Albrecht. Ihr sollt mich zum Nicken bringen, wie einen Nürnberger
Hampelmann, den man von hinten ziehen kann! Es wird Euch nicht
gelingen, und das bedaur' ich am meisten, denn Euer Ansehen wird
darunter leiden!
Preising. Euer Vater würde erstaunt sein, das kann ich Euch
versichern, wenn Ihr Euch nur einen Augenblick gegen eine Verbindung
sträuben könntet, die seit der Ächtung Heinrichs des Löwen nicht
zustande gebracht werden konnte, sooft es auch versucht wurde, und
die eine uralte, zuweilen höchst gefährliche Feindschaft für ewige
Zeiten ersticken wird! Hier nicht mit beiden Händen zugreifen, heißt
nicht bloß das Glück mit Füßen treten; es heißt auch die endlich
eingeschlafene Feindschaft zwischen Welf und Wittelsbach wieder
aufwecken, ja verdoppeln; es heißt den ungerechten Haß in einen
gerechten verwandeln; es heißt die Rache herausfordern und ihr selbst
die Waffen reichen!
Albrecht. Das weiß ich, oh, das weiß ich, mich sollt's wundern,
wenn's anders wär'! Man kann die Pläne meines Vaters nie kreuzen,
ohne zugleich der halben Welt ins Gesicht zu schlagen, mit ihm allein
hat's noch keiner zu tun gehabt! Aber so groß die Kunst auch sein
mag, den Faden so zu spinnen unfehlbar ist sie nicht, und diesmal
reißt er ab!
Preising. Und Euer Grund?
Albrecht. Ihr kennt ihn!
Preising. Ich hoffe, nein!
Albrecht. Nicht? Nun, Ihr braucht ihn nicht weit zu suchen! Ich
bin ein Mensch, ich soll dem Weibe, mit dem ich vor den Altar trete,
so gut, wie ein andrer, Liebe und Treue zuschwören, darum muß ich's
so gut, wie ein andrer, selbst wählen dürfen!
Preising. Ihr seid ein Fürst, Ihr sollt über Millionen herrschen,
die für Euch heute ihren Schweiß vergießen, morgen ihr Blut
verspritzen und übermorgen ihr Leben aushauchen müssen: wollt Ihr das
alles ganz umsonst? So hat Gott die Welt nicht eingerichtet, dann
wäre sie nimmer rund geworden, einmal müßt Ihr auch ihnen ein Opfer
bringen, und Ihr werdet nicht der erste Eures ruhmwürdigen
Geschlechts sein wollen, der es verweigert!
Albrecht. Einmal? Einmal mit jedem Atemzuge, meint Ihr! Wißt Ihr
auch, was Ihr verlangt? Gewiß nicht, denn sonst würdet Ihr die Augen
wenigstens niederschlagen und nicht dastehen, als ob alle zehn Gebote
mit feurigen Buchstaben auf Eurer Stirn geschrieben ständen. Was tut
Ihr, wenn der Tag Euch ein finstres Gesicht zeigt, wenn Euch alles
mißlingt, und Ihr Euch selbst fehlt? Ihr werft beiseite, was Euch
quält, und eilt zu Eurem Weibe, sie ist vielleicht gerade doppelt von
Gott gesegnet und kann Euch abgeben, wenn das aber auch einmal nicht
zutrifft, so könnt Ihr sie ja gar nicht ansehen, ohne aller Eurer
glücklichen Stunden zu gedenken, und wem die wieder lebendig werden,
der hat eine mehr! Was wär' mein Los? Könnt' ich auch zu meinem
Weibe eilen? Unmöglich, ich müßte eher eine Wache vor meine Tür
stellen, damit die Unselige in ihrer Unschuld nur nicht von selbst
komme und mich ganz verrückt mache, denn sie wäre ja mein Ärgster
Fluch! Doch nein, das wäre schlecht von mir, das dürft' ich nicht,
ich müßte ihr entgegengehen und sie in meine Arme schließen, während
ich sie lieber von mir schleudern möchte, wie einen ankriechenden
Käfer, denn das hätt' ich vor Gott gelobt. Graust Euch? Wißt Ihr
jetzt, was Ihr verlangt? Nicht bloß auf mein Glück soll ich Verzicht
leisten, ich soll mein Unglück liebkosen, ich soll's herzen und
küssen, ja ich soll dafür beten, aber nein, nein, in alle Ewigkeit
nein!
Preising. Herzog Ludwig, Euer Vorfahr, nahm eine Gemahlin, die
keiner erblickte, ohne ihr zu dem Namen, den sie in der heiligen
Taufe empfangen hatte, unwillkürlich noch einen zweiten zu geben; es
war Margaretha von Kärnten, die im Volksmund noch heutzutage die
Maultasche heißt. Er war jung, wie Ihr, und man hört nicht, daß er
blind gewesen ist, aber sie brachte die Grafschaft Tirol an Bayern
zurück, und wenn er sich über ihre Schönheit nicht freuen konnte, so
wird der Gedanke ihn getröstet haben, daß seine armen Untertanen
unter seiner Regierung das Salz noch einmal so billig kauften, wie
zuvor, und ihn mit fröhlichen Gesichtern morgens, mittags und abends
dafür segneten!
Albrecht. Wißt Ihr, ob er ihnen nicht jedesmal eine Bitte abschlug,
wenn er sein Weib gesehen hatte?
Preising. Ich weiß nur, daß er vier Kinder hinterließ. Gnädiger
Herr, ich habe meine Botschaft ausgerichtet und werde Eurem Vater
melden, daß Ihr zu mir nicht ja gesagt habt. Wollt Ihr etwas
hinzufügen, so tut's, wenn Ihr ihn seht! Mein Auftrag ist noch nicht
zu Ende, ich soll Euch noch zu dem Turnier laden, das er in
Regensburg zu halten gedenkt, und Ihr werdet seinen Unwillen nicht
dadurch noch erhöhen wollen, daß Ihr ausbleibt!
Albrecht. Gewiß nicht, ich habe das Fechten nicht verlernt, auch in
Augsburg nicht, und gebe gern den Beweis!
Preising. Da müßt Ihr denn noch heute aufsitzen!
Albrecht. Noch heute?
Preising. Übermorgen findet's statt!
Albrecht. Das kommt ja rascher zustande, wie eine Bauern-Schlägerei!
Was gibt's denn? Ist dem Kaiser in seinem Alter eine Prinzessin
geboren?
Preising. Wahrscheinlich sollte Eure neue Verlobung der Ritterschaft
verkündigt werden, denn Euer Vater hält Eure Weigerung für unmöglich
und ist stolz darauf, daß ihm gelang, was seinen Vorfahren drei
Jahrhunderte hindurch mißglückte. Nun wird's wohl auf ein bloßes
Lanzenspiel hinauslaufen!
Albrecht. Gleichviel! Ich bin in billigen Dingen sein gehorsamer
Sohn und will um eine Erbsenschote turnieren, wenn er's verlangt!
Preising. Also, Ihr erscheint, ich hab Euer Wort!
(Ab, von Törring, Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg
zurückbegleitet.)