Achte Szene

Albrecht erscheint mit vielen Kämpfenden, worunter sich auch Theobald

befindet.

Albrecht (er tut bei jedem Ausruf einen Streich). Agnes Bernauer!

Agnes Bernauer! Hei, daß ihr's wißt, eh' ihr umfallt, der Tod heißt

heute Agnes Bernauer und kennt kein Erbarmen! Kein Geschlecht in

Bayern, hoch oder niedrig, das morgen nicht weinen soll! Da liegt

ein Haydeck, da ein Pienzenau, da ein Seyboltstorff! Aber noch immer

lebt Pappenheim! Pappenheim, wo bist du? Räuber, Verräter, Schurke,

versteckst du dich? Ihr alle, ruft mit mir, daß es über die ganze

Erde schallt: Pappenheim, Räuber, Verräter, Schurke, hervor!

Pappenheim (tritt auf). Wer sucht mich?

Albrecht. Ich und der Teufel, wir beide zugleich! Aber erst komm

ich! Zieh und laß sehen, ob ein ehrlich Eisen dir noch dient! (Er

wirft Pappenheim zurück.)

Theobald (tritt hervor). Und ich? Ha, ha, ha! Ich glaube, ich

fürchte mich, es wird mir ganz schwarz vor den Augen. Ei, ich mach

sie zu und steche darauf los! Bring ich keinen um, so reiz ich doch

wohl einen, daß er mich umbringt!

Albrecht (tritt wieder auf). Abgetan! Was nun? Oh, daß man mir ihn

wieder lebendig machte, und daß ich ihn mit jedem Atemzug einmal

niederhauen dürfte, von heute an bis zum Anbruch des Jüngsten

Gerichts.

Theobald (tritt vor Albrecht hin.). Haut mich nieder!

Albrecht. Dich? Wofür? Ei, du bist's? Was fällt dir ein!

Theobald. Meint Ihr, daß ich mit einer solchen Nachlebt nach

Augsburg zurück will?

Albrecht. Guter, treuer Mensch, bleib bei mir!

Theobald. Bei Euch? Bei Euch! Ha! Wenn Ihr nicht gewesen wärt--Da!

(Er sticht nach Albrecht.) Der kommt auch von Agnes Bernauer! Und

der! Und der!

Albrecht (wehrt ab). Bist du verrückt? Gib mir lieber die Hand! Du

bringst mich nicht so weit, daß ich dir ein Leid zufüge!

Theobald (sticht wieder nach ihm). Ihr sollt aber!

Albrecht. So muß ich schon tun, was ich noch nie tat! (Er wendet

ihm den Rücken.) Wem gehört denn das rote Gesicht? Das ist ein

Degenberg, und an dem fehlt's noch! (Stürzt fort.)

Theobald. Alles soll sterben, alles, Freund und Feind! (Er wirft

sich seinem eignen Trupp entgegen, der Albrecht folgen will.) Wohin?

Halt! (Er wird durchbohrt.) So! Nun ist's genug! (Fällt und stirbt.

)

Nothhafft von Wernberg (tritt auf). Sieg! Sieg! Wo ist der Herzog?

Albrecht, sie laufen vor uns, als ob wir mehr als Menschen wären!

Albrecht. Aber sie sollen liegen! Ich will die Donau, die sie

erstickt hat, mit Leichen wieder ersticken!

Nothhafft von Wernberg. Der im Bart wirft sich auf Straubing, Ihr

sollt's betrachten, als ob er's schon hätte!

Albrecht. Daß er mir den Richter bloß fängt, und ihm kein Leid

zufügt! In dessen Blut will ich mir den letzten Rausch trinken!

Rolf von Frauenhoven (tritt auf). Hurra! Hurra! Nun ist's aus!

Wir haben ihn! (Zu Albrecht, wie er ihn bemerkt.) Wir haben Euren

Vater, Ihr könnt ihm gleich guten Tag sagen! Eben ward er gepackt!

Albrecht. Wer hat das befohlen?

Frauenhoven. Wer hat's verboten? Seine eignen Leute rannten ihn

über den Haufen, als er sich ihrer Flucht in den Weg stellte, und

Hans von Läubelfing--Da bringt er ihn mit dem Kanzler! Seht!

Albrecht (wendet sich nach der entgegengesetzten Seite). Er soll ihn

freilassen! Gleich!

Nothhafft von Wernberg. Ei, das kommt wohl morgen auch früh genug!

Albrecht. Gleich! sage ich. Mensch, fühlst du's denn nicht auch?

Nothhafft von Wernberg. Eh' er Urfehde geschworen und uns wenigstens

die Köpfe gesichert hat?

Albrecht (stampft mit dem Fuß). Gleich! Gleich! Gleich!

Nothhafft von Wernberg. So sagt's ihm selbst!

Agnes Bernauer · 第 106 / 108 题