Ein Dienstmann führt einen Landsmann in München herum und zeigt ihm
unter anderem die Universität daselbst. Der Landsmann will wissen,
was die Figuren an der Fassade bedeuten. Der Dienstmann nennt
ihm, um seine Unwissenheit nicht merken zu lassen, verschiedene
volkstümliche Münchner Gelehrte der neuesten Zeit als Originale;
bei einem halbnackten griechischen Denker am linken Flügel
angelangt, sagt er keck: »Das ist der =Dr.= Schweninger!« — Bauer:
»Aha, ’m Bismarck sei Leibarzt! Aber warum hat denn der kan Rock
an?« — Dienstmann: »Ja woaßt, Seppel, seit er den Reichskanzler
kuriert hat, tun sich die Leut’ so um ihn reißen, daß der beste
Rock dabei z’grund gehn müßt!«
Sicherlich ist es allein der Kunst =Dr.= Schweningers zu danken, daß
Fürst Bismarck die schweren Anfälle von Krankheit, die ihn vor allem
dann plagten, wenn seine Seele durch harte Kämpfe erregt war, durch
lange Jahre siegreich überwand. Kaiser Wilhelm hat ihm wiederholt
den Dank dafür ausgesprochen, daß er ihm und dem Vaterlande den
unentbehrlichsten Diener erhalten habe. Was aber die Kunst des Arztes
allein noch nicht erreichte, das ergänzte die Luft von Varzin und
Friedrichsruh und die Kissinger Kur.
[Illustration: ~Die offiziöse Presse.~ (»Le Grelot«, Nr. 141 vom 6.
Februar 1887)]