Wie er Modell saß

Professor Fritz Schaper sollte das Kanzlerdenkmal für Köln

ausführen, mußte sich aber damit begnügen, ihn einigemal in der

Nähe zu sehen, ohne daß ihm der Fürst als Modell saß. Dafür aber

erhielt der Künstler den vollständigen Anzug des Kanzlers, und in

diesen wurde ein Berliner Schutzmann gesteckt, der die gleiche

Körperbildung wie Bismarck besaß. Fünf Jahre später hatte der

Bildhauer eine Büste für den 70. Geburtstag des Reichskanzlers

herzustellen. Damals traf er es besser. Er war von Bismarck zu

Tisch geladen, aber der Kanzler mochte wohl geglaubt haben, daß die

Betrachtung bei der Tafel genüge. Doch als nach Ende des Mahls der

Fürst seine Pfeife angezündet hatte, zog plötzlich Schaper sein

Handwerkszeug hervor, sagte nur: »Erlauben Sie, Durchlaucht«, und

begann den Kopf abzumessen. Dabei hatte er freilich einen Umstand

nicht berücksichtigt, nämlich — Tyras, der wütend auf den Künstler

lossprang, jedoch schnell zur Ruhe verwiesen wurde. So konnte

Schaper, maßgeblich für alle Kollegen, die Größenverhältnisse des

gewaltigen Kopfes feststellen. Damit der Fürst bei dieser für ihn

langweiligen Messung nicht ungeduldig würde, suchte ihn Schaper

nach Kräften zu unterhalten und erzählte dabei ein Histörchen, zu

dessen Verständnis daran erinnert sei, daß Bismarck sich einmal den

weißen Vollbart hatte wachsen lassen. Ein Schalk — so erzählte nun

Schaper — sei während des Karnevals auf das Standbild geklettert

und habe dem Kopfe mit — Schlagsahne den Vollbart verliehen; das

sei dem Übermütigen freilich schlecht bekommen, denn man habe ihn

eingesperrt. Bismarck bemerkte: »Das hätte man mir telegraphieren

sollen, ich hätte sofort seine Freilassung verfügt!«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 272 / 334 题