerung alles dessen, was unter uns besprochen
worden, auf das dringendste bitten: der Freund möge es bei dieser
allgemeinen Schilderung belassen, solche allenfalls in Gedanken
ausmalen, dagegen aber aller weitern Nachforschung entsagen, und sich
dem großen Lebensgeschäfte, in das er nun wahrscheinlich vollkommen
eingeweiht sein wird, auf die lebhafteste Weise widmen.
Ein Duplikat dieses Briefes sende an Hersilien, das andere an den
Abbé, der, wie ich vermute, am sichersten weiß, wo Sie zu finden sind.
An diesen geprüften, im Geheimen und Offenbaren immer gleich
zuverlässigen Freund schreibe noch einiges, welches er mitteilen wird;
besonders bitte, was mich selbst betrifft, mit Anteil zu betrachten
und mit frommen, treuen Wünschen mein Vorhaben zu fördern. Wilhelm
an den Abbé
Wenn mich nicht alles triegt, so ist Lenardo, der höchst
wertzuschätzende, gegenwärtig in eurer Mitte, und ich sende deshalb
das Duplikat eines Schreibens, damit es ihm sicher zugestellt werde.
Möge dieser vorzügliche junge Mann in euren Kreis zu ununterbrochenem
bedeutendem Wirken verschlungen werden, da, wie ich hoffe, sein
Inneres beruhigt ist.
Was mich betrifft, so kann ich, nach fortdauernder tätiger
Selbstprüfung, mein durch Montan vorlängst angebrachtes Gesuch
nunmehr nur noch ernstlicher wiederholen; der Wunsch, meine
Wanderjahre mit mehr Fassung und Stetigkeit zu vollenden, wird immer
dringender. In sicherer Hoffnung, man würde meinen Vorstellungen
Raum geben, habe ich mich durchaus vorbereitet und meine Einrichtung
getroffen. Nach Vollendung des Geschäfts zugunsten meines edlen
Freundes werde ich nun wohl meinen fernern Lebensgang unter den schon
ausgesprochenen Bedingungen getrost antreten dürfen. Sobald ich auch
noch eine fromme Wallfahrt zurückgelegt, gedenke ich in ***
einzutreffen. An diesem Ort hoff ich eure Briefe zu finden und meinem
innern Triebe gemäß von neuem zu beginnen.