Daß ich nicht vergesse --.
Ein sanfter Pfiff von der Straße herauf. Metallisches Anlaufen, Schnurren,
Knistern. Ein Schlag gegen meinen knöchernen Federhalter.
Daß ich nicht vergesse --.
Was denn?
Ich will das Fenster schließen.
Die Straßen haben sonderbare Stimmen in den letzten Jahren bekommen. Ein
Rost ist unter die Steine gespannt; an jeder Stange baumeln meterdicke
Glasscherben, grollende Eisenplatten, echokäuende Mannesmannröhren. Ein
Bummern, Durcheinanderpoltern aus Holz, Mammutschlünden, gepreßter Luft,
Geröll. Ein elektrisches Flöten schienenentlang. Motorkeuchende Wagen
segeln auf die Seite gelegt über das Asphalt; meine Türen schüttern. Die
milchweißen Bogenlampen prasseln massive Strahlen gegen die Scheiben, laden
Fuder Licht in meinem Zimmer ab.
Ich tadle das verwirrende Vibrieren nicht. Nur finde ich mich nicht
zurecht.
Ich weiß nicht, wessen Stimmen das sind, wessen Seele solch tausendtönniges
Gewölbe von Resonanz braucht.
Dieser himmlische Taubenflug der Aeroplane.
Diese schlüpfenden Kamine unter dem Boden.
Dieses Blitzen von Worten über hundert Meilen:
Wem dient es?
Die Menschen auf dem Trottoir kenne ich doch. Ihre Telefunken sind neu. Die
Grimassen der Habgier, die feindliche Sattheit des bläulich rasierten
Kinns, die dünne Schnüffelnase der Geilheit, die Roheit, an deren Geleeblut
das Herz sich klein puppert, der wässerige Hundeblick der Ehrsucht, ihre
Kehlen haben die Jahrhunderte durchkläfft und sie angefüllt mit --
Fortschritt.
O, ich kenne das. Ich, vom Wind gestriegelt.
Daß ich nicht vergesse --.
Im Leben dieser Erde sind zweitausend Jahre ein Jahr.
Gewinnen, Erobern; ein alter Mann sprach: »Wir gehen und wissen nicht
wohin. Wir bleiben und wissen nicht wo. Wir essen und wissen nicht warum.
Das alles ist die starke Lebenskraft von Himmel und Erde: wer kann da
sprechen von Gewinnen, Besitzen?«
Ich will ihm opfern hinter meinem Fenster, dem weisen alten Manne,
_Liä Dsi_
mit diesem ohnmächtigen Buch.