Knippeldollinger (tritt herein). Guten Morgen, Gevatter! Ah! Das
ist wohl ein Buch? Ja?
Caspar Bernauer. Und das ist wohl ein funkelnagelneues Wams?
Knippeldollinger. Nun, wenn alte Leute nichts mehr machen ließen,
würde mancher Schneider hungern! (Sieht ins Buch.) Herrje, wie kraus
und bunt! Und das versteht Ihr, wie der Bischof?
Theobald (tritt mit der Flasche ein und macht sich wieder zu tun).
Caspar Bernauer. Ihr müßt immer fragen!
Knippeldollinger. Wie alt das wohl ist?
Caspar Bernauer. Seit der Kreuzigung unseres Herrn und Heilandes
Jesu Christi sind jetzt verflossen
eintausendvierhundertsechsundzwanzig Jahre, aber der Autor dieses
Buches, das ist zu sagen der Urheber, nämlich der Mann, der es
gemacht hat, war schon über vierhundert Jahre tot, bevor der Herr auf
Erden im Fleisch unter uns erschien.
Knippeldollinger. Macht an die zweitausend Jahre! Sollte man's
glauben, daß es Leute gibt, die solche Bücher so lange aufheben? Es
ist doch kein Gold! Denkt nur an all die Feuersbrünste und
Überschwemmungen, an Pestilenz und Seuchen! Sieh, sieh!
Caspar Bernauer. Es gab immer gelehrte Männer!
Knippeldollinger. Freilich, freilich! Was gab's nicht! Wenn man
das so erwägt, Gevatter, und gehörig bedenkt--Ja, ja! Nicht wahr?
Sagt selbst!
Caspar Bernauer. Ich weiß nicht, was Ihr meint!
Knippeldollinger. Ho, ho! Besser, als ich! Damit kommt Ihr mir
nicht durch. Nun, wie Ihr wollt! Wo bleibt denn mein Patchen? Die
Muhme wird schon warten!
Caspar Bernauer. Ja, die hatte Grillen! (Zu Theobald.) Spring
einmal zu ihr hinauf! Bring gleich das Besteck mit! Wir werden's
brauchen.
Theobald (ab).
Knippeldollinger. Ihr geht nicht auch? Wir könnten zusammenrücken!
Caspar Bernauer. Mich kümmern bei einem Turnier nur die Beulen und
Wunden, und die krieg ich hier schon zu sehen, denn man trägt mir die
Krüppel her!