Agnes (eilt in den Garten). Da kann ich ihn zu Pferd steigen sehen!
(Sie kehrt wieder um.) Ja, wenn er selbst mich in die Höhe höbe und
über die Mauer kucken ließe, wie damals, als die schwarzbraunen
ägypter mit Zimbeln und Schellen vorüberzogen. Aber hören muß ich
ihn können! (Sie eilt wieder fort.) Still, still mit euren Trompeten!
Horch! Das ist er! "Ihr seid brav, Törring!" Gewiß, aber warum
sagst du ihm das gerade jetzt? Ach, da geht's schon fort! Leb wohl,
mein--Halt! Der Trab stockt! Es ist doch nichts geschehen? Da
redet einer! Schwach, undeutlich--schweig du! Nun noch einmal er!
"Führt ihn gleich zu ihr!" Zu mir? Wen denn? "Es wird ihr lieb sein!"
Mir lieb? Nein, Albrecht, da kennst du mich nicht! Ich wollte, es
würde augenblicklich Nacht und erst in dreimal vierundzwanzig Stunden
wieder Tag! Oder wär's mein Vater? (Sie jauchzt auf.) Mein Vater!
Gewiß nicht! Ach nein! jetzt sprengen sie weiter. Hui! Recht, ihr
Rosse, holt aus! Um so eher seid ihr wieder mit ihm da. (Sie horcht
auf.) Ich höre nichts mehr. (Sie horcht wieder.) Doch! (Sie pflückt
währenddem gedankenlos eine Blume.) Was soll's noch! (Sie läßt die
Blume fallen.) Hab ich da was gepflückt? Das tut mir leid! Es ist
keine Zeit, Blumen vor die Brust zu stecken! (Sie wandelt langsam
wieder herauf.) Nun ist's denn so gekommen, wie sie alle vorhersagten!
Tot! Ob das uns wirklich was Gutes bedeutet? Was tu ich jetzt?
Zieh ich mich schwarz an? Da bin ich wieder hochmütig und rechne
mich mit zur Familie, wie dieser unheimliche Mensch mit den kalten
Augen, der Richter, gespöttelt haben soll. Unterlaß ich's? Da freu
ich mich über das Unglück! Ich folg meinem Herzen und das sagt:
traure mit den Traurenden! Lacht nicht, Herr Emeran! Man ist
manchem Dank schuldig, ohne daß man's weiß! Es ist gut für Euch, daß
dies Herz so weich ist, wenn Ihr es auch nicht ahnt!