Barbara (tritt in die Tür). Darf ich sie wiederholen?
Agnes. Barbara!
Barbara. Agnes?
Agnes. Du kamst lange nicht!
Barbara (nimmt die Schlüssel auf). Und jetzt hab ich hier etwas zu
tun! Siehst du?
Agnes. Wir waren immer so gut miteinander: was hast du jetzt gegen
mich?
Barbara. Oh, das bin ich nicht allein!
Agnes. Heilige Mutter Gottes, was sagst du da?
Barbara. Du siehst deine Gespielinnen wohl gar nicht mehr an, daß du
nicht weißt, wie sie dich ansehen?
Agnes. Es ist wahr, ich erhalte meinen Gruß nicht immer so
freundlich zurück, wie ich ihn biete!
Barbara. Glaub's!
Agnes. Aber bei Gott, wenn mir das mit einer begegnete, so dacht'
ich: Sie hat schlecht geträumt oder sie ist von der Mutter gescholten
oder sie hat ihren Ring verloren-
Barbara. Dabei kamst du denn freilich gut weg.
Agnes. Was tu ich denn? Sag's!
Barbara. Tun! Was tun! Wenn's schon so weit gekommen wäre, so
würde man leicht mit dir fertig!
Agnes. Barbara!
Barbara. Sag doch einmal, warum--(Sie zeigt auf Theobald.) Nun, da
steht ja gleich wieder einer und gafft! (Zu Theobald.) Nicht wahr,
ich bin gar nicht da! (Zu Agnes.) Gehst du heute? Zum Turnier, mein
ich! Ja? Nun, da will ich's allen ansagen, damit sie zu Hause
bleiben, ich zuerst!
Agnes. Das ist zu arg, das muß mein Vater wissen.
Barbara. Bewahre! Niemand red't dir was übles nach!
Agnes. Und doch flieht man mich? Doch will man mich ausstoßen?
Barbara. Agnes, sieh mich mal an!
Agnes. Nun?
Barbara. Wie wär' dir wohl zumute, wenn--laß uns hinaufgehen in
deine Kammer!
Theobald. Ich will nicht im Wege sein, wenn gebeichtet werden soll!
(Ab.)
Barbara. Ja, wie wär' dir zumute, wenn du, wie sag ich, nun, wenn du
einen gern hättest, und der hätte nur Augen für mich?
Agnes. Wie soll ich das wissen!
Barbara. So will ich's dir sagen! Du würdest--Doch ich will mich
nicht lächerlich machen, du weißt es selbst recht gut! Und meinst du,
daß es anderen besser geht? (Bemerkt den Strauß.) Woher kommt der?
Agnes. Das weiß ich nicht!
Barbara. Nicht? Kommen so viele? Wenn er von meinem Wolfram käme,
ich--Und es ist gern möglich, gerade die Blumen stehen in seinem
Garten! Gestern den ganzen Tag sah ich nach seinem Vetter, zwang
mich, dem gleichgültigen Menschen verliebte Blicke zuzuwerfen und
dachte, er würde rasen. Abends, als wir zu Hause gingen, strich er
den Burschen selbst gegen mich heraus, es war ihm recht gewesen, ich
hatte ihm einen Gefallen damit getan!
Agnes. Arme!
Barbara. Daran bist du schuld, niemand schuld, als du! Als er dich
noch nicht kannte, hing er an mir, wie eine Klette. In den
Bärenzwinger wär' er für mich hinabgestiegen und hätte meinen
Handschuh heraufgeholt. Und nun--pfui!
Agnes. Du schiltst mich, und ich weiß nicht einmal, wovon du
sprichst!
Barbara (nimmt den Strauß). Ich will schon dahinterkommen, ich nehm
ihn mit!
Agnes. Mir gleich!
Barbara. Allen machst du abspenstig, was ihnen gehört! Ich würde
mich schämen!
Agnes. Kannst du sagen, daß ich auch nur einen ansehe?
Barbara. Das ist's vielleicht eben! Nonne und doch keine! Heilige,
aber noch nicht im Himmel! Die muß man Gott abjagen! Da muß man
alles daransetzen! Ei, sei, wie wir, kuck auf, sprich, und es wird
sich geben!
Agnes. Tät' ich's, so würdest du wieder schmälen!
Barbara. So geh ins Kloster, wirf den Schleier über, den niemand
heben darf! Ich dich um Vergebung bitten? In Ewigkeit nicht!
Agnes. Wer verlangt's denn?
Barbara. Mein Beichtvater! Glaubst du, ich kam von selbst? Aber
nein, lieber auf Erbsen knien! (Hält den Strauß in die Höhe.) Den
werd ich ihm jetzt schenken! Kennt er ihn nicht, so schick ich dir
einen doppelt so schönen! (Ab.)
Agnes. Sie tut mir leid! Aber kann ich's ändern?