Fünfzehnte Szene

Bürgermeister Hermann Nördlinger kommt mit Nothhafft von Wernberg.

Bürgermeister. Ja, Herr Ritter, so läuft nun alles seit jenem

unseligen Katharinen-Abend, wo wir den Pöbel mit in den Rat aufnehmen

mußten, bei uns durcheinander! Perlen und Erbsen in einem Sack, der

Herzog wird das Ausklauben mühsam finden, mich wundert, daß er kommt!

Nothhafft von Wernberg. Ihr habt Euch noch immer nicht gewöhnt? Es

ist doch schon lange her.

Bürgermeister. Noch nicht lange genug, daß die Hoffnung auf die

Rückkehr der guten alten Zeit schon ganz erstickt sein sollte. Seht

den Dicken da, das ist der Zunftmeister der Bäcker, der macht die

Ehre der Stadt. Seht doch hin! Wenn er dem ankommenden Gast, den er

zu begrüßen hat, nicht mit seinem Stierkopf den Brustkasten einstößt,

so zerschmettert er einem schon anwesenden ganz sicher durch den

Kratzfuß das Schienbein! Was sagt Ihr? Ist's nicht, als wenn ein

Pferd ausschlüge? Und das sollte man gewöhnen!

Nothhafft von Wernberg. Ihr hättet Euch besser wehren sollen!

Bürgermeister. Wir wurden überrumpelt! Kaiser und Reich hätten uns

besser beistehen sollen! Was nötigte die Majestät, den vermaledeiten

Zunftbrief, der uns abgezwungen wurde, hinterher mit Ihrem Siegel zu

versehen? Wir hatten genug zu tun, daß wir uns nur nicht selbst

unter die Metzger und Handschuhmacher aufnehmen lassen und unsere

alten Namen mit neuen vertauschen mußten. Denn das wurde verlangt.

Agnes Bernauer · 第 42 / 108 题