»Mir tut er doch leid, dieser Peter Hannibal«, meinte Franziska; »warum,
kann ich eigentlich kaum erklären.«
»Ja, es hat etwas Rührendes, wenn die Verblendung dermaßen anwächst, daß
sie die eigene Schwäche für Kraft erklärt und die Armseligkeit für
Würde«, entgegnete Borsati.
»Ich sehe ihn vor mir,« sagte Georg Vinzenz; »er hat eine spitze Nase
und einen Mund mit feuchten, schmatzenden Lippen. Er schlenkert beim
Gehen die Füße nach auswärts, und seine Stimme kräht. Beim Frühschoppen
schimpft er auf die Regierung, aber wenn ein Minister in die Stadt
kommt, steht er am Bahnhof und schreit Hurra. Er trägt ein Wollhemd mit
einer angebundenen Chemisette, und seine Großmannsucht verhindert ihn
nicht, vor reichen Leuten zu scharwenzeln.«
»Trotzdem werde ich mich hüten, ihn für einen Typus gelten zu lassen,«
fiel Cajetan ein, »das hieße dem deutschen Wesen Unrecht tun. Gerade
Fleiß, Tüchtigkeit und selbstsichere Kraft sind es ja, die Deutschland
haben so mächtig werden lassen.«
»Tüchtigkeit!« versetzte Lamberg rasch und bitter, »es weht eine Luft
von Tüchtigkeit im gegenwärtigen Deutschland, die einem die Brust
beklemmt. Man ist so stolz auf das Erworbene, so sicher des Besitzes, so
fest in Meinungen, so beweglich in Grundsätzen, so unverblümt in
Profitwirtschaft, so grausam in der Steuertaxe, so wachsam gegen die
Malkontenten, daß mir Tüchtigkeit just das rechte Wort dafür scheint.
Ehemals konnte der Deutsche den Ruf eines Enthusiasten und eines
Träumers genießen, jetzt begnügt er sich mit dem eines in allen Sätteln
gerechten Praktikus. Nur ein innerlich freies Volk kann die Last
nationaler Größe und die Pflicht bedeutender Repräsentation ohne Einbuße
an innerlicher Arbeit tragen. Der Deutsche ist aber nicht frei; er ist
in so mannigfacher Beziehung gebunden, daß selbst die wenigen großen
Politiker, die die Nation hervorgebracht hat, eher als Rebellen wirkten
oder als einsame Künstler denn als Führer und Vertreter einer
Gesamtheit. Er ist so wenig frei, daß sein soziales Gefühl formlos, sein
bürgerliches borniert und sein monarchisches servil wirkt. Bei einer
feudalen Familie in der Provinz hatte sich vor Jahren ein hoher Herr als
Gast angesagt. Die Leute verwendeten für die Instandsetzung des
Schlosses und sonstige Vorbereitungen eine Summe von achtzigtausend
Mark. Der hohe Herr kam, er ließ sichs wohl sein, er aß und trank, jagte
und hielt Cercle, und beim Abschied, nachdem er der Hausfrau die Hand
geküßt, äußerte er: 'Ich habe mich sehr behaglich bei Ihnen gefühlt, und
was mich besonders erfreut hat, ist, daß alles so einfach war.' Dabei
war die Familie durch die Ausgaben, die ihnen der fürstliche Besuch
verursacht hatte, vollständig ruiniert. In England wäre dergleichen
nicht denkbar. Dort weiß der Geringste im Volk, was ihm der Herrscher
schuldet, und der Herrscher weiß, wie der Geringste lebt und wie er
leben darf.«
»England hat eine Gesellschaft, das macht den Unterschied«, erwiderte
Cajetan, »das gibt dem einzelnen Rückgrat und Figur, seinem Handeln
Gewicht und Relief. Er ist sich stets und tief bewußt, einem Ganzen
anzugehören, das verleiht ihm als Persönlichkeit eine außerordentliche
Konzentration, und gerade diese Konzentration ist es, die wir oder die
der Sprachgebrauch sonderbarerweise als exzentrisch bezeichnen. Was für
köstliche Sonderlinge! Da ist Lord Cecil Baltimore, der mit acht Frauen
durch ganz Europa zog und niemals aufhören wollte zu reisen, um den Ort
nicht zu wissen, wo er begraben werden würde; er ernährte die mageren
seiner Frauen nur mit Milchspeisen, die fetten nur mit Säuren. Ein Lord
Sandys lachte in seinem Leben ein einziges Mal, nämlich als sein bester
Freund den Schenkel brach. Ein Sir John Germain war so unwissend, daß er
einem Geistlichen namens Mathäus Decker ein großes Legat vermachte, weil
er glaubte, dieser habe das Evangelium Mathäi geschrieben. Ein Lord
Mountford berechnete alles nach Wetten; als man ihn einst fragte, ob
seine Tochter guter Hoffnung sei, entgegnete er: auf mein Wort, das weiß
ich nicht, ich habe nicht darauf gewettet. Lord Lovat sperrte zwei
Dienstboten, die ohne seine Bewilligung geheiratet hatten, mit den
Worten: »ihr sollt aneinander genug bekommen,« drei Wochen lang in einen
Brunnenschacht. Lord Thomas, der achte Graf Pembroke, hatte die
Seltsamkeit, alles was ihm mißfiel, für ungeschehen zu halten. Sein
Sohn, der schon geraume Zeit mündig war und seinen eignen Kopf hatte,
fand oft für gut, nicht nach Hause zu kommen. Mochte er sich jedoch
herumtreiben wo und so lange er wollte, der Vater betrachtete ihn stets
als anwesend und befahl dem Kellermeister jeden Tag mit unbeweglichem
Ernst, Lord Herbert zum Essen zu rufen. Seine dritte Gemahlin, die er
mit fünfundsiebzig Jahren geheiratet hatte, hielt er in strenger Zucht.
Abends durfte sie Besuche machen, allein unter keiner Bedingung eine
Minute länger ausbleiben als bis zehn Uhr, der Stunde, wo er zur Nacht
speiste. Einst geschah es, daß sie die Frist nicht einhielt. Als sie
nach Mitternacht erschien und sich voll Angst entschuldigen wollte,
unterbrach er sie ganz ruhig mit den Worten: »Sie irren sich, meine
Teure, blicken Sie auf die Uhr dort, es ist genau zehn Uhr, setzen wir
uns zu Tisch.« Unter den drakonischen Gesetzen, die in seinem Hause
galten, wurde am nachdrücklichsten das eine ausgeübt, daß jeder
Bediente, der sich betrank, sofort entlassen werden sollte. Ein alter
Lakai, der schon viele Dienstjahre zählte, erlaubte sich nun zuweilen,
ein Glas über den Durst zu trinken, indem er sich auf die Nachsicht
verließ, die in gewissen Fällen vorhandene Dinge als nicht vorhanden
ignorierte. Einmal hatte er des Guten gar zu viel getan, und als Mylord
durch die Halle ging, mußte sein Blick auf James fallen, der nicht bloß
bespitzt oder leicht benebelt war, sondern sich nicht mehr auf den
Beinen halten konnte. Mylord näherte sich ihm und sagte: »Armer Bursche,
was fehlt dir? Du scheinst sehr krank. Laß mich deinen Puls fühlen. Gott
behüte, er hat ein hitziges Fieber, bringt ihn sogleich zu Bett und holt
den Arzt.« Der Arzt kam, nicht um Rat zu erteilen, denn seine
Herrlichkeit war im Haus oberste Medizinalbehörde, sondern um Befehle zu
vollziehen. Er mußte dem Patienten reichlich zu Ader lassen, ihm ein
gewaltiges und schmerzhaftes Pflaster auf den Rücken kleben und ein
tüchtiges Purgirmittel einflößen. Als die Behandlung nach einigen Tagen
gewirkt und der alte Sünder so bleich und mager zum Vorschein kam, wie
wenn er die schwerste Krankheit überstanden hätte, rief ihm der Lord zu:
»O, ehrlicher James, ich freue mich, dich am Leben zu sehen. Du kannst
von Glück sagen, daß du so glimpflich davon gekommen bist. Wäre ich
nicht zufällig vorbeigegangen und hätte deinen Zustand erkannt, so wärst
du jetzt schon tot. Aber James! James!« fügte er mit dem Finger drohend
hinzu, »kein solches Fieber mehr!« Erzählenswert ist auch eine
Geschichte über den wunderlichen Lord Beckford. Lord Beckford empfing
niemals Besuche und nahm keine Einladungen an. Die Tore seines Parks
waren beständig abgesperrt, und in der Nachbarschaft wurden fabelhafte
und die Neugier aufregende Dinge über den Luxus berichtet, mit dem sein
Haus eingerichtet sei. Einen jungen Dandy plagte die Neugier so sehr,
daß er in der Nacht eine Leiter an die zwölf Fuß hohe Parkmauer legen
ließ und so hinüberstieg. Er wurde entdeckt und vor den Lord gebracht,
der ihn artig begrüßte, ihn überall herumführte und sich ihm beim
Abschied auf das verbindlichste empfahl. Vergnügt wollte der junge Mann
nach Hause eilen, fand aber im Garten alle Türen verschlossen und
niemand war da, sie zu öffnen. Als er deshalb zurückkehren mußte und
sich im Schloß Hilfe erbat, sagte man ihm, Lord Beckford ließe ihn
ersuchen, so hinauszugehen wie er hereingekommen wäre. Kein Widerspruch
half, er mußte sich bequemen, die Leiter wieder emporzuklettern und sie
auf die andere Seite zu heben. Er verwünschte den boshaften
Menschenfeind und hatte kein Verlangen mehr nach diesem verbotenen
Paradies.«
»Es ist wahr, deutsch ist all das nicht,« sagte Borsati; »weder das
Leidenschaftliche, noch das Problematische, noch das Weltmännische sind
deutsch. Dagegen zeichnet sich das deutsche Wesen durch einen Reichtum
an Gemütsbeziehungen aus, der keinem andern Volk eigen ist. Auch lebten
unter den Deutschen zu jeder Zeit Charaktere, denen nur die Glücksgunst
fehlte, um in weiterem Kreis Vortreffliches zu wirken. Irgendwie haftet
der Deutsche noch in verstörter Welt und bildloser Finsternis und der
tätige, in Heiterkeit gebundene Geist ist wie durch Ahnenfluch an seiner
Wiege erwürgt worden.«
»Wenn man von deutschen Charakteren spricht,« versetzte Lamberg, »muß
man vorzüglich unter den Edelleuten des achtzehnten Jahrhunderts Umschau
halten. Wie in einem verwilderten Garten oft zauberhafte Blumen stehen,
sind da Menschen emporgewachsen, die unter anderen Verhältnissen, in
einem zuträglichen Geistesklima Außerordentliches geleistet hätten.
Darin stimme ich Ihnen bei, Rudolf. Aber vielleicht ruht gerade im Leben
der Dunklen und Halbdunklen die Kraft eines Volkes. Ihre Not und ihre
Kämpfe, führen sie auch zu keinem sichtbaren Ziel, bereiten die
Entscheidungsschlachten vor, die am hellen Tag der Geschichte geschlagen
werden, und ihr geheimnishaftes Einzelweben ist voll von der Bestimmung
des Ganzen, so wie jeder Wassertropfen den Ozean enthält und erklärt.
Man kann nicht von deutschen Charakteren sprechen, ohne aus Gräbern die
Schatten der Toten zu beschwören, heute, wo jede Zwiebel für eine
Ananas gelten will und das Herzgold unter den Füßen des Pöbels
zertrampelt wird.«
»Ich hoffe, Georg, daß wir dies für eine Art Prolog nehmen dürfen, ich
wünsche sehr, daß Sie uns das Bild zum Kommentar zeigen«, sagte Cajetan.
»Ich habe über eine bestimmte Persönlichkeit eine Reihe von Notizen
gesammelt,« gab Lamberg zu; »ich muß sie aber erst noch ordnen, und
morgen bin ich bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen. Heut wäre es ohnehin zu
spät.«
Franziska nickte. Der tiefdunkelblaue Glanz ihrer Augen verriet keine
Müdigkeit, aber ihre Züge waren abgespannt. Borsati, Hadwiger und
Cajetan brachen nach ihrer bäuerlichen Behausung auf. Draußen im Freien
jubelten sie, -- der Mond leuchtete durch zerrissene Wolkenflöre.
Freilich war die Luft feucht und der Boden schwammweich, doch strahlte
wieder einmal ein Gestirn am Himmelsgewölbe, und traumhaft funkelte der
Neuschnee von den Häuptern der Berge.
Hadwiger hatte sich von Franziska die Erlaubnis erbeten, sie am folgenden
Morgen zu einem Spazierweg abholen zu dürfen, falls es nicht regnete.
Zwar blieb der Himmel neblig trüb, es war ein schwermütig-ahnungsvoller
Tag, aber Franziska wollte gehen, und Hadwiger führte sie zum Fluß
hinab. Sie beschauten die Stätten der Zerstörung, die überschwemmten
Straßen, entwurzelten Bäume, verlassenen Häuser und Hütten und konnten
sich lange nicht von dem Anblick der braungelb hinstürzenden Fluten
losreißen, auf denen Stämme und Büsche schwammen, Balken und Bretter,
Hausrat und tote Tiere. Als sie umkehrten, lehnte sich Franziska matt
auf Hadwigers Arm. Er sprach leise; er sprach von der Liebe, die er für
sie hegte. Sie lächelte; sie schüttelte den Kopf; sie sah ihn voll
Bewegung an. »Wie du mich hier siehst, bin ich ohne Nein und ohne Ja,«
sagte sie; »du bist mir viel; wie viel, das will ich nicht ergründen.
Ich kann es nicht ergründen, weiß ich doch nicht, wo ich stehe und wohin
ich gehe. Mit mir kann man keine Verträge, keine Abmachungen mehr
schließen, Heinrich. Es macht mich glücklich, daß ich dich habe, das
darfst du mir glauben.« Er schwieg, und er schwieg so, daß Franziska
seine Hand ergriff und küßte.
Plötzlich blieb sie stehen. Purpurne Glut flammte über ihr Gesicht.
Fürst Armansperg kam ihnen entgegen. Erst sahen seine Augen ohne
Teilnahme und ohne Ziel in die Ferne, dann erkannte er Franziska, und
über seine an Beherrschung sicherlich gewöhnten Züge verbreitete sich
eine Fassungslosigkeit, die Mitleid erwecken mußte. Fünf, sechs endlose
Sekunden standen sie einander stumm gegenüber. Hierauf sagte Franziska
rasch, daß sie seit einigen Tagen hier sei, daß sie ihm schreiben
gewollt, daß es aber bei dem Vorsatz geblieben sei, vielleicht des
schlechten Wetters wegen, das sie zu jedem Entschluß unlustig gemacht
habe. Mit sichtlicher Anstrengung gelang es ihr zu plaudern, aber
schließlich fand sie freieren Ton, die gemessene, höfliche und gütige
Weise des Fürsten unterstützte sie darin, bald ging er an ihrer Rechten,
und es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch, dem niemand hätte
anhören können, daß es eine Brücke über eine Kluft war. Hadwiger
verwunderte sich im stillen; für ihn klang dies alles wie
Schauspielerei; maskierte Zustände ertrug er nicht; zwischen Offenheit
und Verstellung kannte er kein Mittleres, weil es ihm an Erziehung und
an Milde gebrach. Auch war es ihm, als solle er Franziska verlieren, als
beginne sie schon jetzt in eine fremde Region zu schreiten; er hätte sie
auf die Arme heben und forttragen mögen.
Der Fürst ging bis zur Villa mit und gerade als sie dort anlangten,
verließen Lamberg, Borsati und Cajetan das Haus. Cajetan eilte auf den
Fürsten zu, um ihn zu begrüßen, die beiden andern wurden von Franziska
vorgestellt. Sie hatte eben von den täglichen Unterhaltungen erzählt,
die sie pflogen, und Fürst Siegmund drückte seinen Wunsch aus, den zum
Preis gesetzten Spiegel sehen zu dürfen. Lamberg führte ihn ins Zimmer
und vor den goldenen Spiegel, den der Fürst lang und voll Bewunderung
anschaute. Ehe er sich verabschiedete, lud ihn Georg Vinzenz für
nachmittags zum Tee ein, und er gab erfreut seine Zusage.
Lamberg hatte häuslichen Ärger gehabt; Emil, dessen Eifersucht gegen
Quäcola nicht mehr zu zügeln war, hatte den Dienst aufgekündigt. Er oder
ich, hatte Emil ausgerufen, und Lamberg hatte wider alle Gebote der
Menschenliebe erwidert: er, denn einen Affen konnte man doch nicht in
die rauhe Welt stoßen. Quäcola hockte auf dem Balkon und schnappte nach
Fliegen. Er trug rote Hosen und eine blaue Jacke mit silbernen Knöpfen,
an denen er beständig zerrte. In der Küche fand indessen zwischen Diener
und Köchin folgender Dialog statt: Die Köchin: Das Vieh müßte man mit
Arsenik vergeben. Emil: Hilft nichts. Es ist ein Zauberer. Es hat den
Herrn verhext. Die Köchin: Passen Sie auf, es wird noch ein schlechtes
Ende nehmen. Emil: Jede Nacht träum ich von ihm; es sitzt mir auf dem
Kopf und frißt mir die Haare weg, als ob's Gras wäre. Na, ich gehe eben,
man hat seine Würde. Die Köchin: Ach Gott! Daß es so weit mit den
Menschen gekommen ist. Ich bleib auch nicht in einem Haus, wo ein Affe
das Regiment führt. Wer weiß, was einem da zustößt. Emil, mit
weissagender Miene: Die Menschheit befindet sich auf einer schiefen
Ebene, und so deut ich auch die Sintflut, die jetzt angebrochen ist.
Um fünf Uhr kam der Fürst. Lamberg ließ den Tee in einem der oberen
Zimmer servieren. Der Fürst hatte durchaus nicht jene kühle
Geschmeidigkeit, die sonst bei solchen Leuten befremdend und vorsichtig
stimmt. Seltsam, daß man keinen Augenblick das Gefühl hatte, mit einem
alten Mann zu sprechen; er hatte etwas Scheues und Zartes, jedes seiner
Worte schien von einer gefühlvollen Achtsamkeit beseelt, und die
Galanterie, die er gegen Franziska an den Tag legte, war ohne alle
Phrase, herzlich und delikat. Schon dies gewann ihm die Zuneigung der
Freunde, und im Innern leisteten sie Franziska für manchen früheren
Zweifel und Tadel Abbitte. Sogar Hadwiger schloß sich auf, und von
seiner Stirne schwand die Wolke der Mißbilligung und Unruhe.
Quäcola durfte seine Kunststücke zeigen; er ging auf den Hinterfüßen,
eitel und seriös; er nahm ein Buch und las, wobei seine Miene die
kritische Besorgnis zeigte, die er seinem Herrn abgeguckt; er fing
Nüsse, die ihm zugeworfen wurden, und heuchelte Zorn, wenn sie zur Erde
fielen. Als das Repertorium erschöpft war, sagte Franziska, Georg möge
doch die Geschichte erzählen, die er gestern Abend verheißen, sie
verspreche sich etwas Besonderes davon. Lamberg sah etwas verlegen
drein, aber da die Freunde ihn ebenfalls darum ersuchten und der Fürst
sich in bescheidener Erwartung schon zurechtsetzte, holte er ein Heft
mit losen Blättern aus dem Nebenzimmer und sagte: »Einiges habe ich mir
aufgeschrieben und werde es lesen; es ist wie eine Chronik zu
betrachten. Was ich aus dem Gedächtnis erzähle, ist nur die Verbindung
zwischen diesen Teilen.«
Und er begann.