Von der öffentlichen Meinung

»Sie kennen,« so sagte der Kanzler einmal zu Wagener,

»unzweifelhaft den Ausspruch des alten Napoleons, daß drei

schreiende Weiber mehr Lärm machen als tausend schweigende Männer.

Man tut deshalb auch sehr unrecht, den schreienden Weibern der

öffentlichen Meinung irgendeine größere Bedeutung beizulegen.

Die wahre öffentliche Meinung ist die, welche sich aus gewissen

politischen, religiösen und sozialen Vordersätzen in einfachster

Fassung in der Tiefe des Volkslebens erzeugt und regt, und diese

zu erkennen und zum Durchbruch zu bringen, das ist die eigentliche

Begabung und Aufgabe des starken Mannes. Ich möchte sie die

Unterströmung der öffentlichen Meinung nennen. Ich habe deshalb

auch nie mit den eigentlichen Parlamentsschreiern gerechnet und

habe gerade deshalb die Genugtuung gehabt, die öffentliche Meinung,

auf die ich Wert lege, in nachhaltiger Weise für mich zu gewinnen.

Die Paulskirche in Frankfurt und das Unionsparlament in Erfurt

waren in der Tat eine Versammlung ausgezeichneter Redner, und doch,

was ist von denselben übrig geblieben? Versunken und vergessen, das

ist des Sängers Fluch.«

[Illustration: Deutschland hat auf der Pariser Ausstellung einen

Riesenglobus ausgestellt. Der Globus gefiele den Franzosen schon, aber

das, was oben sitzt, nicht. (»Hum. Blätter«, Febr. 1888)]

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 277 / 334 题