Ha, durch Gewalt! --

~Jeronimo.~

Aus eignem freien Antrieb.

~Balboa.~

O Menschen! Menschen!

~Jeronimo.~

Sprecht! Ist diese Schrift,

Wie Pinto es bezeugt, von eurer Hand?

~Balboa.~

(zornig und fest.)

Von meiner Hand, und auch von mir verfaßt.

~Jeronimo.~

Sprecht ruhig. -- Ruhe heischet eure Lage.

Auch übereilt ist doch ein Wort gesprochen.

Habt ihr die Schrift bloß als Entwurf verfaßt,

Als flüchtige Gedanken; -- oder war's

Euch voller Ernst, wie Pinto fest betheuert,

Sie nach der Landung schleunig zu verkünden

Als ein ~Gesetz~?

~Balboa.~

Das ~letzte~ war mein Wille.

~Jeronimo.~

Als ein Gesetz, nach ~allen~ seinen Punkten?

~Balboa.~

Nach allen seinen Punkten. Keinen hätt'

Ich ausgenommen, keinen widerruf'

Ich feige vor Gericht. -- Gott sey da vor!

~Jeronimo.~

Bedenkt euch wohl! Ihr habt in dieser Schrift

Die Theilungen der Wilden untersagt,

Die doch des Königs höchster Wille sind; --

Habt das Gesetz tyrannisch selbst gescholten.

~Balboa.~

Nicht das Gesetz, wie's uns der König gab,

Nein, das Gesetz, wie's frech der Frevel übt;

~Das~ nur, das schalt, und schelt' ich noch tyrannisch!

Ihr staunet? -- Stellt mich vor des Königs Thron,

Mich vor die Welt! -- Was wild mein Herz empört,

Soll mir auch grausam ~heißen~. -- Laßt das Beil

Mir vor den Augen blitzen, immerhin!

Zwar dieser Kopf kann euerm Streiche fallen;

Doch mich gesellen zu der blut'gen Schar,

Die Fluch, die Tod auf diese Fluren wälzt;

~Das~ könnt ihr nicht, mit allen euren Beilen! --

~So~ ehr' ich meinen König und mich selbst!

~Jeronimo.~

Bezähmt den Zorn, und sprecht gefaßt, gelassen.

Was von Verdrehung des Gesetzes ihr

Jetzt unbestimmt, verworren nur gesagt,

Das zeiget klar. Hier gilt Bewies'nes nur.

~Balboa.~

Nicht von des Zornes eigensücht'ger Gluth,

Vom edlern Feuer flammt's mir auf im Busen,

Der Menschheit Anwald steh' ich vor euch da,

Und ihre Vollmacht ist's, die mich erhebt. --

Nein, was im Busen mir lebendig wogt,

In enge Formeln läßt sich ~das~ nicht dämmen.

Gönnt mir Gehör! -- Wohl hat schon Ferdinand

Die Theilungen der Wilden uns befohlen;

Vergeßt die ~Absicht~ nicht; ~Sie~ ist Gesetz!

Als Hausgenoss'ne, Brüder sollten wir

Mit Liebesruf' an uns die Armen locken;

Daß sich ihr scheu Gemüth' an uns gewöhne,

Der Sittlichkeit die Herzen willig öffne,

Daß dann zur hellen Einsicht heil'ger Wahrheit

Der Wilde reif in die Gemeinde trete,

Im Leben froh, im Tode selig werde. --

O menschliches, o himmlisches Gesetz; --

Ein Höllenantlitz lieh die Hölle dir!

Ihr hättet liebend, freundlich sie gelockt,

Als Brüder unter euch zu weilen? -- Gott!

Es krümmt ihr Rücken unter Lasten sich,

Der Dränger treibt die arme Menschenheerde,

In Mittagsgluth, die diese Nackten sengt,

Euch Nahrung aus der Erde zu erzwingen;

Mit Fieberfrost tief in der Berge Schachten

Euch Gold zu holen, euren höchsten Gott! --

Nach Heidensitte habt ihr Sklavenjoch

Unmenschlich auf der Schwachen Hals geladen! --

Unsel'ger Widerspruch der Tyranney! --

Indeß die Geissel schwirrt, die Todestrommel,

Die eines Bruders Schreckenstod verkündet,

Des Wilden Herz mit Angst und Wuth erfüllt:

Da preiset ihr ihm das Gesetz der Liebe!

Ist ~das~ des Königs Wille? -- -- Wagt's und sagt;

Verbrechen an der Menschheit sey sein Wille!

Ich weiß, ihr wollt zu Thieren sie erniedern,

Und mit der Mißgestalt, die ~ihr~ verschuf't,

Des innern Vorwurfs laute Klage stillen.

Umsonst! Allmächtig ruft das Herz euch zu:

Mensch bleibt doch Mensch, von welcher Farb' er sey!

~Pedrarias~ (entrüstet).

Soll er noch länger Lästerworte häufen?

~Jeronimo~ (steht auf).

Was ein Beklagter sich zum Schutze spricht,

Das kann, nach milder Uebung der Gerichte,

Ihm nur zum Schutze, nicht zum Nachtheil dienen. --

Vergebt mir Herr, und laßt ihn weiter sprechen.

(setzt sich.)

~Balboa.~

Vergeb' auch mir die hohe Audienz!

Mir schwoll die Brust; mir war's, als sollt' ich nun

Mein letztes Wort mit lautem Donnerruf'

Der späten Nachwelt noch vernehmlich sprechen. --

Was eine Rotte Ungeheures übt,

Das soll in der Geschichte Rollen nicht

Wild flammen einst, als Wille ~der~ Regierung,

Die auch die Wilden ihre Kinder nennt,

Und liebend drückt an ihre Mutterbrust. --

O mildes Licht der heil'gen Majestät,

Uns zu beleben freundlich abgesandt;

Wenn durch den Pestqualm nied'rer Leidenschaft,

Der aus der Tiefe dir entgegendampft,

Dein Strahlenglanz nach uns herniederblickt:

Erscheinst du blutig roth, und bringst uns Tod!

~Jeronimo.~

Ihr spracht vom argen Mißbrauch des Gesetzes,

Den jeder Edle tief mit euch betrauert.

Ihr aber habt den Mißbrauch nicht allein,

Ihr habt die Vorschrift selbst für null erklärt.

So scheint es mir! Antwortet, ob ich irre!

~Balboa.~

Wo dies Gesetz noch herrschte, saht ihr auch

Im Sklavenjoch die Wilden unterdrückt;

Zeigt mir den Starken, der dem Mißbrauch wehrt!

~Ihn~ dulden -- ~das~, das schien mir, hohe Richter,

An meines Königs Ruhm, am Vaterland',

An der bedrängten Menschheit Hochverrath,

Vor dem mein Herz, mein tiefstes Wesen bebt!

~Jeronimo.~

Was vor euch selbst, was einst vor Gottes Thron'

Euch hebt und schützt, das bleib' euch unbenommen.

Ganz andre Gründe heischt von euch der Richter,

Nach andern Zwecken, und nach seiner Pflicht. --

Gehorsam ist des Staates Fundament;

Er fällt, wenn sich ein kühner Unterthan

Ermessen darf, aus selbstgeschaff'nen Gründen

Die Fugen der Gesetze loszureißen.

Euch kann des Satzes Wahrheit nicht entgeh'n,

Und meine feste Ford'rung nicht befremden:

Habt ihr die Vorschrift, wie ihr schon bekennet,

Nach ihrem ganzen Inhalt aufgehoben:

So zeigt die Vollmacht, die nur kann euch schützen.

~Balboa.~

Sie liegt in meines Königs großem Herzen,

In seiner Menschenachtung, seinem Hasse

Der schwarzen Höllenausbrut, Sklaverey! --

So kenn' ich ihn, und sprecht, wer kennt ihn anders? --

Von euch erwart' ich, hochverehrte Richter,

Daß ihr, wie nun mein Loos auch fallen mag,

Dies mein Verhör vor den Monarchen bringt. --

G'nügt auch mein Wort nicht dieser Audienz,

Einst wird es doch dem Könige genügen.

Er ruft vielleicht vergebens aus dem Grabe

Dann diesen Arm und dieses Menschenherz,

Das er noch als Infant an seines drückte.

~Jeronimo.~

Ihr fordert nur was uns're Pflicht erheischt. --

Habt ihr vielleicht vor unsers Königs Throne

Der Wilden Sache schon mit Kraft geführt,

Und harrtet noch auf die Entscheidung?

~Balboa.~

-- Nein!

~Jeronimo.~

Des Königs Thron steht jedem Bürger offen. --

Hielt euch Gewalt zurück?

~Balboa.~

Gewalt! Gewalt!

Ich hätte sie vernichtet! --

~Jeronimo.~

Saget dann,

Was hat zu diesem Schweigen euch vermocht? --

Seyd offen, Balboa, sprecht ohne Rücksicht! --

Die Krone hoffet Vieles noch von euch,

Und Selbsterhaltung sey euch heil'ge Pflicht. --

Laßt falschen Edelmuth euch nicht verleiten! --

Schwiegt ihr vielleicht aus einer zarten Schonung,

Ein theures Herz vor Kränkung zu bewahren?

(Pause.)

Ihr schweigt? -- Bei allem, was euch heilig ist,

Bei eurem Leben, eurer Gattin Leben,

Steht mir zur Rede, schweiget länger nicht! --

(Pause.)

Wißt ihr noch etwas, das euch schützen kann;

So bringt es vor.

~Balboa.~

Ich harre nun des Urtheils.

(Auf einen Wink des Jeronimo entfernt er sich mit der Wache in

das Nebenzimmer. Hierauf stehen die Richter auf und entblößen das

Haupt.)

~Jeronimo.~

Habt ihr des Untersuchten Worte nun

Genau erwogen, reiflich überdacht;

Und seyd ihr frei von aller Menschenfurcht;

Und schweigen euch im Busen Lieb' und Haß;

Und fesselt euer Auge keine Rücksicht,

Daß ihr gerechtes Urtheil sprechen mög't:

So legt betheuernd eure Hand auf's Herz,

Und denkt an Gott und an die Ewigkeit!

(Pause.)

Nun werft die Loose: Leben oder Tod!

(Jeder wirft eine Kugel in einen Becher. Jeronimo zuletzt.)

Man rufe den Beklagten vor Gericht!

(Wache bringt den Balboa.)

Seyd ihr gefaßt, das Urtheil zu vernehmen?

~Balboa.~

Gott wird mich stärken! Sprecht es immer aus!

~Jeronimo.~

(mit Selbstüberwindung.)

Das Urtheil -- der gesammten Audienz --

Gott sey euch gnädig -- ist -- der Tod durch's Beil!

~Volk.~

Gott! Gott!

~Einer der Richter.~

Nun fort dort oben! Stille! Stille!

(Man sieht ~Marien~ sich auf der Galerie händeringend

durchdrängen.)

~Volk.~

Zurück! Zurück! Laßt sie nicht durch! Zu spät!

Fünfter Auftritt.

Maria. Balboa. Pedrarias. Die Richter im Hintergrunde.

~Balboa~ (erschrocken).

Maria!

~Pedrarias.~

Ha! was soll's, wer rief dich her?

~Maria.~

Gott denk' ich, denn ich Arme hatte Kraft,

Das Urtheil mit Bewußtseyn anzuhören;

Nichts fürcht' ich mehr auf dieser Welt, nichts mehr.

~Pedrarias.~

Was suchst du hier?

~Maria.~

Den Sieger!

(wendet sich, und umarmt Balboa.)

Balboa!

~Pedrarias.~

Führt sie hinweg!

~Maria.~

O führt mich in das Grab!

Man hat als eine Braut mich ausgeschmückt;

Das war nicht recht. -- Mir ziemt der Wittwenschleier.

Ich bitte, Vater, sorget mir für einen!

Den Brautkranz lös' ich weinend aus den Locken.

Wer will ihn tragen? -- Nimm ihn, Balboa!

Nimm ihn als Siegeskranz! -- Der Himmel ruft:

Ist nicht mein Lieber herrlich nun geschmückt? --

Dumpf schweigt die Erde! Fluch belastet sie!

(~Jeronimo~ führt sie auf einen Wink des ~Pedrarias~ ab.)

O lieber Gott! Nimm uns in's bess're Land!

(~Balboa~ stürzt sich in einen Sitz und verhüllet sein

Gesicht.)

Sechster Auftritt.

~Pedrarias.~ ~Balboa.~

~Pedrarias.~

(öffnet die Hauptthüre. Zur Wache.)

Bei euerm Kopf! Hier lasset Niemand ein!

(kömmt zurück.)

Nun habet ihr vollendet, nun gesiegt!

~Balboa.~

Weis't gnädig, Herr, mir mein Gefängniß an;

Ich bin erschöpft, und sehne mich nach Ruhe.

~Pedrarias.~

Erschöpft in dem Bewußtseyn eurer Größe?

Ihr saht den Abgrund, saht den Tod vor euch;

Hinein! ihr stürztet euch hinein! -- Die Wuth

Lieh euch die Kraft. -- Ihr sporntet euch zur Wuth! --

O ich durchschau' euch ganz! Wie freut es mich,

Daß nie mich eure Heuchlersmiene trügte.

~Balboa.~

Die Zeit ist mir gemessen. Wenig Gutes

Kann ich mehr üben. -- Ich vergeb' euch, Herr!

~Pedrarias.~

Wirf deine Larve weg, du falscher Frömmler!

Der Satan blickt doch durch. Dein Höllenplan,

Er ist verrathen. -- Sterben? immerhin!

Doch eine Tochter frech dem Vater rauben,

Sie in den Abgrund der Verzweiflung schleudern:

~Das~ ist der Weg zu ihres Vaters Herzen. --

~Das~ trift! Mit ~dem~ Bewußtseyn sterbt ihr leicht.

Nicht wahr? -- O wahrlich!

~Balboa.~

Herr! Ein Höllenplan!

Ihr habt ihn wohl benannt. Die heitre Welt

Erzeugt ihn nicht. Ihr nahmt die Möglichkeit

Aus eignem finstern haßerfüllten Busen.

~Pedrarias.~

Recht, Balboa! Ihr irrt euch nicht! Vernehmt:

Ich ~hass'~ euch, Balboa!

~Balboa.~

Kann selbst mein Tod

Euch nicht versöhnen?

~Pedrarias.~

Mich? -- Mit euerm Kopf

Zahlt ihr dem Staate nur die Schuld, nicht mir.

Die Welt soll glauben, das ist euer Wunsch,

Ihr fielet hin ein Opfer meines Hasses.

Vergiften wollt ihr so mit letztem Hauch

Noch meinen Ruf, brandmarken mein Gedächtniß. --

Ha, nicht gelungen, gift'ger Bösewicht!

Du triumphirst zu früh. ~Dir~ will ich's wohl,

Doch nicht auf diesem Wege. Nimm, Verräther,

Den Degen, nimm!

~Balboa.~

Vergeßt nicht eure Würde!

~Pedrarias.~

Ich Pedrarias will's dem Balboa;

Der Feind dem Feinde! Ringen will

Ich selbst mit euch. Ich will des Armes Kraft

An euern hochberühmten Heldenmuth,

An euch bewähren oder sterben. Zieht! --

Ich dächte doch, ihr fielet rühmlicher

Durch meinen Arm, als durch des Henkers Beil.

~Balboa.~

Ich ziehe nicht. Ihr seyd Mariens Vater;

Und wär' ich frei, das würd' euch vor mir schützen.

~Pedrarias~ (wüthend).

Ha, ich durchbohre dich!

~Balboa~ (sanft und leicht).

Dank euch dafür!

(Pause.)

Am Grabesrande schweigt die Leidenschaft;

So auch der Zorn in meiner heißen Brust.

Ich will genug euch thun. Was ich gefehlt,

An euch gefehlt; ich will es nicht verhehlen.

Des Königs Vorwort dank' ich meine Gattin;

Ich warb um dieses Wort. -- Vergebt es mir!

Ich liebte. -- Hold erschien mir eure Tochter,

So wie ein Engel aus der Himmelssphäre,

Und winkte mir zu neuem Lebensglück.

Mein Herz entbrannte! Ach, ein Paradies

Eröffnete sich meinem trunknen Blicke;

~Hin~ strebt' ich glühend! -- Doch ein finstrer Geist;

~Der~ dräutet ihr vor diesem heitern Himmel

Den Eingang wehrend. -- Ach, kein Wunsch, kein Opfer,

Und keine Bitte söhnte euren Zorn! --

Ich konnte sterben, nicht Marien lassen,

Und eure Gunst mir von der Zeit erwartend,

That ich den Schritt, der euern Haß verstärkte.

~Pedrarias.~

Wollt ihr den strengen Richter nun bestechen?

~Balboa.~

Entlaßt mich, Herr! Wie Wogen von dem Felsen,

So prallt mein Wort von euerm Herzen ab.

Ich euch bestechen? -- Diese Niedrigkeit

Ist meinem Herzen fremd. -- Ob ihr mich haßt,

Ich weiß, daß Pedrarias Flammenhaß

Auf den gerechten Richter nichts vermag.

Was könnte wohl Versöhnung an ihm ändern? --

Wie ich euch achte, Herr, so achtet mich!

~Pedrarias.~

So geht in das Gefängniß. -- Stolzer Mann! --

Laßt ja der Gnade keinen Ausweg offen! --

Ihr drangt ein Unheil bringender Komet

Feindselig ein in meines Ruhmes Bahne;

Ringt nun durch euern Tod ihn zu verlöschen!

(ruft.)

He, Wache!

(Wache erscheint.)

Führt ihn ab zur Felsenkluft!

~Balboa.~

(geht ab, und kehrt wieder zurück.)

Ihr liebt Marien. -- Mit gepreßtem Herzen

Geb' ich das theure Kleinod euch zurück.

Sie liebt euch, Vater. -- Gott beschütz' euch beide!

Mit diesem Wunsche lös't sich meine Seele. --

(geht ab.)

~Pedrarias~ (für sich).

So siegreich denkest du zu sterben? -- Nein!

Kampf gegen Kampf! Von deiner Höhe stürz'

Ich dennoch, Stolzer, dich! Du hast ein Herz!

Siebenter Auftritt.

~Pedrarias.~ ~Jeronimo.~

~Pedrarias.~

Noch hier, Jeronimo? Das Urtheil fördert!

Ihr legt es heute mir noch vor. -- Noch heute!

~Jeronimo.~

Mit süßem Trost' erfüllt mich eure Eile. --

Sein karges Leben wollt ihr nicht verkürzen;

Euch treibt das Herz, ihm Gnade zu verkünden.

~Pedrarias.~

Das spricht der Richter? Kennt ihr seine Schuld?

~Jeronimo.~

~Ich~ wog die Schuld, und sprach sein Todesurtheil;

~Ihr~ wäget sein Verdienst, und rufet Gnade.

~Pedrarias.~

Erwartet es und eilet!

~Jeronimo.~

Heute noch?

~Pedrarias.~

Ja, heute.

~Jeronimo.~

Herr! Die ganze Ritterschaft

Umfaßt mit mir nun eure Knie flehend.

~Pedrarias.~

Ich weiß, ihr liebt ihn alle.

~Jeronimo.~

Nach Verdienst!

~Pedrarias.~

Und nach Verdienst erwartet ihn sein Lohn. --

Steht auf. Wie könnt ihr doch um Gnade flehen?

Kann Pedrarias wohl die Schuld vergeben,

Die an der Krone selbst er frech verübt?

~Jeronimo.~

Wagt ihr es nicht, ihm Gnade zu verkünden,

So wagt's auch nicht, die Strafe zu vollstrecken;

Nein, sendet ihn nach Spanien zurück,

Und unterzieht das Urtheil höherm Spruche.

So war's in diesen Landen immer Sitte,

Wenn große Häupter ein Verbrechen übten. --

Das Leben eines Balboa ist kostbar.

Sein Arm der Krone wichtig. Karlos selbst

Nennt diesen Helden seinen Freund. -- Ihr greift

Der Majestät durch seinen Tod zuvor.

Welch anderes Vergeh'n büßt Balboa? --

Daran ermahn' ich euch, nach meiner Pflicht,

Jetzt schonend noch allein; -- doch Vorsicht fordert's,

Euch feierlich mit Männern bald zu nah'n,

Die mir dereinst vor Karlos Throne zeugen.

~Pedrarias.~

Ihr kennet eure Pflicht. -- Ich weiß die meine.

(schnell ab.)

~Der Vorhang fällt.~

Vierter Aufzug.

Felsenkluft. Der Eingang oben am Gewölbe. Vor demselben ein

Eisengitter. Der Weg herab ist in Felsen gehauen. Die Höhle wird durch

eine hangende Leuchte erhellet. Ein Feldbett. Steinblöcke zum Sitzen.

Erster Auftritt.

~Balboa.~

Wie dunkel ist es hier! Die hohe Leuchte

Verbreitet kärglich ihren Dämmerschein;

Das Wasser träuft die Felsenwand herab;

Wie schauerlich!

Schon manches edle Opfer

Verseufzte hier sein Leben. -- Wehe dem,

Der Großes sinnt, er gräbt sich seine Grube! --

Auch du, Maria, leidest, du, Maria,

So engelrein und himmlisch! -- Wirft der Zufall

Die blinden Loose? -- Siegt das Laster stets? --

Mein Herz wird eng in dieser Felsenkluft. --

O stille! -- Schwindel fasset meinen Geist:

Erschüttert wankt mein sonst so fester Glaube! --

Warum mißlang mein schönes Unternehmen?

Es war doch gut! Gerade daß es gut war,

Gab mir die Zuversicht. Die Möglichkeit

Verbürgte mir des Herzens lauter Ruf;

Die Wirklichkeit -- der Himmel! -- Doch gescheitert;

So schnell gescheitert! -- Eines bleibt mir nur,

Daß ich, von wilden Wogen rings umthürmt,

Wie eine Planke das Bewußtseyn hasche:

Es war doch gut, was ich gewollt, doch gut!! --

O schöner Traum! o gräßliches Erwachen!

Was rauscht? Es regt sich oben. -- Ha! -- Wer kommt?

Man wird die Todesstunde mir verkünden. --

Sie komme bald und ende meine Zweifel!

Dort seh' ich klar; dort sehnt mein Herz sich hin!

Zweiter Auftritt.

~Eskimosa.~ ~Balboa.~

~Balboa.~

Seyd mir gegrüßt, mein edler Eskimosa;

Was ihr auch bringt, seyd herzlich mir willkommen!

Hebt eure Brust so ängstlich nicht empor;

Bestürmt durch euern Blick den Himmel nicht!

Ihr kommt als Mann zum Manne. -- Muth, mein Freund;

Sagt eure Botschaft! Ihr begegnend will

Ich selbst sie euch erleichtern. -- Kommt ihr nicht,

Die Todesstunde mir nun anzukündigen?

~Eskimosa.~

-- Wenn aus den Fluthen sich die Sonne hebt,

Erhebt ihr euch zu einem bessern Leben!

~Balboa.~

Nun dann mit Gott! -- Ich bin darauf gefaßt.

~Eskimosa.~

Man bietet euch noch Gnade -- -- mit Bedingung!

~Balboa.~

Und die Bedingung? Lasset sie doch hören!

~Eskimosa.~

Ich spreche nun in Pedrarias Namen. --

Ihr sollet vor dem Throne, öffentlich,

Vor der gesammten edlen Ritterschaft,

Gehorsam ihm, und Treue neu geloben;

Den Aufruf dann, den leider ihr verfaßt,

Als eine Frucht der schnellen Übereilung,

Für null und nichtig öffentlich erklären;

Dereinst die Theilungen der Indier

Handhaben, wie's Gesetz und Übung heischt;

Und wolltet ihr dies Alles treu erfüllen,

Euch reuig zeigen, wie's dem Schuld'gen ziemt:

Dann laß' er Gnade walten vor dem Recht.

Wenn ihr aus Pflicht nicht diesem Rufe folgt,

So mög' es euch der Gattin doch erbarmen,

Die eures Stolzes Opfer werden würde.

Sonst müßt' er, seinem Richteramt getreu,

Vollzieh'n das Urtheil, streng und unerschüttert,

Was auch das Loos der theuern Tochter würde.

Nun wählt mit Gott euch Leben -- -- --

~Balboa~ (schnell).

Nein, den Tod!

~Eskimosa.~

(ergreift rasch seine Hand.)

Als Held gelebt, und auch als Held gestorben!

Gott sey's gedankt! Ihr steht dem Unglück fest.

~Balboa.~

Dich, Pedrarias, dich erkenn' ich ganz!

Dein Haß ist sinnreich. Ja, das Edelste,

Die Menschlichkeit willst du in mir vernichten.

~Sie~ gilt es nun zu retten. -- O mein Gott!

Wie freundlich lächelte mir deine Erde!

Ich wollte segenbringend auf ihr wandeln;

Nun sollt' ich würgend ihr erscheinen? -- Nein!

Leb', Erde, wohl! -- Du reißest von mir los. --

Mit feuchtem Blick seh' ich auf dich darnieder;

Ich liebte dich! -- So liebe du mich wieder,

Nimm meine Bürd' in deinen kühlen Schoß! --

~Eskimosa.~

Mir ist, als läg' auf meiner Brust die Welt;

Ich möchte weinen.

~Balboa.~

O du gute Seele!

~Eskimosa.~

Es ist nicht recht. Ich will euch nicht beweinen! --

Bewundern will ich euch, und euren Tod

Bedenken froh, bis meine Stunde schlägt;

An eurem Beispiel meinen Kindern zeigen,

Was Festigkeit vermag, was Tugend kann.

~Balboa.~

Ihr hättet, edler Mann, wie ich gehandelt.

~Eskimosa.~

Doch darum nicht, weil ich euch nun bewund're?

Was gut, was schön, was edel ist und groß,

Dafür mag mancher wohl sich leicht erwärmen.

Allein in sich das Große festzuhalten,

Wenn wild in Aufruhr jeder Trieb geräth;

Dazu versagt den Meisten doch die Kraft. --

Kein Ungeprüfter soll der Kraft sich rühmen.

Ihr habt gesiegt! Ihr seyd bewährt gefunden!

Wem dies Bewußtseyn mit dem Tode naht,

Dem kommt er nie zu früh. Ein hoher Freund

Bringt er des Lebens köstlichsten Gewinn! --

Euch blüht im Tode Leben! -- Es ist klar!

~Balboa~ (gerührt).

Mein Eskimosa!

~Eskimosa.~

Recht so, Balboa!

Laßt mich in euerm Aug' den Himmel seh'n.

Ich brauche Stärkung. Tief empörte mich

Ein andrer Anblick. Hört! Dem Pedrarias

Brennt schon ein Vorgefühl der Höll' im Busen.

Nun an der Schwelle des Verbrechens fürchtet

Er euern Tod! -- Und doch -- sein Stolz verbeut

Euch unbedingt die Gnade zu verleih'n.

Nur euch zu beugen dürstet seine Rache.

Bald jubelt er, bald bebt er knirschend wieder;

Man sieht, sein innres Wesen ist zerrissen. --

Bedauert ihn!

Nun muß ich fort, mein Freund!

Doch im Gedanken will ich fest euch halten.

Mag euch die Welt aus ihren Banden lassen;

Nicht dieser Kopf, nicht dieses treue Herz!

~Balboa.~

Lebt wohl!

~Eskimosa.~

(küßt seine Hand, und drückt sie an's Herz.)

Nicht dieser Kopf, nicht dieses Herz!

(geht schleunig ab.)

Dritter Auftritt.

~Balboa.~

So stark vermeinst du mich? O guter Alter!

Den Glauben mußt' ich ehrend in dir schonen.

Wie groß erscheinst du dem, den du vergötterst. --

Ach, darf ich meinen Augen trau'n? Er ist's!

Jeronimo!

Vierter Auftritt.

~Jeronimo.~ ~Balboa.~

~Jeronimo.~

(Noch auf der Höhe.)

Ich bin es, Balboa!

Und Friede sey mit euch!

~Balboa.~

Herab! herab!

Jeronimo! Mann, der mich streng verdammte;

Kommt an mein Herz! Noch schlägt's so heiß für euch,

Wie's mir, dem Jüngling, schlug.

~Jeronimo.~

Unglücklich Loos,

Das mich betraf.

~Balboa.~

Entweihet euern Mund

Nicht durch Entschuldigung geübter Pflicht.

Ihr übtet sie nur mit zerriss'nem Herzen,

Und milde, menschlich. -- O das that mir wohl!

~Jeronimo.~

So mußten wir uns endlich wiederfinden?

~Balboa.~

Ach, sagt mir, Freund! was machet nun Maria?

~Jeronimo.~

Vertraut sie mir, und laßt den Himmel sorgen.

~Balboa.~

Wenn ich nun ende -- Gott! wie wird sie's tragen?

~Jeronimo.~

Leicht wird es mir, den Vater zu bestimmen,

Daß er den Schleier gönnt der Dulderinn.

Ein stilles Heiligthum will ich ihr öffnen,

Wornach sie sich in ihrer Jugend sehnte.

Dort harrt sie sanft und ruhig ihres Tod's.

~Balboa.~

Nach einem qualerfüllten Jammerleben!

~Jeronimo.~

Bald ist's geendet! Ach, wir bauen fort,

Als gält' es für die Ewigkeit. Und doch!

Wie lange währt's? -- Ich zähle siebenzig.

Wo sind sie hin die Jahre? Man entwindet

Sich seinen Lieben schmerzhaft. Guter Gott!

Es ist doch nur auf nahes Wiedersehn.

~Balboa.~

Was Schreckliches sich auf das theure Haupt

Mariens häuft, ich trage nicht die Schuld;

Ich wäre glücklich, litt' ich nur allein.

Aus einer Welt, wo Pedrarias herrscht,

Entfliehet gern ein fühlend Menschenherz.

O dieser Mann, er zwingt mich, ihn zu hassen!

Man bot mir Gnade, wißt ihr's wohl? -- Doch ~ich~,

~Die~ Gnade will ich nicht, die ~er~ mir bietet.

~Jeronimo.~

Ihr seyd bewegt. -- Laßt nun die Menschen walten!

Ihr denket bald mit frohem sichern Flug

Der Erd' euch zu entschwingen. -- Balboa!

Laßt euch von Haß und Ehrsucht nicht mehr fesseln!

Nur freie Geister nimmt der Himmel auf.

~Balboa.~

Sey Gott mir gnädig! Ich gesteh' es frei:

Mein Auge sieht mit Unmuth ~doch~ in's Grab.

Noch hab' ich nicht gelebt. -- Mein Daseyn schlich

Nur zwecklos hin. Auf diesen Zeitpunkt hatt'

Ich mich gespart; mein thatendürstend Herz

Auf ~ihn~, so sehr es murrte, ~doch~ verwiesen.

Der Zeitpunkt kommt, er kommt, und bringt mir Tod!

~Jeronimo.~

Die liebsten Wünsche Gott zum Opfer bringen,

Es ist des Christen herrlichstes Verdienst.

~Balboa.~

Der Wunsch der eigensücht'gen Leidenschaft

Verberge sich vor Gott. -- Mein reines Streben

Flog unverhüllt zum Himmel auf. -- ~Und noch!~ --

Das Sklavenjoch den Wilden zu zertrümmern;

Der Menschheit ihn, dem Himmel zuzuführen,

Einst unter Segenswünschen froher Völker,

Im Arm der Liebe selig zu entschlummern:

Das wünsch' ich noch, und ~muß~ es innig wünschen.

Gesteht, Jeronimo! Mein Traum war schön.

~Jeronimo.~

Wohl euch! Noch soll euch dieser Traum erheben!

Der Wille bleibt Verdienst! Denn das Vollbringen

Bewirkt nicht Menschenmacht, giebt nur der Himmel.

~Balboa.~

O schweigt! ~Gut~ war's, was ich mit Muth begann.

Auf dem Bewußtseyn schwang mein Glaube kühn

Sich durch die Wolken. Doch getäuscht, gestürzt,

Lieg' ich zum Hohngelächter in dem Abgrund,

Tief unter meines Planes Riesentrümmern.

Ist Murren Sünde, so verzeih' mir's Gott!

Ich muß ~doch~ rufen: Herr! Mein Werk war ~gut~!

~Jeronimo~ (sanft).

Wie, Freund, in dieser wildempörten Stimmung,

Mit des zerriss'nen Herzens Klageruf

Wollt ihr den Himmel sterbend nun begrüßen?

O stimmet euch schon hier zur Harmonie,

Die dort die Ewigseligen beglückt!

Kein Mißton darf in ihre Jubel dringen. --

Ihr klagt: »Mein Werk war gut -- und nun gestürzt

Lieg' ich im Abgrund!« Doch, durch ~wen~ gestürzt? --

Ganz ohne eig'ne Schuld? -- Erforscht euch redlich!

Wenn euch der milde Strahl der güt'gen Vorsicht

Aus jenen dunkeln Fernen nicht mehr leuchtet;

Wo fändet ihr nun Trost, wo Seligkeit? --

Habt ihr euch schuldig, Gott gerecht befunden: --

Dann tragt ihr leicht, und habet überwunden.

~Balboa.~

War euer Gruß nicht Friede? -- Doch ihr raubt

Mir das Bewußtseyn, stürzt mich ganz darnieder!

~Jeronimo.~

Was wär' es wohl, wenn es sich rauben ließe?

O guter Balboa! -- Daß euer Herz

So schön entbrannte für der Menschheit Heil;

Daß ihr ein Paradies in jenen Landen,

Voll frohen Muthes, anzupflanzen dachtet,

Um so vor aller Welt den niedern Vorwand,

Als zähme nur die Sklaverei den Wilden,

Durch That und Beispiel siegend zu entlarven;

Daß ihr für dieses Volk die heil'ge Liebe

Durch selbstgewählten hohen Tod besiegelt:

Seht, dies Bewußtseyn kann euch Niemand rauben,

Es lohnt euch hier, es wird euch ewig lohnen! --

Heil ruf ich euch! -- Aus tiefbewegtem Herzen

Ruft euch mit mir, die ganze Menschheit Heil! --

Allein bedenkt: Ihr nah't euch jenem Richter,

Vor dem die Schuld vergebens sich verhüllt. --

Ihr seyd ein ~Mensch~ -- und ~menschlich~ ist's zu fehlen!

~Balboa~ (sanft).

So sprecht! Ich öffne willig euch das Herz.

~Jeronimo.~

Warum habt ihr das wilde Schlangenhaupt

Der Tyranney dem Throne nicht enthüllt? --

Längst war es Zeit zu sprechen, und zu handeln.

Ihr schwiegt, und legtet eure schönen Plane

Der ungewissen Zukunft in den Schoß. --

So fehlt er oft, der engumschränkte Mensch! --

Zur That wird ihm der Augenblick gegönnt;

~Den~ soll er fassen -- doch, er läßt ihn fliehen;

Und bringet ihn der Zeiten Strom nicht wieder,

So klaget thöricht er sein Schicksal an.

Wie soll der Himmel solche Klagen hören? --

Warum habt ihr die Grausamkeit geduldet,

Die längst schon euer fühlend Herz empörte? --

Warum die Pflicht des Widerstands verschoben? --

Warum durch Eigenmacht erzwingen wollen,

Was ihr vom Throne nur erwirken solltet? --

Gesteht es doch! -- Mariens Vater ist

Der Schuldige, und euer Liebesbund

Hielt euch von eurer höhern Pflicht zurück.

Mit ~dieser~ habt ihr euch nur abgefunden,

In Schöpfungsträumen euren Geist gewiegt.

~Balboa.~

-- Ihr lasset tief in's eigne Herz mich schau'n.

~Jeronimo.~

Versöhnt euch dann mit Gott! O fühlt es nun:

Daß euch nicht Stolz, daß euch die Reue ziemt!

~Balboa.~

Ist's Strafe, die ich dulde? Nun wohlan!

Ich habe sie verdient! Ich beuge mich!

~Jeronimo.~

Und jede Klage schweigt in eurer Brust?

~Balboa~ (sanft).

Daß auch mit mir der arme Wilde leidet:

Seht, das beklag' ich noch. -- Daß auch sein Glück

Mit mir dahinstürzt! -- Sagt, Jeronimo,

Was konnte seine Unschuld wohl verbrechen? --

~Jeronimo.~

Wie, Balboa, ihr werdet doch nicht wähnen,

Kein Geist erhebe sich zu eurer Höhe,

Kein Herz sey mit dem Euern gleich gestimmt? --

Wozu euch Gott jetzt nicht mehr würdig finde,

Das könn' er nicht durch andres Werkzeug üben? --

Gewahrt ihr nun den schlauverborgnen Stolz?

Erschreckt vor euch! Ruft euern Glauben wach!

Der Glaub' an Menschentugend und an Gott,

Erhebt sich jedem nur aus eigner Brust. --

O wehe dem, der ~ihn~ vergebens ruft!

Sein reines Herz geweiht zum Gottestempel,

Ward schon zur Hölle, wo Verzweiflung thront.

~Balboa.~

(fällt tieferschütternd an seine Brust.)

O heil'ger Mann! Hebt segnend eure Hand!

~Jeronimo~ (mit Feuer).

Ihr habt euch schuldig, Gott gerecht befunden!

Nun siegt der Geist! der Tod ist überwunden!

~Balboa~ (begeistert).

Ein Schauer faßt mich. -- -- Ja -- ich fühl's! ich fühl's!

Nicht Zufall ist's, was unser Schicksal treibt.

(kniet nieder.)

Gerechtigkeit, ich sinke vor dir nieder!

Du waltest über uns. Was über mich

Dein Spruch verhängt, ich will es sühnend dulden.

Aus seinen Tiefen ruft mein Herz: -- Du bist!!

Und wie ich nun von dir die Strafe dulde,

Ist dem Entsühnten Gnade auch gewiß!

(steht auf.)

O sie umweht mich schon mit Himmelsdüften,

Und Ruhe kehrt in meine Brust zurück! --

(zu ~Jeronimo~.)

Verlaß mich nicht, du treuer Friedensbothe!

~Jeronimo.~

Nein, ich verlaß euch nicht.

~Balboa.~

O Tod! erscheine!

Nun fürcht' ich deine Schrecken nicht. Erscheine!

~Jeronimo.~

Was will uns Eskimosa? -- Seht, er naht!

Fünfter Auftritt.

~Eskimosa.~ ~Balboa.~ ~Jeronimo.~

~Eskimosa.~

Wenn ich im höheren Gespräch euch nun

Und diesen Edlen störe, so vergebt.

~Balboa.~

Ihr seyd willkommen, ihm und mir, mein Freund!

~Eskimosa.~

Nicht unbescheiden heftiges Verlangen,

Euch noch zu seh'n -- das wüßt' ich zu bezähmen --

Mich führet meine Pflicht hierher.

~Balboa.~

So sprecht.

~Eskimosa.~

»Er will den Tod,« so hab' ich kurz und treu

Dem Pedrarias euern Schluß gemeldet. --

Nun droht ein neuer Sturm euch zu erschüttern.

~Balboa.~

Mag es doch stürmen! ~Hier~, mein Freund, ist's ruhig.

~Eskimosa.~

Ich weiß, die Ruhe lebt in euerm Busen. -- --

O theilet sie der Gattinn liebend mit!

Ihr seyd getröstet. -- ~Sie~ bedarf des Trostes!

~Balboa.~

Balboa: Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen · 第 12 / 19 题