Das Herzogliche Kabinett. Man sieht an der einen Wand zwei Karten.
Die andern Wände sind mit Bildern bayerischer Fürsten behängt.
Ernst (steht vor den Karten). Ich kann's nicht lassen, und es ärgert
mich doch immer wieder von neuem. Das war Bayern einst, und das ist
Bayern jetzt! Wie Vollmond und Neumond hängen sie da nebeneinander!
Und wenn noch ein halbes Jahrtausend dazwischenläge! Aber wie
mancher alte Mann muß noch leben, der der Zeit noch recht gut gedenkt,
wo Tirol und Brandenburg und das fette Holland, und was nicht noch
sonst, unser war, ja, der obendrein auch die ganze Reihe von
Torheiten aufzählen kann, durch die das alles verlorenging! (Er
tritt vor die Bilder.) Nein, wie ihr gewirtschaftet habt!
Vierundzwanzig Stunden vorm Jüngsten Tag wär's noch zu arg gewesen!
Und ihr hattet das kluge Vorbild im benachbarten Österreich so nah!
Rudolph von Habsburg hätte ein Sandkorn durch geschicktes Wenden und
Drehen und unablässiges Umkehren auf klebrigtem Boden zum Erdball
aufgeschwemmt, ihr den Erdball zum magersten Sandkorn heruntergeteilt!
(Er geht weiter.) Kaiser Ludwig, wackrer Kämpfer, der du jeden
Feind bestandst, ausgenommen den letzten, heimlichen ohne Namen und
Gesicht, du blickst finster auf deinen Enkel herab. Ich versteh dich,
und du hast recht, das Schelten ist für die Weiber, das Bessermachen
für die Männer. Nun, ich stückle und flicke ja auch schon ein Leben
lang, ob ich nicht wenigstens den alten Kurfürsten-Mantel wieder
zusammenbringe, und ich denke, du sollst mir die Hand geben, wenn wir
uns einmal sehen. Du hättest mir gewiß die Arbeit erspart, wenn der
Giftmischer sich nicht mit Wein und Brot gegen dich verschworen und
dich vor der Zeit ausgetan hätte! Aber deine Söhne--Nun! Sie sind
tot!