Einer, von dem er sich einschüchtern ließ

Als die Bahn durch den Sachsenwald geführt wurde, besah sich der

Fürst fast täglich auf seinem Morgenspaziergange die Bahnarbeiten.

Es war ihm wohl nicht lieb, daß der altehrwürdige Wald auf eine

weite Strecke hin durchbrochen und die Axt an die Eichen gelegt

wurde; aber der Fürst fügte sich den gebieterischen Forderungen der

Zeit und hieß sein Herz, das Herz des naturliebenden Landwirts,

schweigen. Da kam er einst dazu, als die Arbeiter gerade eine

mächtige Eiche gefällt hatten. Sie war der schönsten eine, eine

Riesin des Waldes, voll Kraft im tausendjährigen Alter. Da

übermannte den Fürsten sein heftiges Temperament, und er befahl

den Übeltäter, der des Baumes Todesurteil gesprochen hatte und

vollziehen ließ, einen Ingenieur der Bahnbaubehörde, zu sich aufs

Schloß. Wütend ging er in seinem Zimmer mit wuchtigen Schritten

auf und ab, hastig trat er, als der Diener den Missetäter meldete,

dem Eintretenden entgegen. Und als er ihm gegenüberstand, da

erstarb ihm der zornigen Worte Schwall auf den Lippen, die finster

zusammengezogenen Brauen glätteten sich, und verlegen, ja verlegen

bot er dem baumlangen Ingenieur, einem gemessen neun Schuh hohen,

breitschulterigen Sohne Mecklenburgs, eine Zigarre und entließ ihn

nach einem Gespräche über die gleichgültigsten Dinge der Welt. Im

Kreise seiner Familie aber erzählte der Fürst am gleichen Tage noch

den Vorgang: »Ich konnte tatsächlich nach ›oben‹ den Ton nicht

finden,« meinte er, »der Mensch war ja größer als ich!«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 282 / 334 题