39 Bogen. Gr. Oktav. Brosch. 8 M. = 9 _K_ 60 _h_; geb. 9 M.
40 Pf. = 11 _K_ 20 _h_.
+Emil Schering+, der Übersetzer +August Strindbergs+,
schreibt im Berliner Tageblatt vom 7. Oktober:
„Der Tod Otto Weiningers, von dem ich eben im Berliner Tageblatt
gelesen, hat mich tief erschüttert. Vorgestern noch empfing ich die
ersten — und die letzten Zeilen sowie sein Buch von ihm; und während
meine Frau und ich uns den ganzen Abend mit diesem furchtbaren Werke
beschäftigten, zur selben Zeit vielleicht erschoß er sich in Wien.
Am 19. Juni fragte mich der +Braumüllersche Verlag+ in Wien nach
der Adresse August Strindbergs, um diesem das Buch „Geschlecht und
Charakter“ von Dr. Otto Weininger im Auftrage des Verfassers zu
übersenden. Ich gab sie, und am 21. Juli schrieb mir August Strindberg
aus Stockholm:
„Dr. Otto Weininger in Wien hat mir „Geschlecht und Charakter“
gesandt; ein furchtbares Buch, das aber wahrscheinlich das schwerste
von allen Problemen gelöst hat. Er zitiert „Gläubiger“, aber er müßte
„Vater“ und „Fräulein Julie“ kennen. Wollen Sie ihm die senden? Ich
+buchstabierte+, aber er +setzte zusammen+. Voilà un homme!“
Ich schrieb Dr. Weininger sofort von dieser Anerkennung, sandte ihm den
betreffenden Band der Schriften Strindbergs und hörte lange Zeit nichts
weiter von ihm. Schließlich vorgestern — an seinem Todestage — erhielt
ich im Paket mit dem Buche folgenden Brief aus Wien, datiert vom 30.
September:
„Durch ein Übersehen des Verlagsgeschäftes habe ich die Karte, auf
welcher Sie mir am 23. Juli 1903 aus Grunewald schrieben, sowie das
Buch Strindbergs, das Sie mir auf Wunsch desselben schickten, erst
heute erhalten. Ich danke Ihnen und bitte Sie, Herrn Strindberg
mitzuteilen, daß ich den „Vater“ bei der endgültigen Niederschrift
von „Geschlecht und Charakter“ bereits kannte (vgl. daselbst Seite
557) und „Fräulein Julie“ in unreifem Alter las und nun wieder zu
lesen die Absicht und den Wunsch habe. Gleichzeitig sende ich Ihnen
ein Exemplar meines Buches.“
Daß dieses „furchtbare“ Buch das Werk eines Vierundzwanzigjährigen war,
erschien unbegreiflich; sein Tod erklärt es jetzt. Das ganze Leben
dieses Menschen faßte sich in dieser einzigen Arbeit zusammen und
erlosch dann. Er starb für sein Werk, auf daß dieses lebe!“
Die erste, 1600 Exemplare starke Auflage
☞ von „Geschlecht und Charakter“ ☜
wurde in vier Monaten abgesetzt!