Iwan Turgenjeff

Gedichte in Prosa.

Übertragen von _Th. Comichau_. Mit Titel und Zierleisten von

_Heinrich Vogeler_-Worpswede.

Zweite Auflage.

Geheftet M. 2.--; in Leinen M. 3.--; in Leder M. 3.50.

Nicht das klare Filigranwerk der scharfen psychologischen Beobachtung

oder das hohe künstlerische Können in der knappen Darstellung nimmt an

Turgenjeffs »Gedichten in Prosa« gefangen (das sind hier beinahe nur

nebensächliche technische Vorzüge), aber jene umfassende, ich möchte

sagen russische Liebe gibt diesen kleinen Kunstwerken Farbe, Grundton

und Seele. Die Liebe zu allem Geschauten ist die Signatur reifer und

echter Künstler. Es ist die Liebe eines feinen Menschen, in dem ein

beständiges stilles Schauen lebt, ein schwermutvolles Schauen über

graue, weite Gefilde; er liebt diese Gefilde und alle Kreatur, die auf

ihnen leidet und lebt, weil sie auf ihnen lebt. Das ist eine seltsame

Erscheinung bei diesen russischen Künstlern, daß sie ihre Menschen

lieben um des Bodens willen, auf dem sie geboren sind.

(Die schöne Literatur.)

... Dichtungen eines Greises, die wundersam übergoldet sind von

den letzten milden Strahlen einer zur Rüste gehenden Lebenssonne.

Der Grundakkord all dieser feinen Skizzen, zarten Stimmungsbilder,

epigrammatischen Beobachtungen und verschwebenden Phantasien ist die

Wehmut, die sich mit Tönen statt mit festen Gestalten begnügt. ... Doch

wer tiefer zu blicken weiß, sieht hinter diesen Nebeln um so reiner die

Schönheit und die verklärte Weisheitsfülle eines Menschen leuchten,

der auch als Greis nicht aufhörte, ein großer Dichter zu sein, ja der

gerade in seinen letzten Tagen die alte Romantikerlust wiedergewann,

das Ziel, das dem Menschengeiste in seiner Erkenntnis gesetzt ist, mit

der Phantasie zu überfliegen, und sich auf den lockenden Irrgängen des

traumhaft Unbewußten zu ergehen.

(Westermanns Monatshefte.)

Väter und Söhne · 第 36 / 38 题