Wie einst im Mai

Welche köstliche Reminiszenz an die erste Zeit der jungen Liebe

erweckt ein Brief aus diesen reich belasteten Tagen, der am

20. August 1864 aus Schönbrunn zur Gattin flog! »Es ist zu

verwunderlich, daß ich gerade in den Zimmern zu ebener Erde wohne,

die auf den heimlichen, reservierten Garten stoßen, in den wir vor

ziemlich genau siebzehn Jahren beim Mondschein hier eindrangen!

Wenn ich über die rechte Schulter blicke, so sehe ich durch eine

Glastüre gerade den dunkeln Buchenheckengang entlang, in welchem

wir mit dem heimlichen Behagen am Verbotenen bis an die Glasfenster

wanderten, unter denen ich jetzt wohne. Es war damals eine Wohnung

der Kaiserin, und jetzt wiederhole ich im Mondschein unsere

damalige Wanderung mit mehr Bequemlichkeit. ...« Ob auch mit mehr

Behagen? »Feldjäger, Tintenfaß, Audienzen und Besuche umschwirren

mich ohne Unterlaß«, so schreibt er; »auf der Promenade mag ich

mich gar nicht zeigen; kein Mensch läßt mich in Ruhe.«

Und doch war das Ziel noch längst nicht erreicht. Denn das, was er

als notwendig für Deutschlands Heilung erkannte, die entscheidende

Auseinandersetzung mit Österreich, war auch jetzt noch nicht

erfüllt. Ja, in der Lösung der Nordischen Frage selbst lag schon

der Keim für künftige Konflikte. Nur durch die Gewalt der Umstände

war ja schließlich Österreich dazu gelangt, den eigenen Standpunkt

preiszugeben. Fast in jeder Einzelheit in den weiteren Verhandlungen

zeigten sich Differenzen zwischen Bismarck und der kaiserlichen

Regierung, mochte es sich nun um die Frage handeln, ob der Bund von den

Beratungen unterrichtet werden solle, mochte Österreich verlangen, daß

die Verwaltung der Herzogtümer einem dreiköpfigen Kollegium übergeben

werden solle, oder mochte man hier die Forderung stellen, zuerst das

Recht der Thronfolge zu ordnen. Aus jener Zeit stammt Bismarcks Klage:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 140 / 334 题