Albrecht (tritt ein). Ja, da ist er! (Zu Agnes.) Ward er erwartet?
Agnes (wendet sich ab).
Albrecht. Agnes--wenn auf dem Wege zu dir ein Himmelswagen flammend
vor mir niedergefahren wäre, jeder Radnagel ein Stern, ich wäre nicht
eingestiegen, und du-
Agnes. Gnädiger Herr--gestern fehlte mir der Mut Euch anzusehen,
heute, dächt' ich, sollte er Euch fehlen!
Albrecht. Was hab ich dir denn getan?
Agnes. Nichts? Also das wäre nichts? Gnädiger Herr, so viel Ehre
könnt Ihr mir gar nicht bieten, und wenn Ihr mir die Krone aufsetztet,
daß sie diese Schmach wiederaufwöge!
Albrecht. Schmach?
Agnes. Wär's keine? Wär' das an mir keine Schmach, was, einem
Fräulein zugefügt, die Klingen aller ihrer Verwandten, bis zum
zehnten Glied herab, aus der Scheide reißen und gegen Euch kehren
würde? Gnädiger Herr, auch mich hat Gott gemacht!
Albrecht. Törring! Ihr da? Was heißt das?
Agnes. Auch mich hat Gott gemacht, auch aus mir kann er mehr machen,
wenn es sein heiliger Wille ist, auch aus Euch weniger, denn alles
auf Erden ist nur zur Probe, und Hoch und Niedrig müssen einmal
wechseln, wenn sie nicht vor ihm bestehen! Gnädiger Herr, tut keinem
wieder so weh, wie mir, man erwartet's nicht von Euch, darum ist's
doppelt bitter! (Zu Caspar Bernauer.) Mein Vater, jetzt ins Kloster!
Nun nehme ich von der Welt nichts mehr mit über die Schwelle, als
einen ewigen Schauder!
Albrecht. Mädchen, gestern warb ich um dich, heute komm ich um die
Antwort, während meine Freunde schon den Priester suchen, der uns
verbinden soll: ist das Schmach?
Törring (tritt vor). Der Herzog weiß von nichts, auf Ritterwort, ich
sprach nur aus mir selbst! Ich glaubte--nun, Irren soll menschlich
sein!
Albrecht. Du beschimpftest sie? Du beschimpftest meine Braut?
Dafür--(Er will ziehen.)
Törring. Nein! Dafür--(Er tritt zu Agnes heran und küßt ihr
ritterlich die Hand.) Ihr wißt, ich bin nicht feig, aber es wäre
nicht wohlgetan, die Zahl ihrer Freunde zu mindern, und nun ich sie
kenne, bin ich ihr Freund, ja, ich werde ihr dienen bis zum letzten
Atemzug, und mir ist, glaubt's mir und denkt darüber nach, als faßte
der Tod mich schon jetzt bei der Hand! (Zu Agnes.) Das sprach ein
Edler von Bayern, der nicht der Geringste ist, und nennt mich einen
ehrvergessenen Mann, wenn Euch nun etwas widerfährt, solange ich's
hindern kann. (Zu Albrecht.) Ihr aber, gnädiger Herr, grollt nicht
länger, daß ich ihr den Schleier etwas unsanft abnahm, es gereicht
Euch, wie ihr, zum Vorteil, daß ich ihr ins Gesicht sah! (Tritt
zurück.)
Albrecht. Sie schweigt! Das Vergeben ist an ihr, nicht an mir!
Folgt mir! Wenn sie sieht, wie ich sie räche, wird sie wissen, wie
ich sie liebe!
Agnes. Um Gott nicht! Nur von Euch war's mir, wie Todesstich!
Jetzt--jetzt--Vater!
Caspar Bernauer. Ihre harten Worte tun ihr leid, gnädiger Herr, sie
hätte sie gern zurück, Ihr seht's wohl, sie erstickt ja fast!
Albrecht. Und nicht um die Welt möcht' ich sie missen! Alter, zwei
Kinder sind ausgewechselt worden, die Tochter des Kaisers wurde in
deine Wiege gelegt, und der Kaiser zieht die deinige auf! Schau hin,
erkennst du sie noch? Agnes, davon hat dir in früher Jugendzeit
schon ein Märchen erzählt, doch damals ahntest du's noch nicht, daß
du über deine eigne Geschichte weintest, erst in dieser Stunde hast
du dich wieder auf dich selbst besonnen! Aber nun weißt du endlich,
wer du bist, das zeigt die edle Glut, die dir aus dem Auge blitzt und
von der Wange flammt, nun denkst du nicht mehr daran, daß du bisher
nicht im Purpur gingst und nicht aus goldenem Becher trankst; so komm
denn auch zu mir herüber, eh' dir das wieder einfällt!
Caspar Bernauer. Agnes!
Agnes. Vater, kein Wort von Gefahr! Erinnert mich nicht, daß Mut
dazu gehört! Sonst könnt' ich-
Albrecht (breitet die Arme gegen sie aus). Was? Was?
Agnes (sinkt hinein). Und müßt' ich's mit dem Tode bezahlen--das
täte nichts!
Albrecht (umschließt sie). Agnes!
Agnes (macht sich wieder los). Aber dazu berechtigt mich kein Mut!
--Ihr seid ein Fürst-
Albrecht. Und darf als solcher von vorn anfangen, so gut wie
irgendeiner meiner Vorgänger!