Törring (tritt ein). Guten Morgen, Meister! Auch schon da, Jungfer?
Die Hand her, wackrer Alter! Ich hab Euch gestern abend
liebgewonnen. Schöne Agnes, wäre des Törrings Schädel für die
Honigreime und Schmeichelsprüche des Heinrichs von Ofterdingen und
Wulframs von Eschenbach nicht immer zu hart gewesen: jetzt gäbe er
alles wieder von sich, was er je verschluckt hätte! Aber der hat
nichts behalten, als das Eia popeia von der Ammenstube her, darum
kann ich Euch nur sagen: Ihr seid's wert, daß Ihr einem Herzog
gefallt!
Agnes. Schon das ist zu viel, Herr Graf!
Törring. Bewahre! Wenn Kaiser Wenzels Bademädchen Euch geglichen
hat, so will ich's ihm verzeihen, daß er eine Weile glaubte, er sei
mit ihr allein auf der Welt. Nur das verzeih ich ihm nicht, daß er's
zu weit trieb und sich gar nicht wieder zur Besinnung bringen ließ,
denn sie mußt' es büßen, und das hätt' er vorher wissen können! (Er
sieht Agnes scharf an.) Arme Susanna, junges, schönes Kind, wie
bleich magst du gewesen sein, als die starren, grimmigen Böhmen dich
verbrannten und von ihren eignen Bischöfen und Erzbischöfen dabei
angeführt wurden, als ob's ein heilig Werk wäre! Du warst gewiß
keine Zauberin, oder es steht auch hier eine vor mir!
Caspar Bernauer. Das geschah im fröhlichen Lande der Geigen?
Törring. Es sollte mich wundern, wenn man noch keinen Reim darauf
gemacht hätte! So etwas singen die Leute gern, wenn sie lustig sind!
Caspar Bernauer. Was sagst du, meine Tochter?
Agnes. Pfui über den Kaiser, daß er's geschehen ließ!
Törring. Er lag im Turm, und sein Adel stand zornig mit blankem
Schwert vor der Pforte, er wußte nicht, wer zunächst bei ihm anpochen
würde, ob der Henker oder der Befreier!
Agnes. So war's ihr Schicksal, und sie wird schon einmal erfahren,
warum.
Törring. Bernauer, ein Wort mit Euch!
Caspar Bernauer. Geh, Agnes, und lege dein Kettlein weg!
Agnes (ab).